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Appell an alle Spitzensportler : Das ist schlimmer als Pornographie

  • -Aktualisiert am

Ihr selbst werdet bezahlen

Richtig, auf Seiten der Sportorganisationen rein gar nichts, aber Ihr werdet Euer blaues Wunder erleben, welche Persönlichkeitsrechte man noch einschränken kann, um sich über den Anblick Eurer Geschlechtsteile nicht nur das Gewissen zu erleichtern, sondern sich selbst auch wieder in das rechte politische Licht zu rücken. Ihr werdet für Eure vermeintliche Skrupellosigkeit bezahlen, und wir alle werden es einmal mehr mit Genugtuung aufnehmen. Denn mit Euch, liebe Spitzenathleten, haben wir es schon immer machen können. Wir werden dies auch weiterhin tun. Es sei denn, Ihr steigt von Eurem hohen Ross herab und seid bereit, Euch nicht nur auf Eure Höchstleistung zu fokussieren, sondern für die Einhaltung zumindest Eurer rudimentärsten Persönlichkeitsrechte in einer schlagkräftigen, nicht profitorientierten, sportarten- und länderübergreifenden Gewerkschaft zu organisieren.

Bislang seid Ihr eine Gruppe von berufstätigen Extremleistern, deren Rechte momentan von keiner Instanz angemessen bewahrt und vertreten werden. Nicht ohne guten Grund wollt Ihr Euch doch den Athletenvertretern Eurer Verbände nicht anvertrauen. Münchhausen kann sich eben nicht am eignen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Und jetzt betrachtet mal meine Seite. Wir können uns ohne Probleme in internationalen Verbänden organisieren und über Eure Körper und Eure Psyche im Verbund mit den Politikern und mit den Fernsehzuschauern nach Belieben bestimmen. Hoffen wir mal darauf, dass sich unter uns keine schwarzen Schafe befinden, denn der Anti-Doping-Kampf hat kein Immunsystem.

Ich sage Euch meine Meinung

Er ist, wie jetzt offensichtlich wurde, für viele Formen des Missbrauchs nur zu empfänglich. Ihr hingegen müsst darauf hoffen und warten, dass ein Staatsanwalt, ein Jurist, der nicht in unserem System verstrickt ist, endlich den nächsten Skandal aufdeckt. Warum? Weil Ihr uns in unserer Komfortzone lasst. Wir müssen ja nicht einmal den Wada-Kodex einhalten. Uns passiert gar nichts, wenn wir das nicht tun. Wir bekommen kein Berufsverbot. Es ist ein ungleicher Kampf, der Anti-Doping-Kampf. Er kann inzwischen nicht einmal mehr als Feigenblatt dienen, er lässt Euch attraktive Höchstleister gegen Euren Willen nackt in aller Öffentlichkeit dastehen. Ja, genau, das ist schlimmer als Pornographie.

Wie lange werden wir in aufgeklärten, demokratischen, rechtsstaatlich organisierten Ländern diesem Treiben noch zusehen? Ich sage Euch meine Meinung: Wenn Ihr Euch nicht organisiert, wird dieses Spiel für immer so weitergehen. Ihr müsst ein gewisses Mindestmaß an Selbsterhaltungstrieb an den Tag legen, uns kontrollieren, von uns fordern, dass wir genau begründen, warum wir Eure Persönlichkeitsrechte einschränken, und als Erstes müsst Ihr darauf achten, dass, bevor irgendein Athlet gesperrt wird, erst einmal die Kontrollinstanz den Wada-Kodex einhält, denn das ist ja wohl das absolute Minimum, was Ihr fordern dürftet.

Solidarisiert und organisiert Euch

Ihr solltet das nachholen, was sonst jeder Arbeitnehmer in einer westlichen Industrienation vor mehr als 100 Jahren weltweit erreicht hat. Kämpft für Eure Persönlichkeitsrechte, lasst nicht mehr alles mit Euch machen, und seid nicht so leichtgläubig zu denken, dass andere Eure Rechte organisieren, verwalten und vertreten werden. Ich ziehe meinen Hut vor allen unter Euch, die, wie der in Ulm spielende Per Günther, das gefährliche Spiel gewagt haben, sich einzeln als kleines schwaches und doch so leistungsstarkes Individuum ohne offensichtliche Not - sprich positive Doping-Kontrolle - hinzustellen und diesen Selbsterhaltungstrieb zu bekunden. Solidarisiert und organisiert Euch, und macht das nicht für uns, macht das nicht für Geld, macht es für Eure Persönlichkeit und Eure Rechte.“

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