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Doping-Skandal : „Russlands Leichtathletik hat Olympia nicht verdient“

Walerij Borsakowskij, russischer Olympiasieger 2004, russischer Cheftrainer 2015 Bild: Picture-Alliance

Vor vier Monaten erschütterte das Ehepaar Stepanow mit Enthüllungen in einer ARD-Dokumentation die Leichtathletik-Welt als Kronzeugen gegen das russische Doping. Was ist seither passiert?

          Draußen peitscht der Sturm. Äste brechen ab. Bäume knicken um. Das Häuschen ist stabil gebaut. Drinnen sitzt Witalij Stepanow, 32 Jahre alt. Antwortet auf Fragen. Erzählt, seit über zwei Stunden. Dann sagt er: „Der russische Leichtathletik-Verband verdient es, von Olympia in Rio de Janeiro ausgeschlossen zu werden.“

          Stepanow redet seit Jahren. Seit 2010 steht er, der frühere Kontrolleur der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada, mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Kontakt. Ihr hat er seither versucht klarzumachen, was in Russland, in Stepanows Heimat, geschieht: Doping. Mit System. Im ganz großen Stil. Stepanow und seine Frau Julija, 800-Meter-Läuferin, Doperin, Kronzeugin, haben Russland verlassen, bevor die ARD im vergangenen Dezember eine Dokumentation ausstrahlte, in der sie offenlegen, wie Spitzensport, wenigstens in Russland, wenigstens in der Leichtathletik funktioniert. Stepanow müsste ein gefragter Mann sein.

          Wie oft wollte der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) seither von Ihnen wissen, Herr Stepanow, was in seiner Sportart los ist?

          „Offiziell? Gar nicht. Weder von mir noch von Julija. Ich habe dem Verband Anfang 2015 geschrieben, über die Hintergründe unseres Handelns. Julija hätte nach IAAF-Regularien Preisgeld zurückzahlen müssen, ungefähr 16.000 Dollar, bevor sie wieder starten durfte. Das ist für uns viel Geld. Ende Januar wurde ihr das Startrecht gewährt, ohne die Summe zurückzahlen zu müssen, weil die Wada bestätigte, dass ihre Aussagen substantiell sind. Aber ich habe auch geschrieben, dass wir der IAAF gerne helfen wollen.“

          Die Wada hatte nach dem ARD-Film eine sogenannte „unabhängige Untersuchungskommission“ eingesetzt, in der auch Günter Younger, ein Beamter des bayerischen Landeskriminalamts, ermittelt. Younger hat sich mit Stepanow getroffen und will das wieder tun. Die IAAF wiederum hat eine sogenannte „Ethikkommission“ eingesetzt, um finanzielle Unregelmäßigkeiten zu untersuchen, die den Verdacht nahelegen, dass sich gedopte Athleten unter anderem über den Schatzmeister des Weltverbandes, Walentin Balachnitschew, bis Februar Vorsitzender des russischen Leichtathletik-Verbandes (Araf), freikaufen konnten. Balachnitschew lässt sein Amt in der IAAF ruhen.

          Aber müsste nicht auch der Weltverband viel mehr Interesse zeigen an den Aussagen der Stepanows, an ihren Beweisen? Ein Interesse daran zeigen, den russischen Sumpf so schnell und so gründlich wie möglich trockenzulegen?

          „Ich wünschte, sie würden sich öfter melden.“

          Mitte März erschienen Interviews mit Stepanow in „Sowjetskij Sport“ und auf „championat.com“ in Russland. Anschließend fragte die Reporterin von „Sowjetskij Sport“ den russischen Sportminister Witali Mutko zu den Vorwürfen. Mutko fragte die Journalistin: „Warum behandeln Sie Ihr Heimatland wie Dreck? Ja, ich bin der Minister, und ich bin hier für alles verantwortlich. Und Sie wollen mich, den Minister der Föderation, zu einer Reaktion auf diese Person bewegen? Das ist einfach lachhaft. Sie machen ihn ja zu einem Staatshelden!“

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