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Gefälschte Lyssenko-Dokumente : Eine Inszenierung des weißen Ritters?

Juri Ganus, Leiter der Russischen Anti-Doping-Agentur – welche Rolle spielt er? Bild: Reuters

Den russischen Leichtathletikverband überzieht offenbar abermals ein Dopingskandal. Wurde Hochspringer Danil Lyssenko mit falschen ärztlichen Attesten geschützt? Der Fall wirft mehr Fragen als Antworten auf.

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          Der nächste Knaller in der Saga des russischen Staats-Dopings: Die Spitze des seit vier Jahren von internationalen Wettbewerben ausgeschlossenen Leichtathletikverbandes soll der Fälschung und der Behinderung von Ermittlungen überführt worden sein und wurde gesperrt. Der suspendierte Präsident Dimitri Schljachtin und seine Komplizen sollen den Hochspringer Danil Lyssenko, als der vor der Europameisterschaft von Berlin 2018 gesperrt wurde, mit ärztlichen Attesten versorgt haben, die sein Fehlen bei Doping-Kontrollen entschuldigen sollten. Sie sind unterschrieben von Ärzten, die nicht Ärzte sind, der Athlet wurde behandelt in einem Krankenhaus, an dessen Adresse in Moskau Abrisshäuser stehen.

          Dies ist nur eine Episode in der Reihe, die unter anderem Verfolgungsjagden von Geheimdienstagenten, Athleten und Doping-Kontrolleuren enthält, die Flucht eines Laborleiters aus Russland in die Vereinigten Staaten, zwei verdächtige Todesfälle seiner Vorgänger und, nicht zuletzt, den konspirativen Austausch von Doping-Proben bei den Olympischen Spielen von Sotschi 2014.

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          Der Fall Lyssenko wirft mehr Fragen auf als er beantwortet. Was hat es mit den Speichermedien auf sich, welche die Ermittler von der Unabhängigen Integritätseinheit der Leichtathleten ausgewertet haben? Welche Rolle spielt Juri Ganus, der Leiter der Russischen Anti-Doping-Agentur? Die Leichtathleten danken ihm dafür, dass er die fünfzehn Monate andauernden Ermittlungen unterstützt habe. Ganus ist der weiße Ritter in diesem Spiel. Als sich die Daten aus dem Moskauer Labor, welche die Welt-Anti-Doping-Agentur erhielt, als manipuliert erwiesen, machte Ganus den russischen Sportminister Pawel Kolobkow dafür öffentlich verantwortlich und warf Funktionären wie ihm vor, sich gegen den russischen Sport verschworen zu haben – und dessen Ausschluss von Olympia zu riskieren.

          Auf der Anti-Doping-Konferenz in Kattowitz rief Ganus vor zwei Wochen den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Rettung des Sports auf. Das Finale wird spannend: Bringen Putin und Ganus ein russisches Team zu den Sommerspielen nach Tokio im nächsten Jahr? Und kann es sein, dass dies alles eine Inszenierung dafür ist?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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