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Sportfilme : Hohle Einzelkämpfer

„Einzelkämpfer“: Unglückliche Figur von Wasserspringerin Britta Baldus Bild: Lichtblick Media GmbH

Drei Sportfilme haben an diesem Freitag auf der Berlinale Premiere. Die Schlagzeile gilt dem schwächsten. In „Einzelkämpfer“ gibt Olympiasieger Beyer zu, was längst belegt war: Doping.

          Was für ein kurioser Vorgang: Udo Beyer macht Schlagzeilen, bald 37 Jahre nach seinem Olympiasieg im Kugelstoßen. Er gebe, so meldet die „Bild“-Zeitung, Doping zu. Was für eine Neuigkeit, fast 22 Jahre nachdem Brigitte Berendonk und Werner Franke mit ihrem Buch „Doping-Dokumente“ belegt haben, wer im Deutschland der siebziger und achtziger Jahre mit welchen Mitteln und welchen Dosierungen gedopt hat.

          Die Nicht-Nachricht macht darauf aufmerksam, dass Sportfilme gerade Konjunktur haben. Zwei von drei, die derzeit einen Verleih suchen, haben an diesem Freitag auf der Berlinale Premiere. Die Schlagzeile gilt dem schwächsten: In „Einzelkämpfer“ stellt die Filmemacherin Sandra Kaudelka fast ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR vier Spitzenathleten aus diesem Staat vor. Ihnen allen gilt offensichtlich die Sympathie der Autorin, doch drei geben unglückliche Figuren ab. Weltrekord-Läuferin Marita Koch, Wasserspringerin Britta Baldus und der einstige Stasispitzel (IM Kapitän) Nationalmannschaftskapitän Udo Beyer haben das Pech, sich in Wort und Haltung an Ines Geipel messen lassen zu müssen.

          Udo Beyer: gebeichtet, was längst belegt ist

          Die einstige Sprinterin hat, so muss man wohl sagen: in schonungsloser Öffentlichkeit ihre Position im Sport und zum Sport definiert. Sie hat Doping-Opfern eine Stimme gegeben, sie kämpfte darum, dass ihr Name aus der deutschen Rekordliste gestrichen wurde, weil sie gedopt war, als sie 1984 im Team von Motor Jena die 4 mal 100 Meter lief. Sie beschreibt, wie die Staatssicherheit sie verfolgte und schwer verletzte, sie kämpft bis heute gegen die Machtphantasien des Sports. Damit schafft sie einen Maßstab, vor dem die mädchenhafte Naivität einer Marita Koch, die buddhahafte Selbstgewissheit eines Udo Beyer und die Elite-Phantasien einer Britta Baldus hohl wirken. Gelingt so ein Bild der Gesellschaft, wie es die Filmemacherin anstrebte?

          Die Geschichte der Protagonisten wäre schon ausreichend gewesen. Doch nicht einmal dazu reicht es. Der Film verschweigt den schweren Hüftschaden, der den Hünen Beyer ins Krankenhaus zwingt, während die anderen zur Filmpremiere gehen. Er lässt die Schließung der Modegeschäfte von Marita Koch unter den Tisch fallen, über deren Eröffnung die einstige Heldin so lebhaft berichtet.

          „Sportsfreunde“ und „Gold“ verdienen Schlagzeilen

          Dabei lassen sich Transparenz und Takt verbinden, wie die anderen Filme zeigen: „Sportsfreunde“ über eine unwahrscheinliche Freundschaft, der es nicht zur Berlinale geschafft hat und am Donnerstag in Leipzig uraufgeführt wurde, und „Gold - du kannst mehr, als du denkst“ über drei Sportler auf dem Weg zu den Paralympics.

          „Gold - Du kannst mehr als du denkst“: Blinder Läufer auf dem Weg zu den Paralympics

          Da ist von Schmerz und Scheitern die Rede, vom Anrennen gegen das Schicksal, und man kann nur den Hut ziehen vor den Hauptdarstellern, die trotz Blindheit eine Vision haben, die, obwohl sie nicht laufen können, mit Rückgrat durchs Leben gehen. Zur Premiere von „Gold“ hat sich der Bundespräsident angesagt. Man kann nur vermuten, dass Sportfreund Joachim Gauck dem Film ein paar Schlagzeilen gönnt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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