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DOSB-Präsident Hörmann : „Sport trägt historische Schuld“

  • -Aktualisiert am

„Wir haben viel zu lange geschwiegen“: DOSB-Präsident Alfons Hörmann Bild: dpa

Der organisierte deutsche Sport bittet mit Blick auf seine Rolle während des Dritten Reiches und sein Verhalten danach um Entschuldigung. Athleten ist es allerdings untersagt, sich überall zu positionieren.

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          Der organisierte deutsche Sport hat mit Blick auf seine Rolle während des Dritten Reiches und sein Verhalten danach um Entschuldigung gebeten. „Auch wir im Sport tragen eine historische Schuld“, sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) auf dem Neujahrsempfang des DOSB am Montag in Frankfurt: „Wir haben viel zu lange geschwiegen und uns viel zu wenig mit diesem beschämenden Teil unserer Geschichte beschäftigt.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Dafür bat er, als Präsident stellvertretend, um Entschuldigung. „Wir werden unserer Verantwortung nachkommen und uns intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzen“, fügte Hörmann am Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz durch sowjetische Soldaten hinzu. 75 Jahre später forderte er die Mitgliedsorganisationen des DOSB auf, sich, insofern noch nicht geschehen, mit diesem „Teil der Geschichte zu beschäftigen“.

          Obwohl es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Publikationen zum Mitwirken etwa namhafter wie geehrter Funktionäre der Nachkriegszeit an der Vernichtungspolitik der Nazis gegeben hat, gibt es immer noch Lücken in der Aufarbeitung. Am Sonntag entzog der Fußball-Bundesliga-Klub Eintracht Frankfurt seinem früheren Präsidenten Rudolf Gramlich, einst SS-Mann und Profiteur der Arisierung, die Ehrenpräsidentschaft. Angesichts der wachsenden Zahl antisemitischer wie rassistischer Kommentare wie entsprechend motivierter Taten nahm Hörmann den Sport in die Pflicht, sich „einzumischen, wenn Werte des Sports mit den Füssen getreten“ werden. „Wir müssen energisch einschreiten gegen Antisemitismus, gegen Islamophobie, gegen Rassismus und Faschismus“, sagte Hörmann.

          Athleten ist es allerdings untersagt, sich überall zu positionieren. Zumindest verbietet nicht nur das Internationale Olympische Komitee Botschaften während der Wettkämpfe und der Siegerehrungen bei seinen Spielen. Wer dagegen verstößt, kann mit dem Ausschluss bestraft werden. Trainingslager und Wettkämpfe in Ländern, wo Machthaber Menschenrechte mit Füssen treten, sind an der Tagesordnung.

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