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Streit um Doping-Opfer-Hilfe : Sind Opfer Versager?

Neuer Vorsitzender der Doping-Opfer-Hilfe: Michael Lehner.

Was aber wussten die erwachsenen Athleten, die schon als Jugendliche an den Doping-Tropf gehängt wurden und die Wirkungen wie die Nebenwirkungen zu spüren bekamen? Vielleicht, dass sie zunächst verbotene Mittel bekamen auf höhere Weisung. Aber was waren das für Medikamente? Vor einigen Jahren erzählte eine der großen DDR-Athletinnen der F.A.Z., dass sie, nun ja, „so blaue Pillen“ bekommen habe. Sie machte selbst nach den vielen Aufklärungsbeiträgen des Heidelberger Professors Franke, des Pädagogen und Präventions-Experten Prof. Gerhard Treutlein, der vierte im Kläger-Bunde, nicht den Eindruck, halbwegs durchzublicken, was sie damals geschluckt hatte. Kein Wunder. Denn eine Aufklärung der Athleten über die Gefahren gab es in der Regel nicht. Zwar waren die Doping-Forscher und -Täter am Schreibtisch teils gut im Bilde über die Konsequenzen. In Stasi-Akten und in Vernehmungsprotokollen der Zentralstelle für Regierungskriminalität ist von Schwangerschaftsabrüchen zu lesen, weil die Athletin die Anabolikaeinnahme fortgesetzt hatte und dem weiblichen Embryo eine Vermännlichung drohte. Aber die Doper wollten ihre Athleten wohl kaum verunsichern und sie waren teilweise auch nicht in der Lage, seriös aufklären: Weil sie schlicht nicht wussten, welche Folgen ihr Medikamentenmix haben konnte, der Einsatz von Stoffen, die nicht klinisch getestet oder in der DDR nicht zugelassen waren.

Die DOH weist in ihrer Erwiderung der Angriffe auf Beschlüsse des Bundesgerichtshofes in Doping-Verfahren zur Jahrtausendwende hin. Die Sportler wurden demnach „zu Opfern des Systems, da ihnen ohne Rücksicht auf ihren Willen eine sogar ihrem Wissen vorenthaltene Aufopferung ihrer Gesundheit durch Hinnahme von beträchtlicher gesundheitlicher Gefährdung abverlangt wurde“ (AZ 5StR. 451/99, zitiert nach Marxen, Klaus, Wehrle, Gerhard (Hrsg.): „Gefangenenmisshandlung, Doping und sonstiges Unrecht, Strafjustiz und DDR-Unrecht“, Band 7.). In der Abweisung der Revision zur Bewährungsstrafe für Manfred Ewald, den Architekten des DDR-Sports, befand der BGH im September 2001, dass der „Unrechtsschwerpunkt in der Nichtaufklärung der betroffenen Sportlerinnen (liegt), die um der staatlich vorgegebenen Vertuschung willen systematisch vorgegeben war.“ (AZ 5 StR 330/01, am angegebenen Ort).

Verstorbener Mediziner wird diskreditiert

Frankes Zorn richtete sich vor allem gegen die Akademiker im Doping-System Ost, aber auch West. Die Mediziner sah er als eigentlich Verantwortliche, als Schreibtischtäter. Sie wurden nicht mal von den Ärztekammern infrage gestellt und in den seltensten Fällen von Staatsanwaltschaften angeklagt. Nun attackieren Franke und Co. auch Wissenschaftler, die zu den Folgen des Dopings forschen. Wie der im Dezember verstorbene Prof. Harald J. Freyberger, Artz für Psychiatrie und Psychotherapie. In dem Kapitel „Der unanständige Vergleich mit Opfern der Konzentrationslager“ behaupten sie, es sei „nah am Irrsinn“, dass Freyberger „die Folgen eines ‚Aufenthalts im Konzentrationslager‘ für vergleichbar hält mit den Folgen der zielgerichteten und bewussten Einnahme von Dopingsubstanzen zur Leistungssteigerung“. Ihr Urteil: „Mit diesem infamen Vergleich verwirkt Freyberger jeden Anspruch auf wissenschaftliche, historische und persönliche Integrität.“

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