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Nach Kritik am System : Chef der russischen Anti-Doping-Agentur entlassen

  • Aktualisiert am

Kritiker entlassen: Juri Ganus, Chef der russischen Anti-Doping-Agentur, ist seinen Posten los. Bild: dpa

Immer wieder hat Juri Ganus Reformen im russischen Sport gefordert. Nun ist der Chef der Anti-Doping-Agentur Rusada seinen Posten los. Unregelmäßigkeiten bei den Finanzen lautet die offizielle Begründung.

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          Juri Ganus übte deutliche Kritik an Funktionären im Sport in Russland und ist nun als Chef der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada) entlassen worden. Das habe die Rusada-Generalversammlung am Freitag mehrheitlich entschieden, sagte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Stanislaw Posdnjakow, der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Zuvor hatte sich der Aufsichtsrat für die Absetzung des 56-Jährigen ausgesprochen.

          Als offizielle Begründung wurden Unregelmäßigkeiten bei Finanzen angegeben. Das habe eine Überprüfung ergeben, sagte Posdnjakow bei einer Pressekonferenz. Unter anderem soll er Urlaube als Geschäftsreisen getarnt und abgerechnet haben. Ganus hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Unklar war, ob die Behörden nun in dem Fall ermitteln werden.

          Dies bedeute „nichts Gutes“ für den russischen Sport, sagte Ganus der Nachrichtenagentur AFP. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA erklärte in einer Stellungnahme, sie werde die Entwicklungen bei der RUSADA „genau beobachten“. Es sei ein wichtiges Element, dass nationale Anti-Doping-Agenturen unabhängig arbeiten können

          Ganus war inmitten des Skandals um russisches Staatsdoping vor genau drei Jahren an die Spitze von Rusada gewählt worden. Sie war im vergangenen Dezember von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) für vier Jahre gesperrt worden. Zudem wurde ein Olympia-Bann für die russische Mannschaft ausgesprochen. Die russische Agentur hat dagegen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof Cas eingelegt.

          Ganus hatte sich stets für Reformen in der russischen Sportpolitik ausgesprochen. Im Oktober griff er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk auch Staatspräsident Wladimir Putin an und kritisierte ihn für mangelnde Unterstützung bei der Aufklärung von Doping-Vergehen.

          „Insgesamt ist es so, dass einiges faul ist – und an vielen Stellen bei uns Sportfunktionäre ausgewechselt werden müssen“, hatte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur vor wenigen Monaten gesagt. Mit schnellen Veränderungen rechnete er aber nicht. „Das dauert wohl noch eine Generation.“ Ganus hatte auch Kremlchef Wladimir Putin persönlich zum Handeln aufgerufen.

          „Ich finde die aktuelle Situation nicht gut“

          Die Aufsichtsbehörde der Rusada stellte daraufhin bei einer außerordentlichen Prüfung „erhebliche Unregelmäßigkeiten bei finanziellen und wirtschaftlichen Aktivitäten“ fest und empfahl vor zwei Wochen die Entlassung von Ganus. Er soll Ausgaben von insgesamt 1,5 Millionen Dollar nicht nachvollziehbar erklärt haben. Bereits vor der Entlassung von Ganus hatte seine Stellvertreterin Margarita Pachnozkaja ihren Posten freiwillig verlassen. „Ich finde die aktuelle Situation nicht gut, es gibt keinen Grund für mich weiterzumachen“, sagte sie der Nachrichtenagentur TASS.

          Angesichts seiner deutlichen Kritik am System hatten sich Beobachter schon länger gefragt, wie lange sich Ganus noch an der Spitze der Rusada halten kann. Gegenüber der Agentur Interfax kritisierte er seine Entlassung: „Nach meinem Verständnis ist das eine falsche Entscheidung. Demzufolge sollen sie nun ihre Fehler genießen.“ Sein Nachfolger soll innerhalb der nächsten sechs Monate bestimmt werden. Interimschef wird Michail Buchanow, ein Jurist der Rusada.

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