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Hörmann und die Reform : „Das ist Politik im Hinterzimmer“

DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Bild: dpa

DOSB-Präsident Alfons Hörmann möchte die Spitzensport-Reform im kleinsten Kreis anpassen und ändern. Die Reaktionen auf den Vorstoß sind deutlich.

          2 Min.

          Mit Empörung hat die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, auf einen Brief des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an Bundesinnenminister Horst Seehofer reagiert. „Nach allem, was man hört, drängt sich zumindest der Verdacht auf, dass der DOSB in der neuen Konstellation die Chance sieht, kritische Personen in der Sportabteilung des BMI loszuwerden. Damit nähme ein Lobbyist direkten Einfluss auf die Personalpolitik eines Ministeriums. Ich kann und will mir das nach wie vor nicht vorstellen. Die in Rede stehenden Mitarbeiter haben sich schließlich nicht das Geringste zuschulden kommen lassen“, sagte die SPD-Politikerin am Sonntag auf Anfrage. Die Parlamentarierin begründet ihren Verdacht mit einer Passage des von DOSB-Präsident Alfons Hörmann unterzeichneten Schreibens. Darin heißt es: „In der derzeitigen Aufstellung scheint uns eine Umsetzung (der Spitzensportreform/d.Red.) (...) schlichtweg nicht machbar, und deshalb sollten wir zeitnah nach gemeinsamen Lösungsansätzen suchen.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.
          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Im Verlauf der Vereinbarung zwischen DOSB und BMI über die Spitzensportreform war es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Abteilungsleiter Sport, Gerhard Böhm, und der Führung des DOSB gekommen. Unter anderem hatte der Beamte die Spitzenverbände aufgefordert, ihrem Wunsch nach einer Mittelerhöhung um inzwischen – geschätzt – rund 100 Millionen Euro pro Jahr auf 270 Millionen mit effektiveren Strukturen zu begegnen. Darüber war es zu einem Streit gekommen, in dem sich beide Seiten Inkompetenz vorwarfen. Seehofers Vorgänger Thomas de Maizière hatte dem Sport zwischenzeitlich vorgeworfen, bei der Beurteilung seiner Förderwürdigkeit mitstimmen zu wollen. Das Schreiben von Hörmann, zuerst von der ARD veröffentlicht, datiert vom 10. April. Seit wenigen Wochen kursieren Gerüchte, Böhm und auch sein Stellvertreter sollten abberufen werden.

          Hörmann fordert in seinem Brief den neuen Sportminister auf, in einem gemeinsamen Gespräch „die Notwendigkeit der Leistungssportreform, die damit verbundenen Ziele und die Ansatzpunkte nochmals kritisch zu reflektieren und ggf. Anpassungen und Änderungen vorzunehmen“. Dem damit entstandenen Eindruck, der DOSB wolle die Spitzensportreform reformieren, widersprach der DOSB am Sonntag auf Anfrage: „Wir wollen und werden die Leistungssportreform gemeinsam mit dem BMI, den Bundesländern und allen weiteren Partnern zum Erfolg bringen.“ Aus Sicht von Dagmar Freitag versucht der DOSB-Chef, die Bedingungen für den versprochenen Mittelaufwuchs zu verbessern: „Herr Hörmann hat den Verbänden viel Geld (vom BMI/d. Red.) in Aussicht gestellt und dafür von der Mitgliederversammlung des DOSB eine 98prozentige Zustimmung für die Reform erhalten. Dass diese Reform aber im Gegenzug mit der ein oder anderen unangenehmen Maßnahme, mit kritischen Nachfragen (des BMI/d. Red.) bei den Verbänden verbunden sein muss, ist im Verlauf des Prozesses deutlich geworden. Jetzt will der DOSB offenbar mit dem neuen Minister neue Regelungen treffen.“

          Vor allem verbindet der Dachverband die Umsetzung der Reform mit der Hoffnung auf einen erhöhten Geldfluss schon in diesem Jahr. Bislang stünden die „finanziellen Voraussetzungen (...) nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung“. Hörmann drängt den früheren Ministerpräsidenten Bayerns in seinem Brief zur Eile und mahnt den CSU-Vorsitzenden: „Die nun bevorstehenden Entscheidungen im Bereich der Wintersportverbände“ tangierten auch die Landtagswahl in Bayern „nicht unwesentlich“.

          Dagmar Freitag wundert das Vorgehen Hörmanns nicht. Mit Blick auf ein im Brief erbetenes Treffen „im engsten Kreis“ spricht die SPD-Politikerin vom Versuch einer Hinterzimmerpolitik, die sie als Parlamentarierin nicht akzeptieren könne: „Hinter dem Rücken des Parlaments sollen auf Betreiben und im Sinne des DOSB Veränderungen herbeigeführt werden. Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, der erkennen lässt, dass kritische Nachfragen unerwünscht sind. Denn die Absprache mit dem neuen Bundesinnenminister soll nach Wunsch des DOSB im ganz engen Kreis stattfinden. Gehören die Athleten, die ja angeblich im Mittelpunkt der Leistungssportreform stehen, zu diesem Kreis? Sie sind doch die Betroffenen.“

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