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Lothar Leder : Manipulationsverdacht erhärtet

  • -Aktualisiert am

Leders Argumente schwinden Bild: AP

Die Professoren Schänzer und Dörr sind im Verdachtsfall des Triathleten Leder in den Zeugenstand gerufen worden und haben die Manipulationsvermutung gegen den Ironman-Sieger mit naturwissenschaftlicher Kompetenz verstärkt.

          Ohne sich auf eine Diskussion über sportrechtliche Folgerungen einzulassen, sind die Professoren Wilhelm Schänzer und Hans Wilhelm Dörr im Verdachtsfall des Triathleten Lothar Leder in den Zeugenstand gerufen worden und haben die Manipulationsvermutung gegen den früheren Ironman-Sieger auf Hawaii mit naturwissenschaftlicher Kompetenz verstärkt.

          Der 36 Jahre alte Darmstädter, der bei einem Bluttest zwei Tage vor dem „Ironman Germany“ am 1. Juli in Frankfurt mit einem dopingverdächtig niedrigen Wert an Retikulozyten (frische rote Blutkörperchen) aufgefallen ist, hatte die Abweichung von der Norm zum einen mit einer vorangegangenen schweren Herpesinfektion begründet; zum anderen soll das künstliche Höhentraining in einem sogenannten Hypoxiezelt dafür verantwortlich gewesen sein (Siehe auch: Triathlon: Leder weist Dopingverdacht zurück).

          Mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen

          Dörr, der Leiter des Instituts für Medizinische Virologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt, sowie Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule in Köln, schließen die vom Athleten zu seiner Verteidigung vorgetragenen Phänome mit hoher Wahrscheinlichkeit als Ursachen der anormalen Werte aus. Sie gaben ihre Einschätzungen auf eine Anfrage des Frankfurter Rennarztes Klaus Pöttgen ab, dem Leder ein unmoralisches Angebot zuschreibt: Der Athlet solle zurücktreten, dann werde man die Hinweise auf Blutdoping verschwinden lassen.

          Zum tatsächlich aufgetretenen Lippenherpes, der laut Leder den unter ein Prozent gedrückten Retikulozytenanteil im Blut (Normbereich zwischen 1 und 2 Prozent) bedingt haben soll, stellte Dörr fest: Ein gewöhnlicher Herpes labialis des Erwachsenen beeinflusse weder das rote Blutbild noch eine Veränderung der Retikulozytenwerte. Verdichtet wird der Doping-Verdacht nach Einschätzung von Schänzer noch dadurch, dass bei einer gleichzeitigen niedrigen Normabweichung der Retikulozyten auch der Hämoglobinwert, also der Anteil des roten Blutfarbstoffes, sinke. Dies wäre dann eine krankhafte Veränderung - die bei Leder indes nicht festgestellt wurde.

          „Doping oder nicht“

          „Prinzipiell“ räumt Schänzer ein, dass eine Erhöhung des Hämoglobinwertes durch Höhentraining zustande kommen könne. Aber dieser Effekt trete nicht gegenläufig zu einem markant verringerten Absinken des Retikulozytenwertes auf. Aus einem Missverhältnis von zu niedrigem Retikulozytenanteil und normalem Hämoglobinwert resultiert der Doping-Verdacht.

          Im Rückblick auf den bislang wohl prominentesten deutschen Fall von vermutetem Blutdoping, dem der Skilangläuferin Evi Sachenbacher-Stehle, erteilt Schänzer jetzt eine Mängelrüge. Auch im Sinne der Athletin, die vor Beginn der Winterspiele 2006 in Turin wegen eines Hämoglobinwertes von 16,3 Gramm pro Deziliter (Norm bei Frauen: 16,0) vom Internationalen Skiverband mit einer fünftägigen sogenannten Schutzsperre belegt wurde, hätte ein Retikulozytentest bessere Aufschlüsse über die Frage „Doping oder nicht“ geben können. Eine solche Untersuchung machte man seinerzeit nicht.

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