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Machtspiel beim DOSB : Hörmann stark, Führung schwach

  • -Aktualisiert am

DOSB-Präsident Alfons Hörmann Bild: dpa

Das DOSB-Präsidium um Alfons Hörmann gibt vor, im besten Sinne des Sports schnell nach Olympia die Vertrauensfrage zu stellen. Aber dahinter verbirgt sich auch ein cleverer Schachzug im Spiel um die Macht.

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          Wer hat daran gezweifelt, dass Alfons Hörmann den Wink mit dem Zaunpfahl ignorierte? Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hält die vernichtende Kritik der Ethik-Kommission unter Vorsitz des früheren Innenministers Thomas de Maizière am Führungsstil der Chefetage offiziell für einen Besserungsauftrag.

          In Wahrheit hat der ehemalige Spitzenpolitiker mit seiner detaillierten Aufzählung von zerrütteten Verhältnissen zu Familienmitgliedern im DOSB, vor allem aber zu wesentlichen Partnern des Sports in der Gesellschaft das Kernproblem geschildert. Mit Hörmann an der Spitze des Sports ist kein Staat mehr zu machen.

          Ob die mit Händen zu greifende Ignoranz der Bundesregierung gegenüber den Bedürfnissen der Bevölkerung nach regelmäßiger Bewegung für Jung und Alt gerade in der Zeit der Sportsperre mit Hörmanns Umgangsformen zusammenhing, ist zwar fraglich. Aber um so mehr ist diese erschreckende Schwäche des größten Sportverbandes im wichtigsten Moment seit seiner Gründung ein Beleg für die Schwäche der Führung.

          Ein auffallendes Verhaltensmuster

          Dennoch ist Hörmann stark. Wenn es um ihn und seine Position geht, dann nimmt er Kritik in erster Linie als Kampfansage. Das haben schon manche, denen ein Widerwort geboten erschien, zu spüren bekommen. Hörmann mag, wie vor drei Jahren bei der Mitgliederversammlung nach Beschwerden über seine Umgangsformen, wieder Besserung geloben.

          In all den Jahren seit Beginn seiner Präsidentschaft 2013 hat sich allerdings nur ein Verhaltensmuster auffallend durchgesetzt: Seine Fähigkeit, Macht zu konzentrieren, derart forciert auszuüben, dass (fast) ein ganzes Präsidium samt Vorstand nach seiner Pfeife tanzt. In diesem Punkt kann Hörmann ein Kontrollverlust nicht vorgeworfen werden, im Gegenteil.

          Die jüngste Entscheidung des Präsidiums spiegelt diese Strategie. Es gibt zwar vor, im besten Sinne des Sports schnell nach Olympia die Vertrauensfrage auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu stellen. Aber dahinter verbirgt sich auch ein cleverer Schachzug. Während der Sommerspiele in Tokio hat Hörmann genügend Zeit, Fachverbandspräsidenten für sich zu gewinnen, während der überschaubaren Opposition die Zeit davonläuft, die teils indifferenten DOSB-Mitglieder auf die Höhe der Diskussion zu bringen und von einem schnellen Wechsel zu überzeugen. In diesem Machtspiel wird die Ethik keine Rolle spielen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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