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Startrainer Alberto Salazar : „Lass die Hasser hassen“

Hat einiges zu sagen: Startrainer Alberto Salazar Bild: AP

Unbemerkt eingecremt: Der Trainer von Star-Leichtathlet Mo Farah weist die gegen ihn erhobenen Doping-Anschuldigungen in einem offenen Brief entschieden zurück. Doch Alberto Salazar nutzt dafür eine mehr als groteske Erklärung.

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          Drei Wochen nachdem die BBC Alberto Salazar Doping und Manipulationen vorgeworfen hat, verteidigt sich dieser mit einem offenen Brief. Weder er persönlich noch die Athleten des von ihm betreuten Nike Oregon Project hätten jemals verbotene Substanzen oder Methoden angewendet, schreibt der einst schnellste Marathonläufer der Welt auf der Website nikeoregonproject.com.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Seine Ausführungen sind außergewöhnlich ausführlich und umfassen zusätzliche Dokumente. Einen Absatz über die Folgen der Vorwürfe, mit denen der Ruf unschuldiger Athleten beschmutzt worden sei – „Unterstellungen, Hörensagen und Gerüchte“ – schließt er mit dem Satz: „Lass die Hasser hassen; wir werden weiter siegen durch harte Arbeit, Entschlossenheit und Fair Play.“ Der Sportartikelhersteller Nike teilt in einer Pressemitteilung mit, „Alberto und Galen“ hätten die Vorwürfe widerlegt; eigene Recherchen hätten deren Unschuld belegt.

          Mehr als ein Dutzend Zeugen befragt

          Zuvor hatten amerikanische Nachrichtenagenturen gemeldet, dass die Anti-Doping-Agentur der Vereinigten Staaten (Usada) Ermittlungen in der Sache aufgenommen habe. Laut AP habe sie mehr als ein Dutzend Zeugen befragt und Unterlagen und andere Beweismittel von Salazar eingeholt. Usada äußert sich auf ihrer Website nicht zu dem Fall.

          Die Vorwürfe haben Aufsehen erregt, weil der Gruppe die erfolgreichsten Langläufer der Welt angehören: der britische Olympiasieger über 5000 und 10.000 Meter und Doppel-Weltmeister Mo Farah sowie der Olympia-Zweite über 10.000 Meter, der Amerikaner Galen Rupp.

          Salazar führt aus, dass der 29 Jahre alte Rupp schwer an Asthma, Allergien und dem Hashimoto-Syndrom leide. Zur Behandlung, nicht zur Leistungssteigerung, sei ihm der Gebrauch des Schilddrüsenhormons Thyroxin sowie der von Asthmaspray erlaubt. Dieses enthält üblicherweise den auf der Dopingliste geführten Wirkstoff Salbutamol. Salazar wehrt sich gegen den Vorwurf, er und seine Athleten hätten sich um alle möglichen Ausnahmegenehmigungen bemüht. Rupp habe seit 2010 lediglich zwei dieser Genehmigungen erhalten, seine derzeit aus neun Sportlern bestehende Trainingsgruppe habe seit 2011 nur vier Ausnahmegenehmigungen erhalten. Für sechs der Athleten lägen keinerlei Ausnahmen vor.

          Inmitten seiner Schützlinge: Trainer Salazar mit dem Briten Farah (r.) und dem Amerikaner Rupp

          Grotesk erscheint Salazars Erklärung dafür, dass seine beiden Söhne Testosteron-Gel ausprobierten (welches Salazar, auch das geht aus seinem Text hervor, selbst benutzt) und sich anschließend Doping-Tests unterzogen. Rupp habe, als er im Mai 2009 in einer 4x1000-Meter-Staffel Hochschul-Rekord gelaufen war und Interviews gab, bemerkt, dass ihm jemand die Schultern rieb. Er drehte sich herum und erkannte Chris Whetstine, einen Physiotherapeuten, den der Sprinter Justin Gatlin beschuldigt, ihn 2006 ohne sein Wissen mit Testosteron-Creme eingerieben und damit eine positive Doping-Probe ausgelöst zu haben.

          Da Rupp Angst hatte, Opfer eines solchen Anschlags zu werden, habe Salazar seine Söhne gebeten, nach intensivem Basketballspiel die Creme zu applizieren und sich einer Urinprobe zu unterziehen. Er sei ein bisschen naiv gewesen und habe sich von einer Paranoia packen lassen, schreibt Salazar, „aber es gab nie die Absicht, etwas Verbotenes zu tun“. Salazar beschreibt in seiner Antwort, dass er Medikamente wie (das nicht indizierte) Nasonex in ausgehöhlten Büchern verschickte; die BBC hatte insinuiert, dass solche Sendungen Dopingmittel enthielten.

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