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DOSB-Neujahrsempfang : „Der Sport hat seine Autonomie missbraucht“

  • -Aktualisiert am

DOSB-Präsident Alfons Hörmann Bild: dpa

Beim Neujahrsempfang in Frankfurt hält sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann nicht mit Kritik an Verbänden zurück. Für die Zukunft sieht er in der Krise des Sports aber auch eine Chance – und stellt klare Forderungen.

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          Als einer der ersten Politiker hat der hessische Innenminister Peter Beuth den organisierten Sport vor den Folgen der jüngsten Skandale auch für seine juristische Position in der Gesellschaft gewarnt. „Der Sport hat seine Autonomie, die stets wie ein Schutzschild gegenüber der Politik emporgehalten wurde, vielfach für Manipulationen im großen Stil missbraucht“, sagte der CDU-Politiker am Montag auf dem Neujahrsempfang des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Stadt Frankfurt im Römer. Beuth, auch Sportminister in der hessischen Landesregierung, würdigte zwar die „unfassbaren Leistungen“ der rund 90 000 Vereine bei der Integration. Im Kern seiner Rede aber stand die angegriffene Integrität des Sports, die Korruption im Fußball und die Bereicherung skrupelloser Funktionäre im Leichtathletik-Weltverband. Er erwarte eine schonungslose Aufklärung unabhängig von Straf- und Steuerrecht und ohne Ansehen der Person, fügte Beuth hinzu.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mit seiner Kritik und der Anregung, die ramponierte „Integrität“ des Sports wieder herzustellen, stieß er nicht auf Widerstand unter den zahlreichen Sportfunktionären im Kaisersaal des Römers. Im Gegenteil. DOSB-Präsident Alfons Hörmann bekannte als einer der ersten Spitzenfunktionäre das Versagen der über Jahrzehnte beschworenen Selbstreinigungskraft des Sports ein. „Die Enthüllungen sind an manchen Stellen von innen nicht mehr möglich, das müsse man bei nüchterner Betrachtung erkennen.“ Er habe sich nicht vorstellen können, dass der Sport „so viel und so intensive Hilfe von Außen benötigen würde, um die Dinge wieder in Ordnung kriegen zu können“.

          Die Aufdeckung von getürkten Absprachen, Korruption, illegaler Bereicherung und Erpressung ist vorrangig Medien und Staatsanwaltschaften zu verdanken. Angesichts der jüngsten Behauptungen über neue Spielabsprachen im Profitennis sprach Hörmann, vom „nächsten Schlag in die Magengrube“ – insofern die Vorwürfe zuträfen. Juristen unter den anwesenden Sportfunktionären waren am Montag der Überzeugung, die Tennisszene müsse externe, unabhängige Aufklärer engagieren. Hörmann, der altgedienten deutschen Funktionären vorwirft, ihrer Verantwortung in internationalen Gremien wie dem Fußball- und dem Leichtathletik-Weltverband nicht gerecht geworden zu sein, will den Einfluss der Deutschen im internationalen Sport mit einer entsprechenden Strategie stärken. Er sieht in der gegenwärtigen Krise eine Chance und forderte „Wahrheit, Klarheit und Transparenz“. An dieser hohen Vorgabe werden sich der DOSB und seine Mitglieder messen lassen müssen.

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