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Prozessauftakt in Stuttgart : Hat Schumacher Holczer betrogen?

  • Aktualisiert am

Stefan Schumacher (rechts) mit seinem Anwalt Dieter Rössner Bild: dapd

Zuletzt machte Stefan Schumacher seine langjährigen Doping-Praktiken öffentlich. Muss der frühere Radprofi ins Gefängnis? Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen ihn. Ein Urteil könnte Präzedenzwirkung haben.

          Muss Stefan Schumacher wegen Betrugs ins Gefängnis? Der Radprofi, der Ende März seine langjährigen Doping-Praktiken öffentlich machte, sieht keine Grundlage für den an diesem Mittwoch vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart gegen ihn beginnenden Prozess.

          Schumacher, der den Weg zur angeblichen Wahrheit mühsam fand, ließ im Interview im „Spiegel“ keinen Zweifel daran: Sein ehemaliger Teamchef Hans-Michael Holczer, der 150.000 Euro zurückfordert, habe über die Doping-Praxis unter Aufsicht der Ärzte in seinem Team Bescheid gewusst - auch, wenn er sich in der Öffentlichkeit als Doping-Bekämpfer gerierte.

          Die Verteidigungsstrategie lautet: Wer soll betrogen worden sein? Schumachers Anwalt Michael Lehner will wissen: „Wie ging es im Team Gerolsteiner wirklich zu? Unser Ziel ist klarzustellen, dass nicht der böse Radprofi seinen lieben Chef betrogen hat.“ Den Tatbestand des Betruges bestreiten nicht nur der Angeklagte und seine Anwälte.

          Auch Stefan Matschiner, der auch Schumacher mit Doping-Mitteln versorgte, glaubt nicht, dass Holczer ahnungslos war: „Wenn man zwischen 1990 und 2008 Teamchef war, dann ist es für mich ganz schwer verständlich zu sagen: ,Ich habe nichts mitbekommen.‘“

          Hans-Michael Holczer

          Holczer, inzwischen Berater des russischen Radsport-Verbandes, nannte die Vorwürfe der Mitwisserschaft „völlig aus der Luft gegriffen“ und „Prozess-Taktik“. Der 59 Jahre alte Lehrer aus Herrenberg sagt am 18. April, dem zweiten Verhandlungstag, aus.

          Außerdem werden laut Lehner, der Schumacher zusammen mit Dieter Rössner vertritt, der des Dopings überführte frühere Profi Bernhard Kohl und der ehemalige Teamarzt Mark Schmidt als Zeugen auftreten. Ein Urteil könnte Präzedenzwirkung haben. Schumacher ist der erste Doper, der hierzulande wegen Betruges an seinem Arbeitgeber vor Gericht steht. Schumacher war 2008 die Einnahme des Blutdoping-Mittels Cera nachgewiesen worden.

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