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Doping-Kommentar : Für dumm verkauft

  • -Aktualisiert am

Sorgte mit seinem Geständnis für Aufsehen: der österreichische Biathlet Johannes Dürr. Bild: dpa

Ein österreichischer Langläufer hat in Deutschland gedopt, gesteht er. Nun schüttelt sich der deutsche Sport entrüstet ob der Behauptung, das Thema spiele auch hierzulande noch immer eine Rolle. Wie naiv kann man eigentlich sein?

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          Doping in Deutschland? Gibt es das? Die Geschichte des Österreichers Johannes Dürr, aufgesagt in einem am vergangenen Donnerstag ausgestrahlten Film der ARD, bemüht sich um den Eindruck. Weil der Langläufer vor seiner Enttarnung als Doper mit dem Blutdoping-Mittel Erythropoetin im Auto auf einem Oberhofer Parkplatz zur Spritze griff. Immerhin, ein Tatort in Deutschland. Dazu kommen ein paar Überführte aus der zweiten, dritten Reihe, einige Verdächtige. Zu viel mehr haben es Fahnder und Enthüller in den vergangenen Jahren nicht gebracht. Und so schüttelt sich der deutsche Sport entrüstet ob der Behauptung von Experten, das Thema sei immer noch aktuell. Selbst der Österreichische Skiverband, dem nach der Doping–Affäre 2006 in Turin Vorsicht gut zu Gesicht stände, spricht vom schwarzen Schaf. Wieder wird ein Doping-Fall individualisiert.

          Wie naiv sind diese Sportprofis? Oder: für wie dämlich halten sie ihre Zuhörer und Zuschauer? Dürrs Erzählung ist beileibe kein neuer Stoff. Die Athleten, die ihren Weg in die Manipulation en detail beschrieben haben, sind kaum mehr zu zählen. Wer diese Darstellungen nebeneinanderlegt, wird die Parallelen nicht überlesen können. In den seltensten Fällen handelt es sich beim Griff zum verbotenen Mittel um eine fixe Idee. Das Leben der meisten Spitzensportler ist extrem stark strukturiert, ihre Leistungsoptimierung so intensiv, dass sie nicht mal eben zugreifen, nur weil sich die Gelegenheit bietet.

          Die Profis und ihre Erzählung vom Schwarzen Schaf: Für wie dämlich halten sie ihr Publikum?

          Die Dürrs dieser Welt legen in der Stunde ihrer Wahrheit eine Art Doping-Biographie vor. Sie beginnt mit den ersten harmlosen, erlaubten Mitteln wie Aspirin zur Senkung des Schmerzempfindens. Schon in der Jugend lern(t)en Athleten, dass Pillen irgendwie dazugehören. Sie wachsen auf in einer Kultur des Schluckens im doppelten Sinne. Und sie verstehen die großen Zwänge dieser Welt erst, wenn es zu spät scheint. Als ob ein junger Athlet mit Aussicht auf den Sprung in die Spitze, auf Ruhm, Erfolg und eine Existenzsicherung eine zehnjährige, harte, entbehrungsreiche Aufbauarbeit sausen lässt und bei null Anfängt, vielleicht mit einer Lehre: 800 Euro statt 8000 im Monat?

          Das wäre ehrenwert, phantastisch, einfach nein zu sagen. Aber es ist nicht nur naiv, an die Kraft des jungen Solisten zu glauben, sich den Mechanismen einer von Doping profitierenden Szene und ihren Verlockungen widersetzen zu können. Dahinter steckt auch eine Neigung von Funktionären, die Verantwortung von sich zu schieben.

          Das ist die eigentliche Botschaft von Dürr. Er wünschte sich vor lauter Scham den Absturz des Flugzeuges auf seiner Rückreise von Sotschi nach der Enttarnung als Doper. Inzwischen kämpft er um sein Comeback als Langläufer, obwohl er behauptet, dass man ohne Doping nicht in die Spitze kommen könne. Das alles kann nur verstehen, wer die Realität erkennen will. Dürr hatte wie viele andere im Zweifel keine Alternative. Dagegen gibt es nur ein halbwegs wirkungsvolles Mittel: die duale Karriere.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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