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Ethikkommission des DOSB : Eine Frage der Unabhängigkeit

Verband in Schieflage? Den Deutschen Olympischen Sportbund erschüttern Vorwürfe aus der Belegschaft. Bild: dpa

Mit den Vorwürfen gegen DOSB-Präsident Alfons Hörmann beschäftigt sich von diesem Mittwoch an die Ethikkommission. Wollen die anonymen Kläger sich ihr anvertrauen?

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          Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) scheint man das Adjektiv unabhängig steigern zu wollen: Die von Thomas de Maizière geführte Ethikkommission, die sich von diesem Mittwoch an mit Vorwürfen vor allem gegen DOSB-Präsident Alfons Hörmann befassen soll, wirkt seit Montag noch ein wenig, nun ja: unabhängiger.

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          Der Verband hat ein Foto von seiner Website entfernt, welches das Gremium – de Maizière, Hansjörg Geiger und Kati Wilhelm sowie Betty Heidler – gemeinsam mit Finanzvorstand Thomas Arnold in Räumlichkeiten des DOSB zeigt. Arnold ist Compliance-Beauftragter des DOSB, gehört aber nicht in die Kommission.

          Das neu eingestellte Bild zeigt die Mitglieder der Kommission nach ihrer Wahl am 1. Dezember 2018,. Die Pressemitteilung trug die Überschrift: „Die DOSB-Mitgliederversammlung hat dem gemeinsamen Vorschlag der Verbändegruppen und dem DOSB-Präsidium und -Vorstand für die Besetzung der neuen Ethik-Kommission einstimmig zugestimmt.“

          „Beim (entfernten/d. Red.) Foto der Ethikkommission handelte es sich um ein Bild der konstituierenden Sitzung aus dem Januar 2019, bei der keine Fälle oder Vorgänge oder Ähnliches behandelt wurden“, teilte der DOSB auf Anfrage mit: „Nach dem offiziellen Teil haben die DOSB-Mitarbeiter*innen die Sitzung verlassen. Das Foto wurde von der Seite genommen, um zu vermeiden, dass der Eindruck entsteht, es gebe eine inhaltliche Beteiligung von DOSB-Mitarbeiter*innen an der Arbeit der Kommission.“ Bei Vorstandsmitglied Arnold liege die rein organisatorische Begleitung der Ethikkommission. „Inhaltlich“, schreibt der Verband, „agiert sie komplett unabhängig vom DOSB.“

          „Damit wäre dieser Weg tot“

          Diese Unabhängigkeit hält Jochen Reinhardt von Transparency International Deutschland für nicht gegeben, insofern Hörmann und die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker den Vorsitzenden de Maizière 2018 für das Amt vorgeschlagen hätten: „Damit wäre dieser Weg (der Aufarbeitung/d. Red.) tot.“ Dass sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verbandes, die vor allem Hörmann in einem offenen, anonymen Brief für eine „Kultur der Angst“ am Verbandssitz in Frankfurt verantwortlich machen, gegenüber de Maizière offenbaren, ist unwahrscheinlich.

          Das Gremium wird von den jüngsten Vorwürfen nicht überrascht sein. Im Dezember 2019 hatte es eine schriftliche Aufforderung erhalten, anhand einiger aufgeführter Verfehlungen Hörmanns dessen ethisch-moralische Eignung für das Amt des Präsidenten zu prüfen. Unter anderem schrieb der Autor, „Fachverbände sollen aus Angst vor Repressionen abgelehnt haben, einen weiteren Kandidaten neben Herrn Hörmann vorzuschlagen“. Die Kommission antwortete mit der Bitte um konkrete Hinweise.

          Im Dezember 2018 hatte der Präsident der Triathlon Union, Martin Engelhardt, aus formalrechtlichen Gründen einen Antragsteller gesucht, um am Tag der Neuwahlen gegen Hörmann antreten zu können. Seine Motivation: ein Auftritt Hörmanns beim Treffen der Präsidenten der olympischen Verbände. Dort habe der DOSB-Chef seinen Leistungssportdirektor, Dirk Schimmelpfennig, öffentlich „runtergeputzt“.

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