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Kommentar : Russischer Frühjahrsputz

Russischer Frühjahrsputz: Olympiasieger Juri Borsakowski meint, es ginge alles mit rechten Dingen zu. Bild: Picture-Alliance

Korruption, Doping, Manipulation - Die Ethik-Kommission des Leichtathletikverbandes hat eigentlich viel aufzuarbeiten. Doch ausgerechnet ein russischer Olympionike behauptet nun, alles ginge rechtens zu.

          Die Ethik-Kommission des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF müsste sehr beschäftigt sein: Manipulation und Korruption gibt es massenhaft im Reich des Präsidenten Lamine Diack; hier wird gedopt, da bestochen, und dort wird augenzwinkernd all dies hingenommen. Die neueste Aufgabe für das als vollkommen unabhängig beschriebene Gremium plakatiert die spanische Zeitung „El País“.

          „Eine Rolex, eine Stimme“ überschreibt sie ihren Bericht darüber, wie Ahmad al Kamali zu seinen Mehrheiten kommen soll. Der Sportfunktionär aus den Vereinten Arabischen Emiraten will im August für das Amt des Vizepräsidenten der IAAF kandidieren. Vor vier Jahren ist er damit aufgefallen, dass er praktisch aus dem Nichts mit größerer Zustimmung als jeder andere Kandidat ins Council des Verbandes gewählt wurde.

          Gut, dass sich die Ethik-Kommission nicht auch noch mit dem russischen Doping-Skandal herumärgern muss, dem größten seit – Ben Johnson? Dem DDR-Sport? Dem amerikanischen Doping-Labor Balco? Dem chinesischen Laufwunder? Den Freiburger Blutpanschern?

          Juri Borsakowski ist sich sicher

          „Die Jungs haben verstanden, dass die Vergangenheit in der Vergangenheit bleiben sollte“, beruhigt der neue russische Cheftrainer Juri Borsakowski die Sportwelt. „Wir haben jetzt ein neues Team, und jeder ist sauber.“ Zwar hat sein Verband seit dem Rücktritt von Valentin Balachnitschew vor fünf Wochen keinen Präsidenten mehr; und im neuen Team dürften weiterhin Trainer mit Doping-Vergangenheit arbeiten.

          Sechs von fünfzehn russischen Leichtathleten, die bei den Olympischen Spielen von London 2012 Medaillen gewannen, sind des Dopings überführt worden. Ein russischer Geher nach dem anderen wird aus dem Verkehr gezogen. Die Spur der 450.000 Dollar, mit denen sich Marathon-Star Lilija Schobukowa von einer Doping-Sperre freikaufen konnte, führt vom russischen Verband in Moskau zur IAAF in Monte Carlo. Viktor Maslakow, der als Cheftrainer für einen durch und durch dopingverseuchten Spitzensport stand, wie es aus einer ARD-Dokumentation hervorging, hat nach seinem Rücktritt die Betreuung der Sprinter übernommen. Doch nun kommt Olympiasieger Borsakowski und behauptet, jetzt gehe es aber wirklich mit rechten Dingen zu in seinem Verband.

          Man möchte ihm den Radsport-Verband UCI als Beispiel empfehlen. Der hat mittels einer sorgfältigen externen Untersuchung die Verflechtung des Doping-Systems Armstrong mit der ehemaligen UCI-Führung unter Hein Verbruggen zunächst einmal aufgeklärt. Leichtathletik und Welt-Anti-Doping-Agentur haben eine Kommission berufen, Licht in die Abgründe der russischen Leichtathletik zu bringen. Bis deren Arbeit vorliegt, ist nicht die Zeit für Schlussstriche.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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