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Werner Franke wird siebzig : Die unbequeme Wahrheit

Angreifbar und unbequem: Viele von Werner Frankes Wahrheiten sind bis heute ohne Konsequenz geblieben Bild:

Professor Werner Franke spricht so offen, so laut, so hart und so lange wie kein anderer in diesem Land über die kriminellen „Schreibtischtäter“ und „Kinderdoper“. An diesem Sonntag wird er siebzig Jahre alt.

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          Franke sagt, Franke klagt, Franke schimpft: Kaum ein Medium, dass sich nicht vom Heidelberger Krebsforscher Schlagzeilen über Hintergründe, Ursachen und Zusammenhänge der pharmakologischen Manipulation diktieren lässt. Denn Professor Werner Franke spricht so offen, so laut, so hart und so lange wie kein anderer in diesem Land über die kriminellen „Schreibtischtäter“ und „Kinderdoper“.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Bis heute zucken Sportkameraden, wenn es aus Heidelberg übers Land schallt. Franke will die „Schweinehunde“, die „Drecksäue“ zur Strecke bringen. Der hoch dekorierte Wissenschaftler aber schreckte zuletzt nicht nur seine Gegner ab. Manche Ferndiagnose formulierte er nur mehr aus der Kombination seiner brillanten Kenntnisse über das Innere des Menschen und der bitteren Erfahrungen mit dem organisierten Sport. Das schwächt die Position eines unbestechlichen, weil unabhängigen Analytikers. Was nun sogar die wegen Blutdopings von ihrem Internationalen Verband gesperrte Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bewog, Frankes Zeit für abgelaufen zu halten.

          Niemand hat die Institutionen so zum Handeln zwingen können

          Vermutlich würden einige erleichtert aufatmen. Jene Doper, die über die Jahre aus schlechter Erfahrung in Deckung gegangen sind. Denn Franke hat kaum eine Auseinandersetzung verloren. Auch vor Gericht nicht, wo seine provokanten Anklagen auf den Punkt verhandelt wurden – nachdem der Sport viele Vorwürfe über die Jahrzehnte zerredet hatte. Franke ist nicht der Einzige, der in Deutschland die unbequeme, erschütternde Wahrheit sagt.

          Aber niemand hat die bockigen Institutionen so zum Handeln zwingen können. Zusammen mit seiner Frau Brigitte Berendonk enthüllte er akribisch das Staatsdoping der DDR – ohne sein Zutun wäre es nicht zu den Pilotprozessen in Berlin gekommen. Und damit auch nicht zu einer Anerkennung der zahlreichen Doping-Opfer.

          Schon zwanzig Jahre vor dem Mauerfall den Doping-Alltag West beschrieben

          Frankes ehrenamtliche Arbeit reicht also weit über die Enttarnung eines Krankheit und sogar den Tod von jungen Menschen einkalkulierenden Spritzensports hinaus. Dafür ist er gelobt worden und schwer beschimpft. Immer wieder von ostdeutschen Sportfunktionären, die Frankes Aufklärung über den pharmakologischen Unterbau des DDR-Sports als Machwerk eines einäugigen Besserwessis betrachten.

          Dabei hatte der Ostwestfale schon zwanzig Jahre vor dem Fall der Mauer an der Seite seiner Frau den Doping-Alltag in der Bundesrepublik detailliert beschrieben und Brutstätten wie etwa das sportmedizinische Zentrum in Freiburg angeprangert. Viele seiner Wahrheiten sind dennoch bis heute ohne Konsequenz geblieben. Nicht ein einziger des Dopings überführter deutscher Mediziner hat seine Approbation verloren.

          Die Passivität von Verbänden und Staat hat Franke geradezu gezwungen, in Wort und Tat radikaler zu werden, Grenzen zu überschreiten. Deshalb wird er angreifbar. Aber mit dieser Strategie lockte der Molekularbiologe schon manchen versteckten Gegner in die Schlacht. An der Taktik hält er fest: „Ich gehe davon aus, dass in den Ausdauerwettbewerben die Mehrzahl der Spitzenathleten gedopt ist“, sagt Franke zwei Wochen vor den Winterspielen in Kanada. An diesem Sonntag wird er siebzig Jahre alt.

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