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Dieter Rössner im Gespräch : „Das Anti-Doping-Gesetz ist notwendig“

Darf vom Besitz der Mittel auf die Doping-Absicht geschlossen werden? Bild: dpa

An diesem Mittwoch findet im Bundestag eine Anhörung zum Anti-Doping-Gesetz statt. Der Sachverständige Dieter Rössner erklärt im FAZ.NET-Interview, wie aus dem Besitz der Mittel eine Vorverurteilung von Sportlern wird.

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          Sie werden bei der öffentlichen Anhörung zum Anti-Doping-Gesetz am Mittwoch einer von acht Sachverständigen sein. Überraschend haben Sie bei einem aktuellen Workshop an der Humboldt-Universität die vieldiskutierte Besitzstrafbarkeit in Frage gestellt. Warum?

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ich glaube, die Diskussion um diese Frage verdeckt, dass es bei der absolut notwendigen Strafbarkeit des Eigen-Dopings eigentlich nicht um den Besitz, sondern um die Anwendung der Doping-Substanzen und -Mitttel zur Verfälschung des Wettbewerbs geht. Da ist der Besitz nur ein Durchgangsstadium zum Unrecht. Ich kann verstehen, dass die Athleten befürchten, ihre Rechte würden unverhältnismäßig tangiert.

          Warum sind Sie gegen den Kern des Gesetzes, für das Sie seit mehr als zehn Jahren kämpfen?

          Der Besitz von Doping-Mitteln ist nicht der Kern des strafrechtlichen Vorwurfs, sondern deren Anwendung zur Teilnahme am Wettkampf unter Verletzung der Chancengleichheit. Das sollte klar zum Ausdruck kommen. Daher ist der Tatbestand des Eigen-Dopings darauf zu konzentrieren. Eine Besitzstrafbarkeit im Strafrecht ist in diesem Kontext sehr problematisch, da sie Anklänge an das „strict-liability“-Prinzip im Sportverfahren hat und die staatlichen Ermittler verleiten könnte, den subjektiven Tatbestand, also den Vorsatz, nicht mehr ausreichend zu prüfen. Das Gesetz bringt die Ermittler in die Situation, schon aus dem Besitz auf die Absicht des Dopings zu schließen. Es ist eine reale Gefahr der Praxis, nicht nur beim Doping, dass bei subjektiven Tatbeständen mit eindeutig objektivem Befund – wie dem Besitz – nicht im Zweifel für den Beschuldigten entschieden, sondern der Vorsatz indiziell unterstellt wird. So leuchtet ein, dass im Rahmen des strafrechtlichen Eigentumsschutzes ein Diebstahl nicht schon angenommen wird, wenn der potentielle Dieb im Besitz von Einbruchswerkzeug ist.

          Der Besitz als Vorverurteilung, wie es Betty Heidler und Robert Harting befürchten? Hat die Einlassung der beiden, dass Athleten angreifbar werden für einen Anschlag, eine Rolle gespielt bei Ihrem Sinneswandel?

          Sie haben mich darauf aufmerksam gemacht, wie man sich fühlt, wenn man davon bedroht sein kann. Aber der geschilderte Fall...

          ... jemand steckt ihnen ein Doping-Mittel in die Tasche...

          ... ist nicht ganz entscheidend. Es könnte ja auch sein, dass jemand sich Mittel besorgt hat, aber noch unentschieden ist und die Werte des Sports vor der Anwendung die Oberhand gewinnen. Die goldene Brücke des Rücktritts vom Handeln auf dem Weg zu einer Straftat sollte hier wie auch sonst im Strafrecht bleiben. Zumal: Es entsteht keine Strafbarkeitslücke, wenn man die Besitzstrafbarkeit als solche streicht. Es wird vielmehr auf das zentrale Geschehen des Eigen-Dopings abgestellt: Die tatsächliche und gezielte Anwendung der Doping-Substanzen in der Vorbereitung und im Wettkampf selbst.

          Der Besitzer will die beschafften Mittel in der Regel aber anwenden.

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