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Gespräch zur Dopingproblematik : „Das IOC will nicht loslassen“

Das darf nicht passieren. Wir haben in Kattowitz zwanzig Jahre Wada gefeiert. Es ist einfach an der Zeit, dass die Governance-Strukturen überarbeitet werden. Es geht um Transparenz, Unabhängigkeit und Ausschluss von Interessenskonflikten. Unter der Leitung von Ulrich Haas von der Universität Zürich hat eine Arbeitsgruppe für Governance-Fragen, deren Mitglied ich war, nach langem Ringen eine Strukturreform auf den Weg gebracht. Ich vertrete die Meinung, dass das Exekutivkomitee der Wada viel unabhängiger sein muss.

Ermutigt Sie die Wahl von Witold Banka zum Präsidenten der Wada am Donnerstag?

Er wird der erste hauptamtliche Präsident werden und keinen zweiten Hut als Minister aufhaben. Das war am scheidenden Präsidenten...

...Craig Reedie, zeitweise Vizepräsident des IOC...

...zu kritisieren: die vielen Ämter, die er inne hatte. Er ist IOC-Mitglied, war zeitweise im Exekutivkomitee des IOC. Da fällt es schwer, die harten Entscheidungen zu treffen, die im Bereich Anti-Doping getroffen werden müssen.

Erwarten Sie von Banka neuen Schwung?

Die Chance gebe ich ihm. Wir hatten einen fairen Wahlkampf und ein demokratisches Verfahren innerhalb des Europarats, dass Banka als europäischer Kandidat ins Rennen ging. Sein erster Besuch galt den zwanzig führenden Nationalen Anti-Doping-Agenturen; das war im Juni in Oslo. Der Austausch hat mich ermutigt.

Ist dieser Besuch ein Zeichen des Respekts vor den Praktikern?

Wir, die Nationalen Anti-Doping-Agenturen, machen mehr als siebzig Prozent der Anti-Doping-Arbeit. In der Rede von Thomas Bach habe ich die Nados vermisst. Ich hörte immer nur Wada, IOC und ITA...

...International Testing Agency.

Diejenigen, die professionell die Arbeit an der Basis leisten, kommen mit ihrem Rat und ihrer Erfahrung in der Governance-Reform der Wada nicht ausreichend vor. Wir haben keinen Sitz im Foundation Board.

Bedeutet das, dass Sie von den harten und wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen sind?

Wir spielen über Bande. Wir beraten die Regierungsvertreter Europas in Fachfragen in diesem Gremium und können somit unser Know-How einbringen. Ich bin bei den Sitzungen der entsprechenden Komitees im Rahmen des Europarates gemeinsam mit der Delegationsleitung aus dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat anwesend. Wir arbeiten hier sehr gut und effektiv zusammen.

Zur ITA, die früher als Independent firmierte und jetzt nur noch International ist...

Aus Authority ist Agency geworden. Die Autorität der Einrichtung ist ein bisschen zurückgefahren worden. Sie ist nicht unabhängig. Im Board sitzen wieder Vertreter des IOC.

Drei der fünf Plätze halten die IOC-Mitglieder Kirsty Coventry, Ugur Erdener und Francesco Ricci Bitti, einst IOC-Mitglied, heute Präsident der Vereinigung der Olympischen Sommersportverbände und Mitglied der Koordinierungskommission der Spiele von 2016, 2020 und 2024. Warum muss es diese Agentur geben?

Die ITA soll die internationale Anti-Doping-Arbeit von den Verbänden lösen. Aber so ganz loslassen will das IOC nicht. Neben der Unabhängigkeit fehlt die Erfahrung. Dies ist leider nicht der große Wurf.

Wird der Anspruch erfüllt, nationale Interessen und die des Sports zurückzudrängen?

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