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Gespräch zur Dopingproblematik : „Das IOC will nicht loslassen“

Der Code schreibt mehr Unabhängigkeit fest. Zugleich setzt man den nationalen Anti-Doping-Agenturen die ITA vor die Nase. Die Nados haben diese Unabhängigkeit, das ist sehr wertvoll. Ich mag es nicht, dass man alle über einen Kamm schert. Das IOC und die Wada sollten differenzieren, wo gute Arbeit gemacht wird.

Hat Bach sie mit der Ankündigung überrascht, dass neue Analyseverfahren eingeführt werden sollen?

Für mich war nichts Neues dabei; das machen wir alles bereits. Mit dem Dried Blood Spot haben wir schon 2015, 2016 eigene Projekte initiiert. Uns wurden Steine in den Weg gelegt. Dies sei nicht die Methode der Zukunft, hieß es. Wir empfanden die Methode als gute Ergänzung und haben sie beim Nachwuchs eingesetzt.

Die Probe besteht aus einem getrockneten Blutstropfen?

Vier Bluttropfen aus der Fingerspitze werden auf eine Filterpapierkarte aufgetragen und getrocknet. Man kann sie in einem versiegelten Briefumschlag ins Labor schicken, ohne Kühlung, ohne große Transportkosten. Sie werden ausgestanzt und können analysiert werden. Der Test deckt nicht den vollen Umfang einer konventionellen Blut- oder Urinprobe ab. Aber eine breite Palette von Substanzen, die ständig erweitert wird, ist nachweisbar. Gemeinsam mit dem Labor in Köln haben wir hier Pionierarbeit geleistet. Mit dem Verfahren können wir Athleten entlasten, von aufwendigen Kontrollen und bei bestimmten Fragestellungen unberechtigte Doping-Vorwürfe ausschließen. Ich finde es erstaunlich, dass wir viel Geld investiert haben und in den Kommissionen, die die Einführung des Tests für die Olympische Spiele von Tokio 2020 und Peking 2022 vorbereiten sollen, nicht berücksichtigt werden.

Das IOC hat mit der Re-Analyse alter Proben dafür gesorgt, dass Berge von Olympia-Ergebnissen neu geschrieben werden mussten.

Das war ein sehr erfolgreiches Programm, gerade was die Analyse der Proben von Peking und London angeht. Daraufhin haben wir die mehr als fünfhundert Proben, die wir noch aus den Olympiajahren 2008 und 2012 von deutschen Athletinnen und Athleten gelagert hatten, in allen Sportarten, aus Training und Wettkampf, mit denselben Methoden analysieren lassen. Es war nicht eine einzige positive Probe dabei. Das ist für mich ein Zeichen, dass wir eine andere Qualität der Anti-Doping-Arbeit haben, und es spricht für unsere Athletinnen und Athleten.

Haben Sie auch den gen-basierten Bluttest schon eingesetzt, den Bach für Tokio 2020 ankündigt?

Wissenschaftliche Teams in aller Welt sind seit mehreren Jahren mit verschiedenen Ansätzen beschäftigt. Einige sind auf der Zielgeraden. Es bedarf eines enormen Aufwandes, bis man hier ein rechtssicheres Nachweisverfahren hat. Im Augenblick sind die Methoden noch nicht routinemäßig einsetzbar. Der Clou an der Sache ist, und das haben wir vor acht Jahren mit Wachstumshormon bereits gemacht: Proben nehmen, einfrieren und warten. Sobald die Methode validiert und zugelassen ist: Proben aus der Kühlung nehmen und analysieren. Das ist nichts Neues. Eine moderne Anti-Doping-Agentur tut all dieses ohnehin, und zwar nicht nur alle vier Jahre, sondern jeden Tag.

Wenn Sie ein Thema auf die Tagesordnung hätten setzen dürfen, welches wäre das gewesen?

Die Rechte der Athletinnen und Athleten und ihre Mitsprache in den Gremien. Sie sind der Mittelpunkt des Ganzen. Wir sollten uns unterordnen und alles für den sauberen Sport und die Athleten tun. Sie geben für ihren Sport alles.

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