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Dopinggesetzgebung : Effektive Dopingbekämpfung ist ohne Staat nicht möglich

  • -Aktualisiert am

Wer muss hin? Und was kommt raus? Bild: dpa

Immer wieder verdrängen Dopingskandale den Kampf um Sieg und Meisterschaften in der Berichterstattung. Diese öffentliche Aufmerksamkeit steht im Widerspruch zu der Anteilnahme, die der staatliche Gesetzgeber dem Thema entgegenbringt. Warum Deutschland ein „Gesetz zum Schutze des Sports“ braucht.

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          Immer wieder verdrängen Dopingskandale den Kampf um Sieg und Meisterschaften in der Berichterstattung. Diese öffentliche Aufmerksamkeit steht im Widerspruch zu der Anteilnahme, die der staatliche Gesetzgeber dem Thema entgegenbringt. Dabei muß Sportpolitikern wie Sportfunktionären seit Jahren klar sein, daß die beschworene Selbstreinigungskraft des Sports nicht ausreicht, um beim Kampf gegen Doping voranzukommen. Obwohl der deutsche Sport mit seinem Kontrollsystem nach einigen Mühen weltweit eine führende Rolle eingenommen hat, obwohl die Gefahr für Leib und Leben bei der Einnahme vieler verbotener Mittel bekannt ist, floriert der Handel mit diesen Substanzen. Im Gegensatz zu vielen seiner Nachbarn hat Deutschland bislang kein Anti-Doping-Gesetz. Bundesregierung wie Sportverbände setzten zuletzt auf die Novellierung des Arzneimittelgesetzes von 1998, seit der auch die unentgeltliche Weitergabe von Dopingmitteln untersagt ist. In der Praxis aber wird deutlich, daß dieses Instrument nicht ausreicht, die Dopingnester auszuheben. Dort, wo der Sport kein Eingriffsrecht hat, müßte der Staat helfen. Aufgrund der Gesetzeslage sind aber selbst engagierten Staatsanwälten die Hände gebunden.

          1. Dient die Dopingbekämpfung schutzwürdigen Belangen?

          Ein Anti-Doping-Gesetz setzt Klarheit über die mit der Dopingbekämpfung verfolgten Ziele voraus; denn der staatliche Gesetzgeber kann und will sein Instrumentarium nur für schutzwürdige Belange zur Verfügung stellen. Geächtet wird Doping im Sport, weil Doping die Gesundheit der Sportler gefährdet. Neben dem Gesundheitsschutz dient die Dopingbekämpfung der Wahrung des Fair play, das heißt des Schutzes der Chancengleichheit und des Leistungsprinzips. In kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich kommt den beiden Grundsätzen eine ähnlich starke Bedeutung zu wie im Sport; denn der Sport - insbesondere der Wettkampfsport - ist seinem ganzen Sinn und Zweck nach auf für jedermann gleiche Regeln ausgelegt. Wesensmerkmal des Wettkampfsports ist es, daß Medaillen, Plazierungen und Prämien nur nach Maßgabe der erbrachten Leistung vergeben werden. Allein der Umstand, daß die Dopingbekämpfung hehre Ziele verfolgt, reicht aber für ein staatliches Tätigwerden nicht aus. Vielmehr müssen diese Ziele auch im Allgemeininteresse liegen. Die Dopingbekämpfung erfüllt auch diese Voraussetzung. Dies folgt unmittelbar aus der gesellschaftspolitischen Bedeutung des Sports. Im 10. Sportbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2002 heißt es hierzu unter anderem: "Das Staatswesen in der Bundesrepublik Deutschland braucht den Sport ..., da er für die Stabilisierung der Wohlfahrt der Gesellschaft gerade angesichts eines beschleunigten sozialen Wandels unverzichtbare Leistungen erbringt." Der Sport sei - so der Sportbericht - eine der "wichtigsten Quellen sozialen Kapitals in Deutschland", leiste für die Volksgesundheit einen wichtigen Beitrag und helfe durch Vorleben und Einüben bestimmter sozialer Verhaltensmuster "die Unabhängigkeit des Staates" und seiner tragenden Strukturmerkmale zu sichern.

          2. Stehen dem Staat Kompetenzen im Rahmen der Dopingbekämpfung zu?

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