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Appell an alle Spitzensportler : Das ist schlimmer als Pornographie

  • -Aktualisiert am

Wir alle erleichtern unser Gewissen

Oh ha, würde das bei Euch nicht zumindest zu einer Sperre führen? Wir verlangen von Euch immer mehr Opfer. Mit jedem neuen Skandal werden die Richtlinien für Euch härter und die Einschränkungen Eurer Persönlichkeitsrechte größer. Aber glaubt Ihr ernsthaft, dass die Kontrollinstanz dafür bereit gewesen wäre, Ihrerseits auch nur den politischen Willen zu zeigen, mit Euren Doping-Kontrollen sorgfältig umzugehen? Nein! Der organisierte Sport dankt Euch den Blick auf Eure Geschlechtsteile damit, dass er sich an Eurem Anblick erleichtert. Mehr noch: Wir alle erleichtern unser Gewissen, wenn wir Euch beim Sport zusehen. Denn wir wissen, dass auch die besten analytischen Bemühungen und der solideste Anti-Doping-Kampf, den wir bereit sind, für Euch stümperhaft zusammenzuschlampen, seit mehr als 20 Jahren eines klar bestätigen: Dass Ihr ungedopt über unsere Bildschirme flimmert. Ja, wir schaffen es sogar jedes Jahr, die gleichen Quoten zu erreichen - seit mehr als 20 Jahren.

Ihr wisst, ich gehöre - zumindest was die Forschung angeht - mit zu diesem System, und ich schäme mich nicht. Im Gegenteil: ganz überwiegend fühle ich mich ja auch von Kollegen umgeben, die vieles tun, um gegen Doping vorzugehen. Gerade deshalb wollte ich selbst dezidiert den Schlampigkeiten im Anti-Doping-Kampf nachgehen, welche die Experten der Wada offen monieren. Hierfür wollte ich mich mit den Daten zu Euren Doping-Kontrollen befassen.

Prof. Dr. Dr. Perikles Simon ist Leiter der Abteilung für Sportmedizin, Prävention und Rehabilitation der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Kurzversion: Ich bin an einer Mauer des Schweigens gescheitert. Von den weltweit 127 Anti-Doping-Agenturen, haben die meisten ihre Kontrolldaten nicht publiziert, was an sich schon ein Verstoß gegen Artikel 14.4. des Wada-Kodexes ist. Also ein Verstoß, der für Euch ein vorübergehendes Berufsverbot mit allen Konsequenzen bedeutete. Auch nach der zweiten Anfrage haben meine Kollegen und ich nur von 32 Agenturen Daten von überwiegend fragwürdiger Qualität bekommen. Befriedigende Datenqualität, so dass man zumindest überprüfen konnte, wie viel Prozent der Trainings- und der Wettkampfkontrollen denn letztlich zu Sperren führen, kamen nur von fünf Agenturen, darunter die deutsche und die jetzt in Verruf geratene russische Anti-Doping-Agentur.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang die immer wieder kolportierte Quote von weltweit einem (1!) Prozent positiver Doping-Tests? Diese Quote beinhaltet positive Tests, die auftauchten, obwohl Athleten ganz legitim eine Ausnahmegenehmigung zur Einnahme eines im Sport verbotenen Medikaments hatten. Wo liegt also die Quote für Doping-Sperren, die durch Doping-Kontrollen zustande kommen? Keiner kennt sie. Und keiner will sie kennen. Dennoch kann man sie ganz gut schätzen. Sie liegt höchstens im Promillebereich und das widerspricht gelinde gesagt etwas den jetzt angenommenen 99 Prozent gedopter russischer Athleten, es widerspricht auch realistischen soziologischen Schätzungen für das weltweite Doping-Phänomen im Spitzensport, und es widerspricht inzwischen dem, was die Öffentlichkeit glaubt.

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