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Schmerzhafte Ermittlungen : Blutdoping in Erfurt

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Einem Erfurter Sportmediziner wird „unerlaubte Anwendung von Arzneimitteln zu Dopingzwecken“ vorgeworfen. Der verdächtigte Mediziner betreute Spitzensportler im Eisschnelllauf, Radsport und der Leichtathletik.

          Dem deutschen Leistungssport drohen schmerzhafte Enthüllungen. Im Rahmen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen einen Erfurter Sportmediziner könnte eine Liste von Spitzenathleten ans Licht kommen, die ihr Blut auf verbotene Weise haben manipulieren lassen. Wie der „Deutschlandfunk“ berichtete, handelt es sich um einen langjährigen Vertragsarzt des Olympiastützpunktes in Erfurt. Der Vorwurf: „Unerlaubte Anwendung von Arzneimitteln zu Dopingzwecken bei Anderen.“

          Schon im April hatten Ermittler den Olympiastützpunkt und die Praxis des Mediziners durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Wie die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigte, wurde im Zusammenhang mit dem Erfurter Fall bereits im Sommer 2011 ein Verfahren gegen eine Sportlerin eingeleitet. Nach Angaben des „Deutschlandfunk“ soll es sich um eine Eisschnellläufern handeln, und zwar nicht um Claudia Pechstein.

          „Die Nada war frühzeitig über das grundsätzliche Vorgehen der Staatsanwaltschaften informiert und hat zudem eigene Ermittlungen angestellt, um den Fall mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu eröffnen“, erklärte Nada-Sprecher Berthold Mertes. Auskünfte zu dem laufenden Verfahren werde die Nada aber nicht geben. Andere Fälle, so Mertes, würden noch geprüft.

          Der verdächtigte Mediziner betreute auch Spitzensportler aus dem Radsport und der Leichtathletik. Vorgeworfen wird dem Arzt, er habe den Athleten Blut entnommen, mit ultraviolettem Licht bestrahlt und ihnen wieder zugeführt in der Hoffnung, die Aufnahme von Sauerstoff zu verbessern. Seit Anfang 2011 ist laut Welt-Anti-Doping-Kodex jede Entnahme, Manipulation und Reinfusion von Blut verboten - auch vorher waren nur kleine Mengen bei klarer medizinischer Indikation erlaubt.

          Nach Informationen des „Deutschlandfunk“ war ursprünglich die Staatsanwaltschaft München im Rahmen der Ermittlungen gegen Unbekannt im Fall Claudia Pechstein auf den Erfurter Arzt gestoßen. Bevor sie ihre Aktivitäten einstellte, habe sie das Verfahren gegen den Arzt nach Thüringen abgegeben.

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