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Folgen der Corona-Krise : Hörmann malt schwarz für den deutschen Sport

DOSB-Präsident Alfons Hörmann fordert einen Notfallfonds des Bundes für Vereine und Verbände. Bild: dpa

Die Corona-Krise koste deutsche Sportvereine Milliarden Euro, bis zu vier Millionen Mitglieder und bedrohe drei Viertel der Vereine existentiell – sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann im Sportausschuss.

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          Auf die gut 90.000 Sportvereine Deutschlands kommt durch die Corona-Krise ein Schaden von mehreren Milliarden Euro und ein Mitgliederschwund von bis zu vier Millionen zu. Mehr als der Hälfte der 255 Profi-Klubs in Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey droht, bei einem Schaden von bis zu 300 Millionen Euro, die Insolvenz. Schlechte Aussichten also für den Sport in Deutschland, welche dieser am Mittwoch dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages in Berlin vorstellte.

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          Michael Reinsch
          (mr.), Sport

          Für die Teamsportarten scheint der Blick in den Abgrund, der sich in der Sitzung eröffnete, zu einem Erfolg zu führen. „Wir wollen erst einmal den professionellen und semiprofessionellen Klubs helfen“, sagte Eberhard Gienger, der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktionen; die Klubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga dürfen allerdings keine Unterstützung erwarten. In der Diskussion seien hundert Millionen Euro, sagte Gienger. Die Milliarde für die Vereine sprenge die Größenordnung dessen, was die Sportförderung des Bundes bewältigen kann.

          Für Teamsport Deutschland hatte Handball-Präsident Andreas Michelmann gewarnt, dass, wenn die Teams von September an ohne Zuschauer spielten, bis zu vierzig Prozent der Einnahmen ausfielen. Darüber hinaus könnte das Engagement von Sponsoren leiden. „Dann drohen uns die Profi-Klubs wegzubrechen“, sagte Michelmann nach der Anhörung, „und damit das Rückgrat der Nationalmannschaften.“ Da die Klubs weder in das Mittelstandsprogramm der Wirtschaft noch in den Nothilfefonds der Vereine passe, bedürfe es eines Spezialpakets für den Teamsport. Die Klubs und ihre Ligen bräuchten 200 bis 300 Millionen Euro.

          Reserviert reagierte auch Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses, auf die Hochrechnungen und Prognosen von Milliardenschäden durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dessen Präsidenten Alfons Hörmann. „Wir haben die Studie zur Kenntnis genommen“, sagte sie. „Die Rücklaufquote von 54 Prozent hat aus meiner Sicht eine begrenzte Aussagekraft.“

          Der DOSB hat die Unternehmensberatung Deloitte mit einer Untersuchung beauftragt, laut der bereits ein Schaden von 1,08 Milliarden Euro eingetreten sei und dieser sich, bei weiterem Stillstand des Sportbetriebs, exponentiell vergrößern werde. Die Untersuchung basiert auf der Befragung von sechzig Vereinen und der Hochrechnung der Ergebnisse. Demnach hat jeder Sportverein im Schnitt 12.000 Euro Schaden erlitten, eine Zahl, die deshalb mit 90.000, der Zahl der Vereine im DOSB, multipliziert wurde.

          Ein Teilnehmer der Sitzung berichtete, dass Hörmann, als die Abgeordneten Freitag Zweifel an der Korrektheit der Schadenssumme äußerte, erwiderte: „Beweisen Sie das Gegenteil.“ Hörmann fordert einen Notfallfonds des Bundes für Vereine und Verbände; die Hilfe der Länder und Gemeinden reiche nicht aus. Auch müsse das Zuwendungsrecht so geändert werden, dass es Klubs erlaubt, Rücklagen für Krisenzeiten zu bilden. Vereine und Verbände haben laut Hörmann noch nicht ansatzweise eine Vorstellung von der Höhe ihrer Schäden, die im Laufe des Jahres eintreten werden.

          Zu diesen gehöre auch der Ausfall von Veranstaltung. Nach Erkenntnissen des DOSB denken zehn bis fünfzehn Prozent der Mitglieder in Vereinen und Verbänden über den Austritt nach; der DOSB gibt 27 Millionen Mitgliedschaften in seinen Vereinen und Verbänden an. Seit drei Monaten gebe es praktisch keine Eintritte. Drei Viertel der Vereine fürchteten deshalb um ihre Existenz. Der DOSB warnte in seiner Präsentation vor dem Verlust der Vielfalt der Sportlandschaft, wie es sie in Deutschland gebe.

          Auch der Linken-Abgeordnete André Hahn kritisierte die Basis der Erhebung des DOSB und die Spreizung der durchschnittlichen Schadenssummen der Vereine von 8000 in Berlin bis 17.000 in Bayern; dies sei keine Grundlage für staatliche Förderung. Die Schadenssumme betrage das Fünffache der jährlichen Förderung des Spitzensports durch den Bund und sei damit vom Bund nicht auszugleichen. „Man darf die Athletinnen und Athleten nicht vergessen“, mahnte die SPD-Abgeordnete Freitag. „Ihnen werden zum Ende des Olympia-Zyklus‘ möglicherweise Sponsoren wegbrechen. Die Sporthilfe reicht nicht, um ihnen die möglichen existentiellen Sorgen zu nehmen.“

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