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Prozess gegen Mark S. : Doping-Arzt drohen bis zu fünfeinhalb Jahre Haft

  • Aktualisiert am

Doping im Profisport: Mark S. (Mitte) drohen mehrere Jahre Haft. Bild: dpa

Das Doping-Verfahren gegen Arzt Mark S. ist festgefahren. Die Richterin berät mit den Anwälten. Die Kammer kommt zu einer Strafprognose für den Angeklagten, der sich auf Haft einstellen muss. Bei einem Mit-Angeklagten ist die Sache komplizierter.

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          Der Arzt Mark S. muss sich wegen Blutdopings an etlichen Sportlern auf eine mehrjährige Haftstrafe einstellen. Nach einer aktuellen Einschätzung der fünf Richter am Landgericht München II könnte das Verfahren auf eine Gefängnisstrafe von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren hinauslaufen. Diese Vorstellung der Strafkammer nach dem bisherigen Prozess verkündete Richterin Marion Tischler am Mittwoch. Tags zuvor hatten sich die Richter, Staatsanwalt Kai Gräber und die Anwälte der fünf Angeklagten nicht-öffentlich beraten.

          Das Ergebnis dieses Gesprächs ist noch kein fixer Deal, wie es hieß, sondern laut Tischler „eine Position“, die bei Mark S. „ganz konkret“ bezogen worden sei und auch den anderen in Aussicht gestellt werde. Zum Komplizen Dirk Q., der neben Mark S. noch in Haft sitzt, gab das Gericht keine Einschätzung ab. Der Bauunternehmer hat als einziger Angeklagter noch nicht umfangreich gestanden. Bei ihm widersprechen sich frühere Aussagen von Sportlern und eigene Einlassungen; etwa ob er einem Radsportler selbst Blut entnommen und wieder injiziert hatte oder ob er nur als Lieferant der Blutbeutel aktiv war.

          Weil die Anwälte von Dirk Q. auf eine persönliche Zeugenvernehmung dieses Athleten pochten, könnte sich der Prozess bis in 2021 ziehen. Der betroffene Österreicher verweigert ein Erscheinen in München. Auch etliche andere Athleten etwa aus Estland, Kasachstan und der Schweiz wollen nicht als Zeugen anreisen und geben dafür vor allem die Corona-Pandemie als Grund an. Richterin Tischler bezeichnete die aktuelle Situation in dem Verfahren deshalb als „festgefahren“.

          Die Einschätzungen des Gerichts weichen kaum von der Strafprognose ab, die schon vor Prozessbeginn Anfang Juli mit den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft besprochen worden war. Damals hatte die Kammer Mark S. bei einem Geständnis eine Gefängnisstrafe von vier bis sechs Jahren in Aussicht gestellt – die nun prognostizierten viereinhalb bis fünfeinhalb Jahre engen den Zeitraum lediglich ein.

          Dirk Q. drohen bis zu dreieinhalb Jahre Haft. Das ist abhängig davon, ob er als Gehilfe oder Mittäter verurteilt wird. Zudem fehlte zuletzt noch ein strafmilderndes, umfassendes Geständnis von ihm. Seine Verteidiger wollen, dass er nach der Hauptverhandlung frei kommt. Am Mittwoch kamen die Richter und Anwälte abermals zu einem Gespräch zusammen.

          Die Staatsanwaltschaft deutete an, ihre ursprüngliche Vorstellung von rund sechs Jahren Haft bei Mark S. etwas nach unten zu korrigieren. Auch die drei anderen Angeklagten – die Krankenschwester Diana S., der Rettungssanitäter Sven M. und Ansgard S., der Vater des Arztes – dürfen auf mildere Strafen hoffen als noch vor Prozessbeginn. Bei ihnen zeichnen sich Bewährungs- oder Geldstrafen ab.

          Das Urteil soll am 15. Januar fallen. Das kündigte das Landgericht München am Freitag an. Zuvor hatten die Verteidiger zugestimmt, auf persönliche Befragungen von noch neun ausstehenden Zeugen – darunter sieben Sportlern -  u verzichten. Stattdessen sollten von jenen Zeugen frühere Aussagen verlesen werden. Dadurch kann das Verfahren beschleunigt werden; vor Weihnachten aber könne der Prozess anders als ursprünglich geplant nicht beendet werden.

          „Das wäre der Masterplan, den ich in den Raum werfe“, sagte die Vorsitzende Richterin Marion Tischler, nachdem sich die Strafkammer am Mittwochnachmittag bereits mit den Anwälten der Angeklagten und Staatsanwalt Kai Gräber nicht-öffentlich beraten hatte. Demnach soll die Beweisaufnahme mitsamt etlichen Verlesungen sowie den Befragungen von zwei Sachverständigen in der kommenden Woche abgeschlossen werden. Am 8. Januar, also eine Woche vor der anvisierten Urteilsverkündung, sind die Schlussplädoyers geplant.

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