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Leichtathletik-Kommentar : Doping-Nation Nummer eins

Bis heute ungeklärt: Wie hat Liliana Schobukowa eine Sperre vermieden? Bild: Picture-Alliance

Die neueste Statistik in Sachen Doping-Sperren ist deutlich: Bald jeder Fünfte auf dieser Liste der Schande ist Russe – eine geradezu überwältigende Dominanz. Und die schmutzigen Deals gehen weiter.

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          Die Forderung, russische Leichtathleten von den Weltmeisterschaften im August oder gar von den Olympischen Spielen auszuschließen, sei ein Witz. Sagt Lamine Diack. Er lacht über den immer dringenderen Anspruch, das systematische Doping im russischen Verband müsse endlich Konsequenzen haben – nicht nur für betroffene Athleten. Wie Trainer und Funktionäre Athleten über die Klinge springen lassen, denen sie erst die Substanzen verkauft, womöglich verabreicht haben und die sie dann zwar vor den Kontrollen ihrer eigenen Leute, nicht aber vor denen ausländischer Kontrolleure schützen konnten, auch das hat der Enthüllungs-Film des ersten deutschen Fernsehens gezeigt.

          Bald ist dessen Ausstrahlung ein halbes Jahr her. So gut wie nichts ist seither geschehen. Immer noch ist nicht aufgeklärt, wie die Marathonläuferin Liliana Schobukowa mit der Barzahlung von 450.000 Dollar beim Verband in Moskau eine Dopingsperre aus Monte Carlo, dem Sitz der IAAF, vermied. Immer noch überlassen es die Funktionäre dem gesunden Menschenverstand zu erklären, warum, als es die Läuferin dann doch traf, der russische Verbandspräsident Balachnitschew und der Sohn des IAAF-Präsidenten Diack sich an der Rückerstattung des Bestechungsgeldes beteiligten. Der Sportgerichtshof Cas in Lausanne jedenfalls hat die Verhandlung des Falles Ende April von seiner Tagesordnung gestrichen. Das riecht nach einem weiteren schmutzigen Deal zwischen Verband und Doperin.

          Längst nicht alle sind in der Wertung

          Deutlich dagegen ist die neueste Statistik in Sachen Doping-Sperren. 56 mit Startverbot belegte Athleten auf der am Mittwoch veröffentlichten Liste bringen den russischen Verband in der Nationenwertung auf Platz eins vor die Türkei (43) und Indien (36). Doch längst nicht alle sind in der Wertung. Weil der russische Verband die Sperren einiger Doper so schlau in den Kalender zirkelte, dass diese ihre Titel behalten und schnellstens wieder bei WM und Olympia antreten können, war die IAAF zu Widerspruch gezwungen. Die Verfahren der Geher-Olympiasieger Olga Kaniskina und Jelena Laschmanowa, Valerij Borchin und Sergej Kirdjapkin sind noch anhängig, ebenso wie die der ehemaligen Weltmeister Tatjana Tschernowa (Siebenkampf) und Sergej Bakulin (Gehen) sowie das von Hindernis-Olympiasiegerin Julia Saripowa.

          Rechnet man sie und einige andere überführte Doper dazu, ist die Dominanz des russischen Dopings geradezu überwältigend: Bald jeder Fünfte auf dieser Liste der Schande ist Russe. Die Forderung des britischen Verbandspräsidenten Ed Walker, die Russen zur Strafe von Wettkämpfen auszuschließen, wird nun hoffentlich niemanden zum Lachen bringen. Gerede von einem Witz aber dürfte manchem im Halse steckenbleiben.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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