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Widerstand gegen IOC : Gesperrte russische Rodler am Königssee dabei

Auch in Pyeongchang dabei? Russischer Rodler bei Olympia 2014 in Sotschi. Bild: Picture-Alliance

Der Internationale Rodel-Verband zweifelt an der Beweislage von zwei Sperren des IOC gegen Russland – und lässt eine Athletin und einen Trainer zum Weltcup am Königssee zu. Der Verband hat gute Argumente.

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          Angenehm ist die Situation nicht. Albert Demtschenko und Tatjana Iwanowa treten an diesem Wochenende am Königssee in der Rennrodel-Szene auf. Er als Trainer der Russen, sie als seine Athletin. Die Fahrleistungen der beiden werden geschätzt. Beide gewannen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 Silbermedaillen. Iwanowa mit dem Team, Demtschenkow auch im Einzel-Wettbewerb. Seit ein paar Wochen ist das Duo verbannt. Jedenfalls vom olympischen Hain. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sie lebenslang gesperrt. Iwanow soll in gut einem Monat bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea nicht antreten dürfen. Demtschenko ist auch als Trainer Persona non grata. Wegen Dopings, wie das IOC mit Hinweis auf seine Ermittlungskommissionen erklärt. Die Beweislage? „Ist dünn“, sagt Christian Krähe, „ich frage mich, wie das IOC zu diesem Ergebnis kommen konnte.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Krähe ist ein promovierter Jurist vom Bodensee. Er setzt sich seit vielen Jahren immer wieder mit dem Sportrecht auseinander. Am Dienstag saß er dem Disziplinarausschuss des Internationalen Rodel-Verbandes (FIL) vor. Das Gremium hatte eine heikle Frage zu entscheiden: Wie kann man Athleten oder Trainer, die laut der Weltregierung des Sports als Betrüger entlarvt sind, im Weltcup antreten lassen? Etwa an diesem Wochenende am Königssee. Krähes Antwort auf Anfrage: „Nach Aktenlage ist das Ergebnis des IOC nicht mal diskutierbar.“ Und so hat seine Kommission eine Suspendierung von Demtschenko und Iwanowa auf der Grundlage der IOC-Beweisführung glatt abgelehnt.

          „Juristische Kriterien nicht außer Acht lassen“

          So, wie vor ein paar Wochen die Disziplinarkommission des Internationalen Bob- und Skeleton-Verbandes (IBSF) die Suspendierung für die Weltcup-Wettbewerbe russischer Athleten aufhob. Dahinter mag auch die Furcht stehen, im Falle eines Freispruchs der Athleten vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (Cas) Entschädigungen zahlen zu müssen. Die Verbände sind klein, aber vielleicht nicht so abhängig (von russischen Sponsoren), wie es erscheinen mag. Krähe liegt der Rennrodel-Sport sicher nahe. Doch mit den Russen kannte er keine Gnade, als sie einem ausländischen Trainer Gehalt vorenthalten wollten. Die russischen Schlitten ließ er am Frankfurter Flughafen beschlagnahmen – bis die Gehaltsfrage geklärt war.

          „Ich sehe die sportpolitisch schwierige Lage für das IOC“, sagt Krähe, „aber wir dürfen die juristischen Kriterien (für eine Bestrafung/d. Red.) nicht außer Acht lassen.“ Im Fall Demtschenko gibt es laut IOC-Beschluss vom 8. Dezember, er liegt der F.A.Z. vor, kein positives Resultat bei einer Kontrolle in Sotschi, keine Manipulationsspuren an den Kontrollflaschen und keine abnormalen Werte der Proben, die auf eine Verunreinigung schließen lassen. Von Iwanowa soll keine Probe vorliegen. Beide tauchen aber auf der sogenannten „Duchess-Liste“ auf. Sie führt laut IOC die Athleten an, die im staatlichen Doping-System einen Doping-Cocktail vor oder während der Spiele erhalten haben und vor dem Zugriff der Doping-Fahnder geschützt wurden. Das IOC verweist auf eine zu erwartende eidesstattliche Versicherung seines Kronzeugen Gregorij Rodtschenkow mit Bezug auf den Fall Demtschenko. „Aber der bislang einzige Zeuge hat einen zweifelhaften Ruf“, sagt Krähe, „und er war insbesondere nicht für ein Kreuzverhör zu haben, es gab auch keine konkreten Aussagen von ihm zu den betroffenen Athleten bislang.“ Den Athleten müsse zudem nachgewiesen werden, dass sie den Vorsatz hatten zu dopen und Bescheid wussten.

          Ein Doping-System ohne Doper? Das hat es auch in Russland nicht gegeben. Aber die individuelle Schuld, sagen neben Krähe auch andere Sportjuristen ohne Mandat, müsse bewiesen werden. Krähe hat alle bislang bekannten Berichte vorliegen, er war bei der letzten IOC-Anhörung dabei. Ob der Cas, den die Gesperrten angerufen haben, zu einer anderen Auffassung kommen könnte als das FIL-Gremium? „Das kann ich mir nicht vorstellen angesichts der dürren Beweislage“, sagt Krähe. „Es sei denn, Rodtschenkow erscheint und äußert sich glaubwürdig zu einzelnen Athleten.“ Den Antrag des Bob- und Skeleton-Verbandes, die Aufhebung der Suspendierung russischer Athleten durch seine Disziplinarkommission wieder rückgängig zu machen, wies der Cas am Donnerstag zurück. Dafür sei er nicht zuständig, ließ er wissen.

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