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Reklame im Radsport : Wie Sponsoren vom Doping profitieren

Ein guter Werbeträger für Alpecin: John Degenkolb gewann Mailand – San Remo Bild: AP

Der Radsport ist nach Jahren mit Skandalen bei Sponsoren wieder gefragt. Mit vergleichsweise wenig Aufwand lässt sich prächtig Reklame machen. Angst vor Doping-Fällen gibt es nicht. Ganz im Gegenteil.

          Kommt ja vor, dass jemand Geld übrig hat, vielleicht sogar ein bisschen mehr, ein paar Millionen zum Beispiel. Und sich womöglich krampfhaft überlegt, was sich damit anstellen ließe. Einfach verprassen, nach Lust und Laune? Ginge natürlich. Wäre aber auch möglich, Gutes zu tun, anderen und sich selbst gleich auch. Da böte, klarer Fall, der Sport eine passende Bühne. Und wer dort als Förderer am Rad der Zeit drehen möchte, der wollte sich nicht scheuen, sich tatsächlich auch dem Rad zuzuwenden.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Obwohl man, grundsätzlich, einiges gegen diesen Sport vorbringen könnte. Schlecht beleumundet, üble Geschichte, seit langem schon, immer wieder Betrügereien und Manipulationen, wird auch so weitergehen, mal im kleineren, mal auch wieder im größeren Stil. So könnte just in diesen Tagen dem kasachischen Team Astana um den italienischen Tour-Sieger Vincenzo Nibali der Garaus gemacht werden: Wegen mehrerer Doping-Fälle in jüngster Vergangenheit droht der Lizenzentzug. Außerdem hatte eine Untersuchung der Universität Lausanne offensichtlich unzureichende Anti-Doping-Strukturen in dem Team aufgedeckt.

          Vom Sattel: Astana droht der Lizenz-Entzug

          Dennoch: nur Mut! Unternehmen sind bei einem Einstieg in den Radsport, das lehrt die Geschichte, in der Regel auf der sicheren Seite. Und dazu lässt sich, mit vergleichsweise geringem Aufwand, mit dem Vehikel Radsport prächtig Reklame für sich machen. Und so eigenartig das klingen mag: Für Sponsoren muss Doping noch nicht einmal eine wesentliche Gefahr bedeuten, im Gegenteil.

          Es gibt einfache Rechnungen, aufgemacht etwa durch einen ehemaligen Profi wie Jens Voigt, der sich am Ende seiner Karriere für kurze Zeit Stundenweltrekordhalter nennen durfte. Seine Kalkulation lautet so: „Für fünf Millionen Euro bekomme ich in der Formel 1 irgendwo an der Seite eines Autos einen kleinen Aufkleber. Beim FC Bayern darf ich für dieses Geld mit zwei Leuten zur Weihnachtsfeier. Im Radsport bin ich Namensgeber eines Teams und ständig präsent.“ Das sei, findet Voigt, der alle Kniffe des Radsports kennt, doch eine Riesenwerbung.

          Im deutschen Radsport, der kräftig gebeutelt worden ist durch Doping-Affären, gibt es inzwischen wieder solche Aktivitäten: zu sehen am Team Alpecin und am Team Bora, die in den beiden höchsten Klassen der Branche mitmischen. Beide Mannschaften werden auch an der kommenden Tour de France teilnehmen; das Team Bora, obwohl „nur“ ein Pro-Continental-Team und damit zweitklassig, war per Wildcard zudem bei Klassikern wie der Flandern-Rundfahrt am Sonntag am Start, bei der Alexander Kristoff gewann. Die Raublinger Equipe von Teamchef Ralph Denk wird seit dieser Saison maßgeblich von der mittelständischen Firma Bora unterstützt, die Kochfelder und Systeme produziert, die, wie es Inhaber Willi Bruckbauer formuliert, „den Dunst ausschließlich nach unten absaugen“.

          Mit Hilfe des Radsports möchte er die Bekanntheit seines Produkts nun deutlich steigern und die Expansion vorantreiben. Und offensichtlich ist er dabei, obwohl Bora ein Frischling im Radsport ist, bereits auf einem guten Weg. „Sie merken schon, dass es etwas bringt“, sagt Denk. Nach Rennen am Wochenende, die im Fernsehen gezeigt worden sind, „klingeln montags die Telefone“ – ein deutliches Indiz, behauptet Denk, dass das Interesse an Bora deutlich gewachsen ist. Und gerade hat der gelernte Schreiner Bruckbauer die Sache weiter angekurbelt.

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