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Doping im Radsport : Rudy und „Ali Baba“

  • -Aktualisiert am

Alte Zeiten: Rudy Pevenage (links) mit Jan Ullrich bei der Deutschland Tour 2005 Bild: Picture-Alliance

Rudy Pevenage wurde als Helfer und Freund von Jan Ullrich bekannt. Nun hat er ein Buch geschrieben. Die Geschichten haben kein märchenhaftes Finale, manche gar das schrecklichste: Und wenn sie nicht gedopt hätten, dann lebten sie noch heute.

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          Ach, der Rudy. Jetzt hat er vieles aufgeschrieben, lässt er mitteilen, vieles. Seine Biographie. Nach all den Lügen, nach den mehr oder weniger erzwungenen Geständnissen und der Selbsteinschätzung, im großen Doping-Kartell ein „kleiner Dieb“ gewesen zu sein im Vergleich zu den „Gangstern um Lance Armstrong“, gibt es seit Mittwoch sein Buch zur Geschichte. Es müsste voll von all den Manipulationen des Rudy Pevenage sein, einst Sportchef des Radrennstalls Team Telekom, vor allem als Betreuer und Freund von Jan Ullrich bekannt geworden.

          Denn der Belgier warb vorab mit seinen Schurkenstückchen, verlockt mit Andeutungen zu seinem großen Wissen, das er mit sich herumträgt und nun an Mann oder Frau bringen will. Er will alle Codenummern von mehr als 200 Blutbeuteln gekannt haben, wusste angeblich, welche Fahrer zum Blutpanscher Fuentes nach Madrid reisten, gibt vor, Blutbeutel von Fußballprofis und eines großen spanischen Tennisspielers beim berüchtigten Doping-Arzt gesehen zu haben. „Der Rudy“, wie das Werk von Pevenage heißt, hat es in sich?

          Schon vor der Lektüre deutet dieser Titel an, dass der Helfer und Komplize des gefallenen deutschen Tour-Stars vor allem bei sich geblieben ist. Die als Appetithäppchen verkauften Episoden aus dem Buch schildern die Menschenversuche als Räuberpistölchen. Da ist von der Colabüchse mit doppelter Wand die Rede. Pevenage vergaß sie nach eigenen Angaben in der Hektik vor einer (offenbar angekündigten) Razzia der italienischen Polizei beim Giro 2001 im Kühlschrank seines Hotelzimmers. Aber die Trickdose hielt den verbotenen Inhalt nicht nur kühl, sie war auch von dem Original nicht zu unterscheiden – selbst für die Fahnder. Schön reingefallen.

          Auch auf den Drogenkurier, den ehemaligen Mountainbiker, der mit dem Drahtesel von Pevenage unter dem Allerwertesten Blutbeutel in leeren Milchkartons zu den Fahrern brachte: „ein perfekter Tourist“ mit dem Codenamen „Ali Baba“. Aber diese Figur der Gegenwart besiegte nicht vierzig fiese Räuber wie im Stück aus Tausendundeiner Nacht, sondern allenfalls gleichgesinnte Betrüger im Doping-Mehrkampf. Nur weil die meisten wie Pevenage clever waren, weil es Absprachen gab und Warnungen, kein ehrliches Interesse, das System durch Enthüllungen zu gefährden, hielt die doppelte Wand, der doppelte Boden, hielt sich das Märchen.

          Heute, sagt Rudy, habe er „keine Angst mehr vor Reaktionen oder Bemerkungen. Ich erzähle viele, viele Dinge in dieser Biographie.“ Zur Wahrheit gehörte das Kapitel, als Betreuer, als Organisator des Dopings, den Athleten, den Freund an der Nadel gehalten zu haben, sofern er ihm nicht täglich von den irren, lebensgefährlichen Doping-Cocktails abriet oder wenigstens die Unterstützung zur Selbstzerstörung verweigerte. Diese Geschichten haben kein märchenhaftes Finale, manche gar das schrecklichste: Und wenn sie nicht gedopt hätten, dann lebten sie noch heute.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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