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„Operation Aderlass“ : Auftakt zu einem der größten deutschen Doping-Prozesse

Schweigt zu den Vorwürfen: Mark S. Bild: dpa

In München beginnt der Doping-Prozess gegen Mark S. Der Hauptangeklagte Arzt schweigt zu Beginn. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind umfangreich.

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          Um 11.42 Uhr setzte Oberstaatsanwalt Kai Gräber im Sitzungsaal 101 im Münchner Strafjustizzentrum zum Verlesen der Anklage an. Gräber las schnell. Und las. Und las. Und las, inzwischen ein kleines bisschen langsamer. Bis er, um 13.17 Uhr, fertig war. Das Verfahren vor der 2. Strafkammer des Landgerichts München II (Aktenzeichen 2 KLs 380 Js 108323/19) unter Vorsitz von Marion Tischler, das Verfahren gegen den Erfurter Arzt Dr. med. Mark S. und vier weitere Angeklagte, unter ihnen sein Vater, der Rechtsanwalt Ansgard S., hat begonnen – ein Jahr, sechs Monate und 21 Tage nach der spektakulärsten Doping-Razzia, die deutschen Ermittlern im Spitzensport gelungen ist: die Operation „Aderlass“ bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld/Tirol.

          „Der Angeklagte Dr. Mark S. praktizierte seit spätestens Ende 2011 von Erfurt aus regelmäßig und in einer unbekannten Vielzahl von Fällen weltweit, vor allem in Europa, insbesondere Deutschland und Österreich, insbesondere im Bereich des Rad- und Wintersports systematisches Blutdoping, um sich durch die wiederholte Tatbegehung eine fortlaufende Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang zu verschaffen“, heißt es in der Anklage. Von dieser unbekannten Zahl glaubt Gräber, Leiter der Münchner Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft, belegen zu können, dass S. 115 Mal gewerbsmäßig eine Doping-Methode bei Leistungssportlern zur Leistungssteigerung angewendet habe, 25 Mal dazu angesetzt habe, fünfmal Arzneimittel zu Doping-Zwecken angewandt habe und ein- mal, am 13. September 2017, eine seiner mutmaßlichen Kundinnen, die Mountainbike-Europameisterin Christina Kollmann-Forstner, aufgefordert haben, ein noch nicht zugelassenes Präparats zu probieren. Die Mountainbikerin habe sich pulverisierte und in einer Flüssigkeit aufgelöste Erythrozyten injiziert – mit laut Anklageschrift heftigen Folgen. Sie sei eine Zeitlang „wie weggetreten gewesen“, behauptet die Anklage, ihr Urin habe sich rot gefärbt.

          Mark S. schweigt zu den Vorwürfen

          23 Sportler aus acht Ländern sind bislang identifiziert. Zum ersten Mal wird ein großes Verfahren gegen einen Arzt, den die Staatsanwaltschaft für einen Doping-Drahtzieher hält, vor dem Hintergrund des Anti-Doping-Gesetzes geführt, das im Dezember 2015 in Kraft trat. Bislang sind 26 Verhandlungstage angesetzt, Zeugen sind ab der kommenden Woche geladen.

          Die Verteidigung von Dr. S. teilte mit, ihr Mandant wolle sich „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht einlassen. Im Ermittlungsverfahren hatte S. zunächst ausgesagt, nach einiger Zeit aber geschwiegen. Er sitzt seit einem Jahr, sechs Monaten und 21 Tagen ein. Als die Ermittler in Seefeld zuschlugen, Blutbeutel im Waschbecken eines Zimmers der Villa Edeltraud zum See vorfanden und den Langläufer Max Hauke mit Kanüle im Arm erwischten – die Bilder gingen rechtswidrig um die Welt –, wurde S. in seiner Heimatstadt Erfurt verhaftet. Seither ist ihm seine Freiheit genommen.

          Gräber hatte die Beweislage schon am 3. März 2019 in der F.A.S. „nahezu erdrückend“ genannt. Die Verteidigung des Angeklagten Q. beantragte die Einstellung des Verfahrens. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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