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Schwimmer Sun Yang : Der Mann mit dem Hammer und die Doping-Probe

Der Schwimm-Weltverband sprach Sun Yang frei, obwohl er womöglich eine Doping-probe zerstörte. Bild: Picture-Alliance

Sun Yang ist ein ziemlich erfolgreicher Schwimmer und in China ein Superstar. Allerdings war er bereits wegen Dopings gesperrt. Nun soll eine seiner Proben zerstört worden sein. Doch Sun Yang wird trotzdem freigesprochen.

          Sun Yang ist der einzige Schwimmer, der über 200, 400 und 1500 Meter Freistil Olympiasieger geworden ist. Entsprechend ist sein Status unter Chinas Sportstars: ganz oben im Olymp. Als ihn Konkurrenten vor zweieinhalb Jahren bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro offen als Betrüger bezeichneten, mobilisierten seine Fans zigtausendfachen Online-Protest. Als Sun Yang in Rio schließlich Gold über 200 Meter Freistil gewann, drückte ihn der Generalsekretär des Internationalen Schwimm-Verbandes (Fina), Cornel Marculescu, an seine Brust. „Wie ein Großvater“ habe Marculescu ihn betrachtet, sagte der Chinese später, der Rumäne sei „ein sehr guter Freund der chinesischen Schwimmmannschaft“.

          Wie gut die Freundschaft zwischen den Funktionären der Fina und Chinas größtem Schwimm-Star ist, das könnte in diesem Jahr aufs Neue verhandelt werden. Nach einem Bericht der Londoner „Sunday Times“ hat das Doping-Panel der Fina den Schwimmer am 3. Januar vom Betrugsverdacht freigesprochen – und das, obwohl er dem Bericht zufolge gemeinsam mit einem Sicherheitsmann bei einer unangekündigten Trainingskontrolle am 4. September 2018 den Glasbehälter einer Blutprobe mit einem Hammer zerstört haben soll. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) prüfe, ob sie gegen die Entscheidung des Schwimmverbandes vor das Internationale Sportschiedsgericht ziehen werde. Die Einspruchsfrist läuft in der kommenden Woche ab.

          Dem Bericht der „Sunday Times“ zufolge haben die Kontrolleure des Unternehmens IDTM im vergangenen September vor dem Haus des Schwimmers in der Provinz Zhejiang auf diesen gewartet, Sun Yang habe nach seiner Ankunft eine Blutprobe abgegeben. Als er zudem eine Urinprobe abgeben sollte, habe er die Akkreditierung des „Chaperons“, der Aufsichtsperson, angezweifelt. Daraufhin soll seine Mutter Ming Yang damit gedroht haben, die Polizei zu rufen. Sun Yangs Arzt Doktor Ba Zhen habe dann den Arzt des Anti-Doping-Labors Han Zhaoqi kontaktiert. Dieser habe bestätigt, dass die für die Proben zuständige Krankenschwester nicht die erforderlichen Papiere habe. Während die für die Kontrolle zuständige Doping-Kontrolleurin in der IDTM-Zentrale in Schweden angerufen habe, sei das Glas mit der Blutprobe zerschlagen worden. Sun Yang habe später zudem einen Notizblock der Kontrolleurin zerrissen.

          Sun Yangs Anwalt Zhang Qihuai sagte gegenüber „China Daily“, die Fina habe entschieden, dass sein Mandant den Wada-Kodex nicht verletzt habe. Die IDTM-Mitarbeiter haben demnach keine Autorisierung durch ihr Unternehmen und keine Bescheinigung zu ihrer Tätigkeit als Doping-Kontrolleure vorlegen können. Zudem hätten sie das für Kontrollen festgelegte Procedere nicht eingehalten. Man behalte sich das Recht vor, die englische Zeitung zu verklagen, die den Ruf seines Mandaten schädige. Der Bericht sei „unwahr“.

          Sun Yang war bereits einmal wegen Dopings gesperrt gewesen, ebenso sein Arzt Ba Zhen. Als der Schwimmer im Sommer 2014 mit dem verbotenen Herzmittel Trimetazidin aufgefallen war, hatte es der chinesische Schwimmverband zunächst bei einer Rüge belassen wollen: Auf Drängen der Fina wurde rückwirkend eine Sperre ausgesprochen, von der die Öffentlichkeit erst Monate später erfuhr. Informiert wurde niemand, auch die Wada nicht, die gegen die Fina eine Rüge aussprach. Der Arzt Ba Zhen, der das Mittel verschrieben haben soll, wurde bis Mai 2016 gesperrt und trotzdem schon wenige Monate später wieder bei den Asienspielen 2014 gesehen, bei denen Sun Yang drei Titel gewann.

          Bei der darauffolgenden Weltmeisterschaft bezog sich Fina-Generalsekretär Marculescu unter anderem auf Sun Yang, als er sagte, es gebe mit der Wada Einverständnis darüber, dass man „Stars nicht von der Schwimm-WM ausschließen kann, nur weil sie einen kleineren Unfall mit Doping hatten“. Ein Wada-Sprecher dementierte das damals. Es habe darüber „kein Einverständnis“ gegeben, die Wada stimme der Aussage „unter keinen Umständen“ zu. Am Sonntagabend bestätigte eine Wada-Sprecherin auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass die Organisation vom jüngsten Fall Kenntnis habe und diesem nachgehen werde.

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