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Doping-Opfer-Hilfe : „Ich halte das für eine Sauerei“

  • -Aktualisiert am

Neuer Vorsitzender der Doping-Opfer-Hilfe: Michael Lehner. Bild: dpa

Die Attacken in den vergangenen Wochen beschleunigten den Beschluss von Ines Geipel, den Vorsitz des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins abzugeben. Nun ist ein Nachfolger gefunden.

          Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOH) hat am Donnerstag in Berlin einen neuen Vorsitzenden gewählt. Die Mitgliederversammlung votierte für den Rechtsanwalt Michael Lehner aus Heidelberg. Lehner zählt zu den Gründungsmitgliedern des 1999 aus der Taufe gehobenen DOH. Er folgt der Schriftstellerin Ines Geipel, die sich nach fünfeinhalb Jahren an der Spitze zurückzog. „Wir werden die grundehrliche Arbeit fortführen“, sagte der 64 Jahre alte Lehner in Berlin, „Doping ist nach wie vor aktuell. Wir sehen, wie Sportler mit der Brutalität des Sportes kämpfen.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Er kündigte an, für Gespräche mit Kritikern des Vereins, zu ihnen gehört der Doping-Aufklärer Professor Werner Franke, zur Verfügung zu stehen. Sie hatten unter anderem in einem Brief an den Sportausschuss des Bundestages behauptet, es werde „Trittbrettfahrern“ leicht gemacht, die staatliche Entschädigung von maximal 10.500 Euro zu erschleichen. „Die Entscheidung über die Anerkennung trifft das Bundesverwaltungsamt“, sagte Lehner: „Wir beraten die kranken ehemaligen Sportler und versuchen, ihnen auf dem Weg zurück ins Leben zu helfen.“

          Ines Geipel war 2013 nach Darstellung von Gründungsmitgliedern des DOH zur Übernahme des Vorsitzes gedrängt worden. Vor zwei Jahren hatte sie bei dem Versuch, einen Nachfolger zu finden, Absagen erhalten. Die Attacken in den vergangenen Wochen beschleunigten den Beschluss der früheren Sprinterin. Sie stellte eine schädliche Wirkung der Kritik auf die Arbeit des DOH fest: „Wir haben Anrufe von schwer kranken Doping-Opfern erhalten, die ihre Entschädigung zurückgeben wollen, weil sie sich als Betrüger dargestellt sehen“, sagte Ines Geipel: „Wir tun etwas, damit diese Menschen besser ins Leben zurückkommen können, und dann gibt es diese Trittbrettfahrer-Vorwürfe. Ich halte das für eine Sauerei.“

          Zu den Erfolgen des DOH gehört das zweite Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz von 2016, dessen Aufstockung von zehn auf 13,5 Millionen Euro und eine Fristverlängerung für Anträge bis Ende 2019. Mehr als 900 Opfer des Staats-Dopings der DDR wurden bereits entschädigt. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung in der Bundesstiftung Aufarbeitung verlieh der DOH Anne Drescher, der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, ihren Anti-Doping-Preis. Damit solle ihre intensive und beharrliche Auseinandersetzung mit der Doping-Opfer-Problematik gewürdigt werden. Der NDR-Redakteur André Keil, Studioleiter im Landesfunkhaus Schwerin, und Michael Reinsch, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, erhielten den Medienpreis des DOH.

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