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DOSB-Mitglied Benedikt Wagner : „Offene Diskussion muss erlaubt sein“

Nur einer traut sich: Beneditk Wagner hat Courage bewiesen. Bild: Picture-Alliance

Fechter Benedikt Wagner zeigt Courage. Als neues persönliches Mitglied steht er bei der DOSB-Versammlung gleich im Mittelpunkt. Im Interview erklärt er, wie und warum er dem Sport auf die Sprünge half.

          2 Min.

          Benedikt Wagner, 28 Jahre alt, ist einer der besten Säbelfechter der Welt und Student des Journalismus und der Unternehmenskommunikation in Köln. Seit Samstag ist er persönliches Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Muss man mutig sein, um bei der Vollversammlung des DOSB, wie Sie es getan haben, einen Gegenkandidaten zu Alfons Hörmann für die Präsidentschaft vorzuschlagen?

          Scheint so zu sein, dass es mutige Leute braucht. So wie ich es wahrgenommen habe, war niemand anders bereit, und die herrschende Stimmung ließ es nicht zu, dass jemand anderes sich getraut hätte, diesen Schritt zu machen. Demokratische Prozesse leben davon, dass man die Wahl hat und es nicht nur eine Option gibt. Anscheinend ist Angst damit verbunden, einen solchen Schritt zu vollziehen. Deshalb habe ich nicht gezögert, von meinem Recht in meinem neuen Amt Gebrauch zu machen und Martin Engelhardt vorzuschlagen. Ich fand es wichtig und richtig, dass er in seiner Rede gesagt hat, dass es darum gehe, ein Zeichen zu setzen und die Diskussion zu beleben. Ich finde, dass dies den Sport weiterbringt.

          Es ging ums Prinzip?

          Das hat nichts damit zu tun, dass ich etwas gegen Alfons Hörmann hätte. Ich liebe den Sport, ich hoffe, dass die Leistungssportreform in die richtige Richtung geht. Dazu gehört, dass man offen diskutiert. Das muss erlaubt sein. Deswegen fand ich es schade, dass es anscheinend notwendig war, dass ich den Vorschlag mache, weil sich sonst niemand bereit erklärt hat.

          Haben Sie eine Erklärung dafür?

          Ich habe am Samstag in Düsseldorf den Eindruck bekommen, dass es eine allgemeine Angst vor öffentlichen Diskussionen gibt. Vielleicht liegt das am Führungsstil von Alfons Hörmann, denn die Vertreter der Sportverbände schienen Kritik nicht öffentlich äußern zu wollen. Ich kann das nicht verstehen. Solange man sich fair verhält und sich an Spielregeln hält, sind Debatten sehr belebend und überhaupt nicht schädlich.

          Kannten Sie Martin Engelhardt, den Präsidenten der Triathlon-Union? Wussten Sie, dass Sie ihn vorschlagen würden?

          Nein. Ich hatte das nicht geplant. Es gab keine öffentliche Kandidatur im Vorfeld. Er ist am Samstag auf mich zugekommen. Ich hatte keine Sorge, dass es ein Fehler sein könnte, ihn vorzuschlagen.

          Wie sehen Sie die Folgen?

          Ich hoffe, dass das etwas Positives bewirkt hat. Alfons Hörmann hat nach seiner Wahl gesagt, dass er einen neuen Stil pflegen wolle. Hauptsache, es passiert etwas Gutes für den Sport. Wer das macht, ist mir grundsätzlich egal.

          Welche Reaktionen haben Sie erlebt?

          Mir ist nichts Negatives entgegengeschlagen. Ich fand überraschend, dass viele Leute gesagt haben, dass sie das mutig fanden. Einige haben gesagt, dass sie sich vor der nächsten Wahl eine längere Diskussion wünschen. In fünf Minuten direkt vor der Entscheidung kann man sich, selbst wenn man mit Hörmann nicht einverstanden sein sollte, kaum von jemandem überzeugen lassen, den man nicht kennt.

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