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Doppelpass mit Seehofer : Hörmann fordert mehr Geld

„Im Sinne eines nationalen Programms“: Alfons Hörmann (Mitte rechts), hier an der Seite von Ministerin Ursula von der Leyen. Bild: dpa

Die Zusammenarbeit mit Sportminister Seehofer ist für DOSB-Präsident Hörmann erfreulich. 2020 kann der deutsche Sport mit 300 Millionen Euro rechnen. Doch es soll noch viel mehr sein.

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          Die Millionen für die Spitzensportförderung sind eingesackt. Nun wendet sich der Sport den Milliardenbeträgen zu. „Wir brauchen ein bundesweites Programm zur Sanierung der maroden kommunalen und vereinseigenen Sportstätten“, fordert Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Um wie viele Milliarden es dabei geht, kann er gar nicht seriös beziffern – die höchste Schätzung, einige Jahre alt und aus seinem Haus stammend, beläuft sich auf mehr als 42 Milliarden Euro. Die Gelegenheit, beim Parlamentarischen Abend des Sports in Berlin am Mittwoch daran zu erinnern, dass die Sanitäranlagen vieler der 230.000 Schul- und Vereinssportanlagen in Deutschland zum Himmel stinken und dass der Vereinssport von der Substanz lebt, ist günstig.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Mehrere hundert Millionen im Sinne eines nationalen Programmes“ seien nötig, sagt Hörmann. Beim Bauminister, dem Adressaten seiner Klage, ist er gerade ausgesprochen erfolgreich gewesen. Dieser ist, in Person von Horst Seehofer, auch Minister für Inneres, für Heimat und für Sport und hatte sich am Mittwoch noch bei Besuchen im Sport- und im Haushaltsausschuss persönlich für das Paket mit den Wohltaten für den Sport eingesetzt. Warum also nicht nachlegen? Während seiner Rede vor den Präsidenten und Geschäftsführern der Sportverbände Deutschlands sowie dem sportpolitischen Berlin erhielt Hörmann die Nachricht aus dem Haushaltsausschuss auf sein Funktelefon, dass dieser dem Sport einen Nachschlag von 23 Millionen Euro für dieses Jahr gewährt habe – und machte es postwendend der Versammlung bekannt.

          Sieben Millionen Euro Lohnkosten

          Größter Posten darin sind sieben Millionen Euro für die Bestallung von Trainern und Bundesstützpunktleitern. So spät im Jahr solch eine Summe für Lohnkosten auszuschütten, ist das Versprechen auf mehr. Denn all die Beschäftigten, die von dem Geld 2018 nur einige Monate lang entlohnt werden, wollen auch im vorolympischen und im Olympia-Jahr 2020 bezahlt sein. „Sie können einem Stützpunktleiter schlecht erklären, dass er jetzt zum 1. Oktober in das Sportsystem einsteigen soll“, erklärte Hörmann am Donnerstag vor Journalisten, „Sie ihm aber nicht zugleich versprechen können, dass er für 2019 und 2020 einen festen Arbeitsvertrag hat.“ Zur Überraschung von Hörmann wollen sich auch noch die Länder an der Finanzierung der Stützpunktleiter beteiligen.

          Auch die direkte finanzielle Unterstützung von Athleten lässt sich hochrechnen. Noch in diesem Jahr sollen sie via Sporthilfe 3,5 Millionen Euro erhalten; in zwei Jahren sollen es 15 Millionen plus Rücklagen für die Rente sein. Weitere bemerkenswerte Posten, die der Haushaltsausschuss auf seiner Bereinigungssitzung beschloss, sind die allgemeine Verbandsförderung von dreieinhalb Millionen Euro, jeweils drei Millionen für die Sport-Institute IAT und FES in Leipzig und Berlin, 1,4 Millionen Euro für Trainerprämien, eine Million für neue Wettkampfformate und gut 800.000 Euro für den Behinderten- und paralympischen Sport.

          Die Initiative Athleten Deutschland wird zur Einrichtung einer Geschäftsstelle mit 225.000 Euro unterstützt. 500.000 Euro gehen nach Oberstdorf zur Vorbereitung auf die nordische Ski-Weltmeisterschaft 2021, 50.000 ans Turnfest 2021 in Leipzig. Überraschend machte am Donnerstag die Galopprennbahn Hoppegarten bekannt, dass der Haushaltsausschuss ihr 4,25 Millionen Euro für Denkmalsanierung zugeschlagen hat. Dies ist die Hälfte des Bedarfs, um die historische Substanz der östlich vor Berlin gelegenen, 207 Hektar großen Anlage im Eigentum des ehemaligen Investment-Bankers Gerhard Schöningh zu erhalten sowie Haupttribüne und Gestütshof instand zu setzen. Hoppegarten wird in diesem Jahr 150 Jahre alt.

          23 Millionen Euro Spitzensportförderung extra für ein halbes Jahr, das macht für zwölf Monate knapp 50 Millionen. Mit weiterem Aufwuchs kommt Hörmann bei dieser Rechnung auf ein Plus von 70 bis 130 Millionen Euro zum derzeitigen Spitzensport-Etat des Innenministeriums von 170 Millionen. Spätestens im Jahr der Olympischen Spiele von Tokio 2020 soll demnach ein Fördervolumen für den Spitzensport von 300 Millionen Euro erreicht sein – wenn Sportfreund Seehofer seine Auseinandersetzung mit Kanzlerin Merkel über die Asylpolitik im Amt überlebt.

          Die Zusammenarbeit mit dem CSU-Politiker und einstigen Ministerpräsidenten von Bayern ist für Hörmann, Bayer und CSU-Mitglied, erfreulich. Seehofer ist davon überzeugt, dass der Sport am besten wisse, was er zu tun und zu lassen habe; Staat und Politik hätten sich aus sportfachlichen Entscheidungen herauszuhalten. „So muss ein intaktes Rollenverständnis aussehen“, lobt Hörmann. Noch vor wenigen Monaten fühlte er sich von einer Sportabteilung im Innenministerium gepiesackt, deren Leitung Seehofer nun neu besetzt hat. Ein „völlig neues Arbeits- und Lebensgefühl für all diejenigen, die im Sport unterwegs sind“, konstatiert Hörmann. „Das ist mindestens so viel wert wie mehr Geld.“

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