https://www.faz.net/-gu9-9kzru

Doping-Opfer-Rente : Musterverfahren um Entschädigung

Kämpft für Entschädigung: Michael Lehner ist Vorsitzendes des Doping-Opfer-Hilfevereins. Bild: dpa

Die Doping-Opfer-Hilfe und die Landesbeauftragte prozessieren in Mecklenburg-Vorpommern für die Rechte der Geschädigten. Mediziner zeigen sich überrascht von der Intensität der Schädigung.

          Ein Musterverfahren zur Durchsetzung der Rente für Geschädigte von staatlichem Zwangs-Doping in der DDR steht in Mecklenburg-Vorpommern bevor. Da das Justizministerium des Landes den entsprechenden Antrag einer ehemaligen Turnerin voraussichtlich ablehnen wird, planen die Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes und die Doping-Opfer-Hilfe Berlin (DOH) zu prozessieren. Sie unterstützen die Antragstellerin, die in den siebziger Jahren aktiv war, bereits bei ihrem Widerspruch. Auch das Justizministerium strebt eine gerichtliche Klärung an.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Die Forderung nach einer Rente für die Geschädigten des Sports steht nach wie vor im Raum“, sagte Anne Drescher, die Landesbeauftragte, die sich auch mit einer Beratungsstelle für Doping-Opfer für Opfer von Doping und Missbrauch im Sport engagiert, bei einer Veranstaltung am Freitag in Schwerin. „Dies ist ein Weg, den wir als gangbar sehen.“ Michael Lehner, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Vereins DOH, gab sich optimistisch: „Die Rente kommt.“ Die Einmalzahlung von 10.500 Euro nach dem zweiten Doping-Opfer-Hilfegesetz sei ein Tropfen auf den heißen Stein. Zudem werde der für 1200 Betroffene ausgelegte Fonds des Bundes voraussichtlich nicht ausreichen; 800 Anträge seien bereits positiv beschieden, die Antragsfrist laufe aber noch bis Ende 2019.

          „Wir gehen davon aus, dass weit mehr Leute Anträge stellen, als Geld im Topf ist“, sagt Anne Drescher. Nach dem ersten Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz von 2002 wurden knapp 200 Betroffene entschädigt.

          Überrascht von Intensität der Schädigung

          Wie politisch Verfolgte sollen nach der Vorstellung von Anne Drescher und Lehner Doping-Opfer nach Unrechtsbereinigungsrecht rehabilitiert werden. Dazu muss ihnen im Verfahren zugesichert werden, dass sie im Einzelfall Opfer staatlicher Willkür waren. Dies ist Voraussetzung für die Unterstützung durch das Versorgungsamt. Lehner ist überzeugt, dass dies durch den Umstand gegeben ist, dass Sportler Mittel zum Zweck waren, um das Ansehen der DDR zu steigern. Dem entgegen steht die Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages; vor mehr als einem Jahrzehnt kam er zu der Auffassung, dass Sportlerinnen und Sportler in der DDR durch Doping nicht benachteiligt, sondern im Gegenteil besonders gefördert worden seien. „Auch der Wissenschaftliche Dienst kann sich irren“, sagt dazu Frau Drescher. Lehner rechnet damit, dass rund 3000 Geschädigte des DDR-Sports für eine Opfer-Rente in Frage kommen.

          Bei dem Symposion über den Stand der Aufarbeitung des Dopings im DDR-Sport in Schwerin zeigten sich Mediziner aus Schwerin, Stralsund und Greifswald überrascht von der Intensität der körperlichen und psychischen Schädigung. Überrascht seien sie aber auch vom Ausmaß, in dem die Athleten über Doping und dessen Risiken getäuscht wurden. „Was Sie rausgefunden haben, ist fürchterlich“, urteilte Eva-Marie Otte, die jahrelang bei der DOH die telefonische Erstbetreuung von Doping-Opfern leistete. „Aber es ist schlimmer.“

          Anne Drescher und Michael Lehner forderten, statt von Doping-Opfern zu sprechen, den Begriff auf Geschädigte des Sports zu erweitern. Eine betroffene Mutter bestätigte sie. „Ich hätte meine Tochter niemals dort hingegeben, wenn ich gewusst hätte, was sie dort mit einem neunjährigen Kind anstellen.“ Das Mädchen wurde beim Sturz vom Schwebebalken schwer verletzt und leidet bis heute an den Folgen.

          Michael Reinsch

          Weitere Themen

          Berns Seoane: „Werde bleiben“

          Gefragter Trainer : Berns Seoane: „Werde bleiben“

          Der Schweizer Trainer Gerardo Seoane wurde als neuer Bundesligatrainer gehandelt – vor allem bei der Hertha aus Berlin. Doch nun trifft der 40 Jahre alte Erfolgscoach eine klare Entscheidung.

          Ehemaliger Bundestrainer Ludek Bukac tot

          Eishockey : Ehemaliger Bundestrainer Ludek Bukac tot

          Ludek Bukac ist gestorben. Der frühere Trainer der deutschen Eishockeynationalmannschaft starb im Alter von 83 Jahren. Mit der Tschechoslowakei wurde er 1985 Weltmeister.

          Topmeldungen

          Anschläge auf Sri Lanka : „Er war doch noch so jung“

          Einen Tag nach den Anschlägen auf Sri Lanka werden die Trümmer weggeräumt, und die Angehörigen der Opfer trauern um die Toten. Fragen nach dem Sinn werden mit betretenem Schweigen beantwortet. Ein Besuch in einem Land, das gespalten ist.
          Mikroskopische Aufnahme von kristallinen Nanobändern aus schwarzem Phosphor. Die Dicke der Bänder variiert zwischen  einer (links) und fünf Atomlagen (rechts).

          2D-Materialien : Konkurrenz für das Wundermaterial?

          Graphen gilt als das perfekte 2D-Material. Seine Eigenschaften sind unschlagbar. Doch filigrane Nanobänder aus Phosphor könnten den dünnen Kohlenstoff-Schichten bald den Rang ablaufen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.