https://www.faz.net/-gtl-99vge

Debatte um die Sportförderung : Erst das Geld und dann die Reform

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Bild: dpa

Der DOSB will wohl die Spitzensportreform erst dann umsetzen, wenn die Fördergelder vom Bund erhöht werden. Doch dem schiebt die Regierung einen Riegel vor. Nun sind die Verbände zur Krisensitzung geladen.

          2 Min.

          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beharrt darauf, dass erst die staatliche Spitzensportförderung erhöht und dann die Reform des Spitzensports umgesetzt wird. „Aus unserer Sicht ist es völlig eindeutig, dass ein substantieller und nachhaltiger Aufwuchs der Mittel eine unumgängliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der Reform ist“, schreiben DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker an die Präsidenten und Generalsekretäre der Verbände.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Sie laden diese zu einem „Meinungs- und Informationsaustausch“ an diesem Mittwoch in Frankfurt ein. Das Treffen könnte zu einer Krisensitzung werden. Denn die Eckwerte der Etatplanung der Bundesregierung, die in der vergangenen Woche in Berlin vorgestellt worden sind, erhalten für das laufende Jahr keinerlei Aufwuchs und von 2019 an eine Steigerung der Spitzensportförderung um lediglich 30 auf 195 Millionen Euro jährlich. Der DOSB hatte einen Mehrbedarf von rund 71 Millionen Euro für dieses Jahr angemeldet und für einen stufenweisen Zuwachs der jährlichen Spitzensportförderung um mehr als hundert Millionen Euro auf gut 270 Millionen Euro argumentiert.

          Ein Grund für die restriktive Haltung des Bundes ist der Bericht des Bundesrechnungshofes, in dem die Prüfer konstatieren: „Zusammenfassend können Aufwüchse gegenüber der bisherigen Finanzplanung für das Jahr 2018 (…) allenfalls zu einem geringen Teil mit der Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung begründet werden, da das Konzept noch der Umsetzung bedarf.“ Dies bestreiten Hörmann und Rücker. „Unserer Meinung nach sind wir in der Entwicklung des Prozesses deutlich weiter“, schreiben sie. „Es gab zu keinem Zeitpunkt einen Konsens über die Reduzierung der Kaderzahlen um 1000 – im Gegenteil. Der DOSB hat von Anfang an deutlich gemacht, dass die Reduzierung in dieser Größenordnung im Sinne einer optimalen Förderung des Leistungssports in seiner Vielfalt nicht zu verantworten ist.“

          Auch bei der Zahl der Bundesstützpunkte gebe es bis heute keine Einigkeit. Der DOSB als Mittler zwischen den Interessen von Bund und Ländern müsse auch den Nachwuchsleistungssport im Blick behalten; es gelte zu verhindern, dass in der Förderung weiße Flecken entstehen. Zudem seien neue olympische Sportarten zu berücksichtigen. Die Neuorganisation der Olympiastützpunkte solle der qualitativen Verbesserung dienen und nicht, wie der Rechnungshof erwarte, der Kosteneinsparung.

          Der DOSB ergänzt die Liste der Mängel um das Wissenschaftliche Verbundsystem. Auch hier gebe es keine gemeinsame Position. Der Rechnungshof hatte darüber hinaus bemängelt, dass Strukturgespräche auf Basis der seit Jahresbeginn laufenden Potentialanalyse (PotAS) für den Wintersport erst in diesem Jahr stattfinden könnten; für den Sommersport sind sie für die Zeit nach den Olympischen Spielen von Tokio 2020 vorgesehen.

          Weitere Themen

          Eine Rheinhessen-Auswahl

          Schott Mainz : Eine Rheinhessen-Auswahl

          Vor drei Jahren sorgte Schott Mainz für Schlagzeilen, weil Exil-Tibeter auf der Tribüne ihre Flagge als Protest gegen die Unterdrückung ihres Volkes durch Peking ausrollten. Nun kehrt der Klub in die Regionalliga zurück.

          Topmeldungen

          Die bayerische SPD fordert den Rücktritt Söders wegen der Corona-Test-Panne.

          Corona-Test-Panne in Bayern : Der erste Fleck auf der weißen Weste

          Bisher gab es nur Lob für das Corona-Management des bayerischen Ministerpräsidenten. Doch die Zehntausenden verzögerten Testergebnisse bringen Markus Söder in Bedrängnis. Wollte er zu schnell zu viel?
          Eine Aufnahme aus dem Jahr 2010 zeigt die roten Roben der Richter in Karlsruhe.

          NS-Vergangenheit von Richtern : Rote Roben, weiße Westen?

          Das Bundesverfassungsgericht will die Verflechtungen seiner ersten Richtergeneration mit dem nationalsozialistischen Regime erforschen lassen. Das ist überfällig – und eine gewaltige Herausforderung. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.