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Doping-Skandal vor Olympia : „Ich freue mich, wenn die Russen teilnehmen“

  • Aktualisiert am

Olympia ohne Russland? Nicht alle Deutschen fänden das gut. Bild: AFP

Das IOC lässt sich noch Zeit mit der Entscheidung über den Olympia-Ausschluss der russischen Sportler. Auch viele Deutsche äußern sich zum Doping-Skandal – mit teils überraschenden Aussagen.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will innerhalb von sieben Tagen über einen kompletten Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Rio entscheiden. Wie eine IOC-Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, ist dies der Zeitrahmen. Der Präsident des russischen Nationalen Olympischen Komitees, Alexander Schukow, geht davon aus, dass die Entscheidung „endgültig bis Ende der Woche, vielleicht am Sonntag“ fallen werde.

          Das IOC will  zunächst das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas am Donnerstag abwarten. 68 russische Leichtathleten hatten beim Cas Berufung gegen die vom Weltverband IAAF verfügte Suspendierung auch von den Rio-Spielen eingelegt. Abgesehen vom Cas-Spruch ist der Bericht des Wada-Chefermittlers Richard McLaren Grundlage der IOC-Entscheidung. In dem Report wurde festgestellt, dass es auf staatliche Anordnung Doping-Manipulationen im Kontrolllabor bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gegeben hat. Auch Doping-Proben der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und der Schwimm-WM 2015 in Kasan sollen im Analyselabor der russischen Hauptstadt verfälscht und vertuscht worden sein.

          Trotz des drohenden Ausschlusses hat Russland insgesamt 387 Sportler für die Wettkämpfe im August in Rio de Janeiro nominiert. Auf der Liste stehen auch 68 Leichtathleten, über deren mögliche Teilnahme an diesem Donnerstag der Internationale Sportgerichtshof (Cas) entscheiden soll. Auf der am Mittwoch von Russlands NOK-Chef Schukow veröffentlichten Liste steht auch Weitspringerin Darja Klischina. Weil sie seit Jahren in den Vereinigten Staaten trainiert, wurde sie als einzige russische Athletin bereits für Rio zugelassen. Auf eine Teilnahme hofft auch Weltklasse-Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa. Präsident Wladimir Putin will die Athleten am Freitag bei einer Feierstunde im Kreml verabschieden. Medien zufolge hat Russland für den Aufenthalt in Rio ein 17-stöckiges Haus angemietet.

          Der Deutsche Handballbund (DHB) ist derweil gegen einen kompletten Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Rio. „Ich würde mich freuen, wenn die Russen im Handball teilnehmen“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Zu anderen Sportarten wollte er sich nicht äußern. Russlands Handball-Frauen hatten sich als Sieger des Ausscheidungsturniers vom 18. bis 20. März im heimischen Astrachan für Rio qualifiziert. Dort spielt das Team in der Vorrundengruppe B gegen die Niederlande, Schweden, Frankreich, Argentinien und Südkorea. Die deutsche Mannschaft hatte durch die Niederlage im Viertelfinale der WM 2015 in Dänemark gegen den späteren Weltmeister Norwegen die Olympia-Qualifikation verpasst. Die russischen Handballer hatten sich nicht für Rio qualifiziert.

          Auch Sportdirektor Richard Prause vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) hat sich gegen einen generellen Ausschluss der russischen Tischtennis-Sportler von Olympia in Rio ausgesprochen. „Es gab einen Doping-Fall im russischen Tischtennis. Derzeit prüft der Weltverband ITTF, ob flächendeckend gedopt wurde. Solange das nicht erwiesen ist, sollte man das Team nicht ausschließen“, sagte Prause am Mittwoch in Düsseldorf. Ähnlich argumentierte Europameister Dimitrij Ovtcharov. „Wer betrügt, sollte keine Chance erhalten. Wenn aber ein sauberer Sportler ausgeschlossen wird, finde ich das ungerecht“, erklärte der Weltranglisten-Fünfte. Der Hamelner spielt für den russischen Klub Orenburg und hält sich öfters in Russland auf. „Mein Eindruck ist, dass viele russische Sportler nicht so umfassend über die Doping-Problematik informiert werden wie bei uns“, sagte Ovtcharov.

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