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Sportarzt und Doping-Gegner Johannes Lüke : „Imageverlust und Karriereknick“

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Haben Sie Unterstützung erfahren?

„Weder emotional noch finanziell, noch sonst irgendwie. Von meinem Anwalt insofern, als dass er mir geholfen hat, größeren Schaden von mir abzuwenden. Der betreffende Arzt hat mich wegen der Verletzung der Schweigepflicht angezeigt. Ich habe in der Zeit gemerkt, welche Freunde echt sind. Aber davon abgesehen hatte mein Engagement keinerlei positiven Auswirkungen für mich. Ich hatte den Eindruck, dass ich permanent betonen musste, dass ich doch ,der Gute‘ bin.“

Welche Nachteile haben Sie hinnehmen müssen?

„Jede Menge, sowohl emotionale durch soziale Isolation als auch finanzielle durch die Anwaltskosten in Höhe von mehreren tausend Euro. Und auch negative Auswirkungen, was die berufliche Seite angeht. Als es mit einem Kollegen, in dessen Praxis ich danach arbeitete, zu Streitigkeiten kam, hat er mir die alte Geschichte vorgehalten und gesagt, dass ich ja damals schon Nestbeschmutzer gewesen sei. Auch später habe ich immer mal wieder in vagen Andeutungen gehört, dass ich keinen guten Ruf in der Hamburger Ärzteschaft hätte, was ich schlecht verifizieren oder falsifizieren kann. Am meisten getroffen hat mich die Episode mit einem namhaften Sportverein. Ende 2011 wurde ich dort als betreuender Mannschaftsarzt der ersten Mannschaft vorgestellt, aber nach zwei Tagen wieder abberufen. Grund war angeblich eine anonyme E-Mail, in der es hieß, dass ich wegen der Doping-Geschichte untragbar sei. Insgesamt empfinde ich das als einen Imageverlust, aber auch als einen Karriereknick, der mittlerweile dazu geführt hat, dass ich kaum noch Spitzensportler betreue.“

Würden Sie wieder so handeln?

„Genauso sicher nicht mehr, grundsätzlich aber schon. Ich würde die Fehler von damals vermeiden, indem ich zuerst die Staatsanwaltschaft und einen Anwalt kontaktieren würde. Beweise würde ich, wenn möglich, anders sichern. Vor allen Dingen habe ich aber meine Naivität abgelegt. Auch was Informationen gegenüber der Ärztekammer anbelangt. Wer in einem derartigen Fall erst umständlich nachfragt, leistet nur der Möglichkeit Vorschub, Beweise zu vernichten.“

Wie beurteilen Sie das Ergebnis des Falles?

„Ich finde schon, dass der Arzt generell ,mehr Schuld‘ im Sinne von größerer Verantwortung hat. Heilen muss das ärztliche Ziel sein. Es dürfen keine Medikamentenstudien an Gesunden betrieben werden. Insofern begrüße ich den Strafbefehl sehr. Strafrechtlich denke ich, ist es in Ordnung, dass die Sportler ungeschoren davongekommen sind, zumal Betrug bei der bestehenden Gesetzeslage wohl auch nicht zu greifen ist. Aber sportrechtliche Konsequenzen hätte ich mir schon gewünscht. Zumal ich in diesem Fall auch seinerzeit bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur umfassend ausgesagt habe. Bei diesem Treffen war Rudolf Scharping als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, des zuständigen Sportfachverbands, anwesend. Konsequenzen hätte es nicht nur für die Sportler, sondern insbesondere auch für die Hintermänner, wie die Teammanager, Trainer, Sponsoren und so weiter haben müssen. Ich gehe in diesem Fall davon aus, dass alle mehr oder weniger Bescheid wussten. Dieser Fall hat ebenso wenig nachhaltige Änderungen bewirkt wie alle anderen Doping-Fälle. Und das ist schade für den Sport.“

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