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Appell an alle Spitzensportler : Das ist schlimmer als Pornographie

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Ja, was wollt Ihr denn eigentlich auch zu melden haben - Ihr potentiellen Betrüger, denen man zu jeder Tages- und Nachtzeit helfen muss, sauber zu bleiben? Dürft Ihr hinterfragen, wozu das alles gut sein soll? Wollt Ihr etwa auf die Einhaltung von Datenschutzrichtlinien pochen? Wollt Ihr Euch vor einem ordentlichen Gericht wehren können, wenn Euch Unrecht im Sportrecht widerfährt? Wollt Ihr wissen, ob die Seite, die Euch kontrolliert, die gleiche Konsequenz, die gleiche Ernsthaftigkeit, die gleiche Transparenz, die gleiche Leidensfähigkeit und die gleiche Sauberkeit aufweist, die hier von Euch eingefordert wird?

Wir sind uns doch alle einig

Nein, denn Ihr müsst, um bei Olympia starten zu dürfen, eine Athletenvereinbarung unterzeichnen, die Eure Persönlichkeitsrechte entschieden einschränkt. Man könnte es Nötigung nennen. Das macht Euch aber nichts. Ihr seid Spitzenathleten, Ihr seid gewohnt, Dinge zu leisten, die außerhalb des Vorstellungsvermögens von uns Normalos liegen - und das zu einem Preis, den wir nicht zu zahlen bereit wären. Mit Euch können wir es machen, liebe Spitzenathleten, es gibt für uns, die wir im organisierten Sport unterwegs sind, keine leichteren, keine willfährigeren Opfer. Denn es geht um mehr als die bloße Beschauung Eurer Geschlechtsteile.

Wir alle sind uns einig, dass nach dem Skandal über die Vorkommnisse in Russland alles wieder zur Tagesordnung übergehen kann und muss. In der Zwischenzeit laufen die Ethikkommissionen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes und des Internationalen Olympischen Komitees zu Hoch(tor)touren auf, und die Kontrolleure werden Euch weiterhin emsig besuchen kommen. Alles wird für Euch gerichtet werden. Denn das seid Ihr als Spitzenathleten ja gewohnt. Ihr könnt Euch um Euren Sport und Eure Leistungsfähigkeit bis zur absoluten Selbstaufgabe kümmern, wir sollten Euch dafür den Rücken freihalten und die Rahmenbedingungen bieten.

Wer hat sich dafür schon interessiert?

Für wen das bis hierhin alles in Ordnung ist, der ist ein guter, ein braver Spitzenathlet, und der sollte bitte nicht weiterlesen. Denn jetzt kommen wir zu der Frage, was eigentlich schlimmer als Pornographie ist:

Wer sich schon vor dem Skandal in Russland dafür interessiert hat, ob die Doping-Kontrollen weltweit korrekt durchgeführt werden und ob Eure Anstrengungen tatsächlich einen Sinn machen, der hätte nur den Report einer Expertenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) aus dem Jahr 2012 lesen müssen. Darin wird festgehalten, dass das weltweite Testsystem äußerst ineffektiv arbeitet. Und man höre und staune, mangelnder politischer Wille Eurer Sportfunktionäre und mangelnde Umsetzung der Anti-Doping-Richtlinien seitens der Kontrollinstanzen führen dazu, dass eure Anstrengungen unter der Gürtellinie vergebens sind und aus Eurer Sicht ethisch-moralisch fragwürdig sein dürften. Die Kontrollinstanzen halten nämlich den Wada-Kodex nicht ein.

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