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Simret Restle-Apel : Spritze oder Patientin verwechselt?

Unsicher bei der Einnahme von EPO? Die positiv getestete Simret Restle-Apel Bild: imago sportfotodienst

Die deutsche Leichtathletik rätselt, wie das Epo in Simret Restle-Apels Blut gekommen ist. An Aufklärung hat die Läuferin aber kein Interesse. Das schadet ihrem Sport.

          3 Min.

          Simret Restle-Apel, durch einen Dopingbefund in ihrem sportlichen Aufschwung jäh gestoppt, sieht sich als Opfer. Zunächst beklagte sich die aus Eritrea stammende und in Wiesbaden lebende Läuferin öffentlich darüber, dass ihr Name nun „in jedem Käseblatt“ stehe und dass Trainer, Verband und Manager sich aus dem Staub machten.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Zwar hat sie auf die Gegenanalyse verzichtet und damit das positive Ergebnis einer Dopingkontrolle vom Mai akzeptiert. Doch noch vor der deutschen Leichtathletik-Meisterschaft in Wattenscheid an diesem Wochenende, bei der sie über 5000 Meter antreten wollte, blies sie zum Angriff auf die Nationale-Anti-Doping-Agentur (Nada).

          Auf ihrer Internetseite „Simret.ch“ warf sie der Agentur vor, unrechtmäßig bestätigt zu haben, dass es sich bei der Dopingsubstanz um Epo handele. „Ich werde rechtlich gegen eine Verletzung der Verschwiegenheitspflicht vorgehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen“, hieß es. „Sportler sind kein Freiwild, wenn wir als Doper angeklagt sind, heißt das nicht, dass wir keine Rechte haben. Und ich will die erste Frau sein, die diese Rechte auch einfordert.“

          „Wie ein Drogendealer verfolgt“

          Am Freitag aber war der Text von ihrer Webseite verschwunden, ebenso wie ihre Klage darüber, dass sie am Dienstagmorgen um sechs Uhr zur Dopingkontrolle aus dem Bett geklingelt wurde: „Langsam frage ich mich, ob es sich überhaupt lohnt, Sport zu machen und habe das Gefühl, wie ein Drogendealer verfolgt zu werden. Man liegt auf dem Boden und wird mit dem Fuß getreten.“

          Unterdessen hat eine Konkurrentin, Susanne Hahn, der Verdacht beschlichen, dass Simret Restle-Apel nicht ganz so versehentlich positiv war, wie sie beteuert. „Ich sehe die deutsche Meisterschaft im Halbmarathon vom April in einem neuen Licht“, sagte die Marathonläuferin am Telefon: „Ich befürchte, dass sie dort auch schon etwas gemacht hatte, schließlich fängt man damit nicht erst an, wenn wichtige Qualifikationen anstehen.“

          „Überrascht. Weil ich gutgläubig bin“

          Simret Restle-Apel ließ bei ihrem Triumph in Griesheim in 1:12,57 Stunden die Favoritin Susanne Hahn deutlich hinter sich (1:13,45). Dabei hatte sie, wie ihr Trainer Winfried Aufenanger erstaunt sagte, an einer schweren Grippe und Achillessehnenproblemen gelitten und war erst am Vortag im Auto aus dem Höhentraining in der Schweiz angereist. Wenige Wochen darauf lief sie in Koblenz über 5000 Meter und bei der deutschen Meisterschaft in Marburg über 10.000 Meter jeweils persönliche Bestzeit.

          Es mag nichts bedeuten, dass sie statt dieser respektablen Leistungen von 15:28,71 und 32:41,50 Minuten auf simret.ch immer noch längst überholte Bestzeiten angibt. Wenn aber ihre Klage stimmt, dass sie in acht Wochen fünf Mal von der Nada kontrolliert worden ist, könnte das dafür sprechen, dass nicht nur die Konkurrentinnen früh eine Frage gestellt haben: Ist da jemand mit neuem Tempo und neuem Selbstbewusstsein unterwegs? „Ich bin sicher, dass ich oft gegen gedopte Läuferinnen antrete“, sagte Susanne Hahn in ihrem Trainingslager: „Aber von dem Befund für Simret Restle war ich überrascht. Weil ich gutgläubig bin.“

          Medikament für die Schwiegermutter?

          Simret Restle-Apel setzte sich vor zehn Jahren auf dem Rückflug von der Cross-Weltmeisterschaft von der Nationalmannschaft Eritreas ab. Da war sie achtzehn. Die Familie Restle in Wiesbaden nahm sie auf; sie heiratete den Sohn.

          Im November vergangenen Jahres schloss sie in Florida mit ihrem, wie es hieß, langjährigen Lebensgefährten die Ehe, dem dreißig Jahre älteren Wiesbadener Orthopäden und Chirurgen Rainer Apel mit Praxis am Wiesbadener Stadtpark.

          „Es geschah nicht mit der Absicht“

          Die Läuferin lehnte die Bitte um Stellungnahme ab; ihr Mann reagierte nicht auf die Bitte um Rückruf. Dabei hätten die beiden Anlass, zu erklären, wie es zu diesem „Vorfall“ gekommen ist, über den sie einige Tage lang rastlos schrieb, der dadurch aber immer nebulöser erscheint.

          Man konnte erfahren, „dass ich es nicht mit Absicht getan habe, dass jedem Menschen ein Fehler unterlaufen kann“ und: „Es geschah nicht mit der Absicht zur Leistungssteigerung, sondern versehentlich und einmalig.“ Am interessantesten war der Hinweis auf die „Einnahme eines Medikamentes, bei dem ich unsicher war“.

          Wer hat die Spritze gesetzt?

          Einnahme klingt, als ginge es um Pillen. Doch Epo wird nicht oral verabreicht, Epo wird injiziert. Aus den Verlautbarungen der Läuferin und ihres Trainers ergibt sich, dass das Medikament eigentlich für die Schwiegermutter vorgesehen sei. Da stellt sich die Frage: Wer oder was wurde da verwechselt: die Spritze oder die Patientin?

          Und: Wer hat die Spritze gesetzt? Wäre es der Arzt im Hause gewesen, müsste man ihm nicht nur gefährliche Fahrlässigkeit vorwerfen, sondern wohl auch einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden jedoch teilte auf Anfrage mit, dass sie nicht gegen ihn ermittle. Wie also kam das Epo in Simret Restle-Apels Blut?

          „An meinem privaten Glück festgehalten“

          Rainer Apel scheint eine schillernde Figur zu sein. Der promovierte Mediziner, vor wenigen Jahren noch Mannschaftsarzt der Volleyballspielerinnen am Ort, stellt sich auf der Internet-Plattform „Xing“ als Bauunternehmer und Projektentwickler vor, als Aufsichtsratsvorsitzender und Berater in Vermögensverwaltung und Kapitalanlage.

          Demnach verfügt er über Verbindungen in die Verwaltung und in die Herrscherfamilie von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Gut, dass „ich an meinem privaten Glück festgehalten habe“, schreibt seine Frau im Netz, „was mir jetzt den Halt gibt, um mit dieser Situation gut fertig zu werden“.

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