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Doping : Wada hätte Skandal von Sotschi verhindern können

„Der eindeutige Wunsch, die Akkreditierung nicht zu entziehen“: Gregorij Rodschenkow durfte bei Olympia arbeiten Bild: dpa

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hätte das Moskauer Labor nach Informationen der F.A.Z. schon vor den Winterspielen in Sotschi schließen müssen. Die Einrichtung bot den Russen ein Schlupfloch für eine Doping-Manipulation im großen Stil.

          Der Doping-Skandal bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi hätte verhindert werden können. F.A.Z.-Recherchen haben ergeben, dass Welt-Anti-Doping-Agentur und IOC deutliche Hinweise auf geplantes Doping in Sotschi und eindeutiges Fehlverhalten im Moskauer Anti-Doping-Labor nicht veranlasst hat, angemessene Schritte zu ergreifen, dieses zu verhindern.

          Christoph Becker
          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          So hat es die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) im Vorfeld der Spiele 2014 wider besseres Wissen unterlassen, dem Moskauer Anti-Doping-Labor und dessen Satelliteneinrichtung in Sotschi, jeweils unter Leitung von Gregorij Rodschenkow, die Akkreditierung zu entziehen. Auf Anfrage der F.A.Z. erklärte ein Sprecher der Wada, es liege der Agentur „unglücklicherweise“ keine Information darüber vor, wer die Mitglieder der Disziplinarkommission waren, die Rodschenkows Labor wieder zuließen, nach dem es im November 2013 suspendiert worden war.

          Aufsichts- und Sorgfaltspflicht verletzt

          Rodschenkow, inzwischen in die Vereinigten Staaten geflüchtet, hatte jüngst in der „New York Times“ dargelegt, wie er unter Beteiligung des russischen Geheimdienstes FSB die Doping-Kontrollen bei den Olympischen Winterspielen manipuliert haben will. Bereits vier Wochen vor Beginn der Spiele, am 11. Januar 2014, hatte er dem Wissenschaftlichen Direktor der Wada, Olivier Rabin, dargelegt, dass es „externen Einfluss“ auf seine Arbeit gebe und dass er gezwungen sei, „Dinge zu tun“. Trotzdem behielt das Labor seine Akkreditierung, auch, weil es den „eindeutigen Wunsch“ gegeben habe, dem Labor die Akkreditierung nicht zu entziehen. Die Wada, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren insgesamt rund 200 E-Mails von Witali Stepanow, dem früheren Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur, mit Hinweisen auf flächendeckendes Doping im russischen Sport erhalten hatte, drängte das Internationale Olympischen Komitee im Vorfeld der Spiele, „angemessene Schritte“ zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Labore während der Spiele „komplett integer“ arbeiten. Dies geschah offenkundig nicht.

          Zudem wurde die Aufsichts- und Sorgfaltspflicht von den Anti-Doping-Beauftragten des internationalen Sports noch verletzt, nach dem das staatlich unterstützte flächendeckende Doping-Programm in Russland aufgeflogen war. So hatte noch vor nicht einmal einem Jahr von der Wada festgestelltes massives Fehlverhalten im Moskauer Anti-Doping-Labor zunächst keine Folgen. Im Juni 2015 stellten Wada-Wissenschaftler bei einer Routineprüfung fest, dass die richtige Verfahrensweise beim Umgang mit Doping-Proben „im wesentlichen zusammengebrochen“ war.

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          Der nach dem Besuch erstellte Bericht hatte zunächst keine Konsequenzen. In Moskau wurden die Proben der Schwimm-Weltmeisterschaften von Kasan im August 2015 untersucht und die Doping-Proben der Europa-Spiele in Baku. Beide Aufträge hatte Wada-Präsident Craig Reedie, zugleich Vizepräsident des IOC, in einer E-Mail an Natalija Schelanowa, Anti-Doping-Beauftragte der russischen Regierung und Beraterin des russischen Sportministers Witali Mutko, im April 2015 als Vertrauensbeweis in die russische Anti-Doping-Arbeit bezeichnet. Suspendiert wurde das Moskauer Labor erst nach der Präsentation des Berichts der Unabhängigen Kommission unter der Leitung des Kanadiers Richard Pound im November 2015. 

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