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Amerika gegen Russland : Der Kalte Krieg ist zurück im Sport

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2007 flog der russische Präsident Wladimir Putin persönlich nach Guatemala zur Vollversammlung des IOC, um Sotschi die Winterspiele zu sichern. Das Ziel: auf sportlichem Wege wieder an den Großmachtanspruch der alten Sowjetunion anzuknüpfen. Es war ein Sieg auf der ganzen Linie: Die geschmeichelten IOC-Mitglieder gaben ihm den Zuschlag. Zwei Jahre später landete der amerikanische Präsident Barack Obama in Kopenhagen, um die Sommerspiele 2016 in seine Heimatstadt Chicago zu holen. Nachdem er in der Session seinen Charme hatte spielen lassen, verabschiedeten die IOC-Mitglieder Chicago bereits in der ersten Runde. Es siegte Rio de Janeiro.

Im fatalen Jahr 2010 vergab das Exekutivkomitee des Internationalen Fußball-Verbandes die beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Die Vereinigten Staaten, die sich eigentlich um 2018 hatten bemühen wollen, zogen diese Bewerbung zurück und konzentrierten sich auf 2022, weil sie davon ausgingen, dass die WM 2018 an Europa gehen würde. Es gewann: Russland. „Wladimir Wladimirowitsch“, sagte der einstige Fifa-Chef Blatter später über Präsident Putin, „ist ein guter Freund von Joseph Josephowitsch.“ In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Tass erklärte Blatter im Oktober vergangenen Jahres, dass eigentlich geplant gewesen sei, die folgende WM der anderen Großmacht, also den Vereinigten Staaten, zu geben. Aber das ging schief, weil unter anderem Frankreich nicht mitzog. Die Vereinigten Staaten verloren gegen Qatar.

Nur bei der Eröffnungsfeier ging nicht alles ganz so glatt wie gewollt.

Danach ging der Skandal los. Vor fast genau einem Jahr verhaftete die Schweizer Kantonspolizei in Zürich die ersten Fifa-Funktionäre - auf Ersuchen der amerikanischen Staatsanwaltschaft. Blatter musste demissionieren. Gegenüber der Tass bezeichnete er sich - in Verkennung der eigenen Verantwortung - als „Spielball im großen politischen Machtspiel“. Und jetzt ermittelt die amerikanische Staatsanwaltschaft also auch noch wegen russischer Doping-Manipulationen während der Winterspiele in Sotschi. Angeblich wurden mit Hilfe des Sportministeriums und des Geheimdienstes mehr als 100 Urinproben russischer Athleten ausgetauscht. Fünfzehn der 33 russischen Medaillengewinner seien gedopt gewesen. Ist es Zufall oder nicht? Beide Male eröffnete die Staatsanwaltschaft des Eastern District von New York das Verfahren. Beide Male profitierte die „New York Times“ davon.

Bei den Verhaftungen im Züricher Luxushotel Baur au Lac war ein Reporter der Zeitung zur Stelle - um sechs Uhr morgens. Und der russische Doping-Organisator und jetzige Informant, der ehemalige Moskauer Laborchef Gregorij Rodschenkow, machte seine Angaben auch nicht etwa während der Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die im vergangenen Herbst veröffentlicht wurde. Sie erschienen kurz vor Pfingsten - in der „New York Times“. Auch die Meldung von den staatsanwaltlichen Ermittlungen hatte diese Zeitung zuerst.

Die wichtigste Rückblende aber führt direkt nach Sotschi, zu den Feierlichkeiten, bei denen ein Olympia-Gastgeber sich üblicherweise vor der ganzen Welt produziert. Russland entfaltete seine Pracht - hohe politische Würdenträger der Vereinigten Staaten waren allerdings nicht zugegen. Erstmals seit langer Zeit erschienen weder der Präsident noch die First Lady noch der Vizepräsident zu einer olympischen Eröffnung. Stattdessen war die bekennende Lesbe Billie Jean King zusammen mit zwei weiteren homosexuellen Repräsentanten vorgesehen - die ehemalige Tennisspielerin kam dann wegen einer Erkrankung ihrer Mutter erst zur Schlussfeier.

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