https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/leichtathletik-weltverband-muss-russland-jetzt-ausschliessen-16881575.html

Leichtathletik-Skandal : Russisch Roulette im Sport

Werden die russischen Leichtathleten nun ausgeschlossen? Bild: Reuters

Dreistigkeit bestimmt den Umgang der russischen Leichtathletik mit ihrer Vergangenheit und den Sanktionen. Nun muss der Weltverband sie endlich ausschließen. Russlands Verband ist nicht reformierbar.

          2 Min.

          Julija Stepanowa packte vor fünfeinhalb Jahren im deutschen Fernsehen aus: Pillen, Spritzen, Schutzgeld. So begann mit den Leichtathleten der russische Doping-Skandal. Weitere Sportarten und die Aufdeckung des Betrugs der Russen bei ihren Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014 folgten.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Trotz weltweiter Empörung, trotz enormer Arbeit von Ermittlern und Juristen und trotz der massenhaften Disqualifikation gedopter Russen bei Olympia 2012 in London und der Leichtathletik-Weltmeisterschaft von Moskau 2013 herrscht der Eindruck, Russland komme mit seinen Machenschaften durch. Bei den Spielen von Rio 2016 war das Land dabei, bei den Winterspielen von Pyeongchang 2018 ebenfalls. Der Kniff, anstelle der Olympiamannschaft neutrale Athleten zuzulassen, verfing nicht. Die russische Trikolore brachten die Zuschauer mit, die Hymne sangen die Athleten selbst.

          Allein von den Paralympischen Spielen in Rio waren die Russen ausgeschlossen; an den Leichtathletik-Wettbewerben der Olympischen Spiele nahm eine einzige Russin teil, und sie war nicht Julija Stepanowa, für die der Verband den Status der neutralen Athletin erfunden zu haben schien. Die Ethik-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees sperrte die Whistleblowerin.

          Dreistigkeit bestimmt den Umgang der Russen mit ihrer Vergangenheit und den Sanktionen. Kaum hatten sie versprochen, Doping-Trainer rauszuwerfen, erwischten Reporter diese bei der Arbeit mit ihren Athleten. Doping-Kontrollen scheiterten an bewaffneten Posten, weil Leichtathleten auf Kasernengelände trainierten. Der Gipfel war die akribische Manipulation von Daten im versiegelten Doping-Kontrolllabor in Moskau, welche der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) überlassen werden sollten. Als Verbandsfunktionäre dann auch noch dem Hochspringer Danil Lyssenko attestierten, er sei für Doping-Kontrollen nicht erreichbar, da er im Krankenhaus liege, brachte dies das Fass zum Überlaufen. Krankheit, Ärzte, Hospital – alles war erfunden.

          Während dies wie ein grausamer Film vor den Augen der Öffentlichkeit ablief, appellierten Hochsprung-Weltmeisterin Marija Lasitskene, Stabhochsprung-Weltmeisterin Anschelika Sidorowa und Hürdensprinter Sergej Schubenkow verzweifelt an den allmächtigen Sportfreund an der Spitze ihres Staates, das unvermeidliche Ende zu verhindern: den zweiten Ausschluss russischer Leichtathleten von den Olympischen Spielen. Doch Wladimir Putin reagierte nicht.

          Als der russische Verband die letzte Frist für die Zahlung von gut sechs Millionen Dollar Strafe und Verfahrenskosten verstreichen ließ, stoppte World Athletics die Anerkennung neutraler Athleten, strich also das Startrecht der letzten Sportlerinnen und Sportler aus Russland. Und löste die Arbeitsgruppe auf, welche die Wiederaufnahme des seit 2015 suspendierten Verbandes betrieb. An diesem Donnerstag muss das Council von World Athletics den Verband endlich ausschließen. Er ist nicht reformierbar. Als wollte er dies höhnisch bestätigen, hat er gerade seine Neuorganisation angekündigt – durch Gründung einer Kommission.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Weitere Themen

          Ein Triumph mit Folgen

          FAZ Plus Artikel: Eintracht Frankfurt : Ein Triumph mit Folgen

          Was bedeutet der Erfolg in der Europa League für Eintracht Frankfurt? Was muss passieren für den Erfolg in der Liga? Ist Eintracht die coolste Marke? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          Topmeldungen

          Der amerikanische Thrillerautor Don Winslow

          Don Winslow im Gespräch : Ich höre jetzt auf!

          Der amerikanische Thrillerautor Don Winslow will sein Leben nur noch dem Kampf gegen Trump widmen. Vorher spricht er aber noch über seinen neuen Roman „City on Fire“, die exzessive Gewalt in seinen Büchern und über seine „Twitter Army“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.