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Leichtathletik-Verband droht : Keine Anerkennung neutraler Athleten mehr

Problemfall: Danil Lysenko Bild: AP

Weil der russische Leichtathletik-Verband im Fall des Hochspringers Danil Lysenko gefälschte Unterlagen vorgelegt habe, droht der Weltverband nun mit dem kompletten Ausschluss Russlands.

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          Der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics/WA) verschärft seine Gangart gegenüber Russland und droht mit dem Ausschluss des russischen Verbandes. Die Anerkennung sogenannter neutraler Athleten aus Russland mit internationalem Startrecht für diese Saison hat er eingestellt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Damit droht den russischen Leichtathleten, unter ihnen die Weltmeisterinnen im Hochsprung und Stabhochsprung, Marija Lassizkene und Anschelika Sidorowa, wie bereits 2016 der Ausschluss von den Leichtathletik-Wettbewerben der Olympischen Spiele. Der russische Verband ist seit November 2015 wegen systematischen Dopings suspendiert.

          Die Krise hat ihren Ursprung im Umgang der russischen Seite mit dem Betrugsfall Danil Lysenko. Nach Darstellung der Unabhängigen Integritätseinheit der Leichtathleten (AIU) hatte die Spitze des Verbandes um Präsident Dmitri Schlyachtin gefälschte medizinische Atteste vorgelegt und einen Krankenhausaufenthalt des Hallen-Weltmeisters im Hochsprung vorgetäuscht, um zu entschuldigen, dass Lysenko mehrere Doping-Kontrollen verpasste. Drei selbst verschuldete Versäumnisse werden wie ein positiver Test gewertet.

          Auf den Manipulationsversuch reagierte der Weltverband mit einer Sperre für Schlyachtin, Lysenko und fünf weitere Personen. Nun werfen AIU und Weltverband dem russischen Verband vor, statt den Fall zu lösen, pauschal alles zu bestreiten und das Verfahren zu torpedieren. Dies seien extrem ernste Vorwürfe. Parallel dazu fälschte die russische Seite in großem Stil Daten des einstigen Doping-Kontrolllabors von Moskau, die sie der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) für Ermittlungen überließen.

          Es habe bei den Russen keine Änderung in der Haltung gegeben, keine Anerkennung der Verantwortung als Mitgliedsorganisation von World Athletics und kein Versprechen, sich zu ändern, klagt WA. Bleibe es dabei, werde der Fall vor das Oberste Schiedsgericht des Sports gebracht werden. Im Falle einer Verurteilung bestimme der oberste Rat des Weltverbandes die Sanktion. Die AIU empfiehlt, Schadensersatz zu fordern und Geldstrafen zu verhängen und die höchstmögliche Strafe, den Ausschluss.

          Zugleich bietet der Weltverband in einem Brief an den neuen russischen Sportminister Oleg Matyzin und die amtierende Präsidentin des russischen Leichtathletikverbandes, Julija Tarasenko, einen Neubeginn für den Fall an, dass die Russen ihre Schuld eingestehen. Schon auf der Ratssitzung im kommenden Monat könne der Prozess zur Erneuerung und Wiederaufnahme des russischen Verbandes beginnen, könnten neutrale Athleten akzeptiert und Sanktionen für den jüngsten Doping-Fall bestimmt werden. Ausdrücklich gehöre der Ausschluss aus dem Weltverband nicht zu diesen Strafen, schreibt World Athletics. An der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2019 in Doha nahmen 29 russische Sportlerinnen und Sportler als neutrale Athleten teil. Sie gewannen sechs Medaillen.

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