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Olympiastützpunkt Erfurt : Turbulenzen um Blutbestrahlung

Welche Wirkung hatte die Abnahme und die Bestrahlung von Blut am Olympiastützpunkt in Erfurt Bild: dapd

Im Bundestag wird über die UV-Bestrahlung von Blut bei dreißig Athleten am Olympiastützpunkt Erfurt diskutiert. Experten erklären den Abgeordneten das Verfahren - mit „kabarettreifem“ Verlauf.

          „Kabarettreif“ fand Gutachter Fritz Sörgel die Sitzung des Sportausschusses am Dienstag zum Thema Blutbestrahlung. Der Herr Professor habe sich mit allen angelegt, urteilte dagegen Klaus Riegert; und als er später von selbsternannten Experten sprach, wurde deutlich, dass er auch damit Sörgel meinte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Naturwissenschaftler und der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktionen im Bundestag waren so heftig aneinander geraten in der Beurteilung der UV-Bestrahlung des Blutes von dreißig Athleten des Olympiastützpunktes Erfurt, dass der eine den Pharmakologen einen Apotheker nannte, und der andere ihn daraufhin als Kriminalkommissar ansprach.

          „Ich bedaure die Versuche der Regierungsfraktion, einen Sachverständigen zu diskreditieren und als inkompetent darstellen zu wollen, nur weil seine Bewertung ihnen nicht gefällt“, sagte der SPD-Abgeordnete Gerster. „Mit der Devise Augen zu und durch kommen wir in der Dopingbekämpfung nicht weiter“, schimpfte die Grüne Viola von Cramon. „Die Koalition ist an Aufklärung nicht interessiert.“ Sörgel hatte in der Sitzung schweres Geschütz aufgefahren.

          „In dem vorliegenden Fall liegt ein klares Dopingvergehen des Sportarztes und der Sportler vor“, hieß es in seiner Stellungnahme. Die extrakorporale Bestrahlung von Blut zur Behandlung von Infektionen nannte er Scharlatanerie. Die Anwendung mehrere Male in kurzen Abständen könne möglicherweise die Viskosität und Fluidität des Blutes und die Abgabe des Sauerstoffes aus den roten Blutzellen verbessern. „Dies wären Wirkungen, die direktes Doping darstellen“, so Sörgel. Bei häufigerer Anwendung wäre das Verfahren möglicherweise sogar einer Eigenbluttransfusion oder einer Mikrodosierung von Epo gleichzusetzen.

          „Dann ist das ein Dopingverstoß“

          Der Hamburger Rechtsanwalt und Richter am Obersten Gerichtshof des Sports, Cas, Georg Engelbrecht, erinnerte an den Blutdoping-Skandal der Olympischen Winterspiele von 2002 in Salt Lake City, in deren Mittelpunkt das österreichische Skilanglauf-Team stand. Vier Läufer und ihr Trainer Walter Maier wurden 2003 wegen Blutdopings bestraft. „Wenn auch Leichtathleten am Olympiastützpunkt Erfurt von dem Arzt Andreas Franke ohne medizinische Indikation behandelt worden sein sollten“, fand Engelbrecht, „ist das ein Dopingverstoß.“

          Engelbrecht kenne den Erfurter Sachverhalt gar nicht, sagte dagegen Riegert. „Es besteht ein kleiner Unterschied zwischen Jan Ullrich und Erfurt.“ Auch die Nationale Antidopingagentur (Nada) scheint sich nicht sicher zu sein. Sie hat zunächst gegen zwei der dreißig betroffenen Athleten Verfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht eingeleitet und ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Es gab viele Meinungsverschiedenheiten“, sagte die Vorsitzende Andrea Gotzmann. „Wir nehmen sie zur Kenntnis.“

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