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Wada-Chef Witold Banka : „Die Amerikaner sollten bei sich zu Hause anfangen“

Als ehemaliger Athlet habe ich volles Verständnis für die Enttäuschung und den Ärger der Athleten. Ich respektiere aber die Entscheidung von World Athletics. Wir haben mit der Entscheidung nichts zu tun. Jedoch sind wir davon überzeugt, dass Russland seine Sport-Kultur ändern muss. Es ist kein Geheimnis, dass ich die einstimmige Entscheidung unseres Exekutiv-Komitees unterstütze, was Russland betrifft.

Sie meinen die Konsequenzen aus der möglichen Manipulation der Computerdaten des Moskauer Labors?

Der Cas wird über die Sanktionen entscheiden. Wir haben die komplexesten Ermittlungen in der Geschichte der Doping-Bekämpfung abgeschlossen und den Verbänden die Daten übergeben. Es ist wichtig, dass wir der Welt zeigen, dass wir auf diesem Feld führend sind.

Sitzen Sie in der Zwickmühle?

Wenn zwei Mächte wie Russland und die Vereinigten Staaten uns gleichermaßen angreifen, ist das vielleicht ein Indiz dafür, dass die Wada unabhängig ist und nicht vor mächtigen Ländern zurückschreckt. Ich versichere Ihnen: So wollen wir weitermachen.

Die Amerikaner verlangen größeren Einfluss in den Gremien, weil sie viel beisteuern.

Das macht nach meiner Überzeugung keinen Sinn. Wenn Regierungen in dem Maße vertreten wären, wie sie die Wada finanzieren, würde dies ganze Kontinente aus unseren Gremien ausschließen. Es würde die weltweite Doping-Bekämpfung schwächen. Außerdem: Würden wir dieser Forderung nachgeben, würde Russland im Aufsichtsrat sitzen. Ich bin mir nicht sicher, dass es das ist, was die Vereinigten Staaten von Amerika wollen.

Welche Ziele haben Sie?

Wir wollen athletenorientierter werden. Wir planen Hunderte von Gesprächen mit Athletenvertretern und ihren Organisationen, auch mit Athleten in Deutschland. Ich werde niemals zulassen, dass die Wada Teil eines politischen Spiels wird. Ich fühle mich als Präsident den sauberen Athleten verpflichtet. In diesem Geschäft ist kein Platz für Politik. Meinen Freunden in Amerika kann ich nur sagen: Lasst uns zusammenarbeiten und unsere wirklichen Feinde bekämpfen – die Betrüger.

Machtspielchen unter dem Deckmantel des Kampfs gegen Doping: Witold Banka vermutet, dass die amerikanische Anti-Doping-Agentur sich auf Kosten der Wada stärken will.
Machtspielchen unter dem Deckmantel des Kampfs gegen Doping: Witold Banka vermutet, dass die amerikanische Anti-Doping-Agentur sich auf Kosten der Wada stärken will. : Bild: Reuters

Die Amerikaner wollen das allein tun. Das Repräsentantenhaus hat den Rodchenkov Act verabschiedet. Was halten Sie davon?

Grundsätzlich sind wir nicht gegen solch ein Gesetz. Wir unterstützen Regierungen, die Anti-Doping-Organisationen stärken. Wegen dieses Gesetzes sind wir allerdings besorgt, und ich spreche nicht nur von der Wada, sondern von der Mehrzahl der Regierungen und Sportorganisationen. Abgesehen davon, dass es die meisten amerikanischen Ligen nicht berührt, untergräbt die Legislative in Amerika die Möglichkeit der Wada, zu ermitteln. Ein Beispiel: Grigorij Rodtschenkow, der Whistleblower in den Vereinigten Staaten, könnte von jedem Land juristisch verfolgt werden, das ein Gesetz wie den Rodchenkov Act schafft. Dies würde bedeuten, dass Whistleblowern möglicherweise Gefängnis in mehreren Ländern droht. Das würde kein hochkarätiger Whistleblower riskieren wollen.

Das Gesetz würde die Doping-Aufklärung einschränken?

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