https://www.faz.net/-gu9-9itb6

Doper Johannes Dürr : „Ich war enttäuscht, dass der Flieger nicht abgestürzt ist“

Bei Olympia 2014 in Sotschi flog Johannes Dürr als Doper auf. Bild: dpa

Johannes Dürr ist Langläufer aus Österreich und flog bei Olympia 2014 als Betrüger auf. Nun erzählt er, wie er in Deutschland dopte – und welche Folgen all das für ihn hatte.

          1 Min.

          „Ich war enttäuscht, dass der Flieger nicht abgestürzt ist.“ Auch so niedergeschmettert kann ein Athlet von Olympischen Spielen zurückkehren. Der österreichische Skilangläufer Johannes Dürr beschreibt vor der Fernsehkamera, dass ihm der Tod als Ausweg erschien, als er in Sotschi 2014 als Doper aufgeflogen war. Fünf Jahre später ist er Gegenstand eines Psychogramms, das die ARD am Donnerstag unter dem Titel „Die Gier nach Gold“ ausstrahlte. Dürr verrät, dass er zu jener Zeit über Epo hinaus, das ihm nachgewiesen wurde, mit Wachstumshormon dopte und dass er Zugang gefunden hatte zu einem Blut-Doping-Ring – durch einen deutschen Athleten.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er führt die Fernsehreporter zur Autobahnraststätte Irschenberg südlich von München, wo er sich 2013 in einem Zimmer des Motels zum ersten Mal Blut abnehmen ließ für die Re-Injektion vor dem Wettkampf. Er nennt Hotels in München und Innsbruck, direkt gegenüber der Zentrale des Österreichischen Ski-Verbands (ÖSV), wo er sich ebenfalls an die Apparatur anschließen ließ, und er zeigt, wo er sich kurz vor dem Jahreswechsel 2013/14 vor der Tour de Ski in einem Auto auf dem Parkplatz vor dem Waldhotel Berghof bei Oberhof das Blut in die Vene drückte, um mit einer erhöhten Zahl von roten Blutkörperchen die Sauerstoffversorgung seiner Muskeln zu steigern.

          Er habe immer das Gefühl gehabt, dass nicht richtig sei, was er da tue, sagt der heute 31 Jahre alte Sportler. Doch als während eines Trainingslagers in Finnland aus einem Hotelzimmer das typische Geräusch der Blutpumpe drang, sei dies für ihn die Bestätigung gewesen, dass Doping Teil des Hochleistungssports sei. Schon früher hatte er sich, in der „Knochenmühle“ des österreichischen Trainings, gefragt: „Kann man solche Belastungen eigentlich ohne Doping aushalten?“ Seine Antwort: „Kann man nicht.“ Nach massenhaft Nahrungsergänzungsmitteln war zunächst Asthma-Spray Mittel der Wahl gewesen, dann sei es einem Betreuer gelungen, Epo zu beschaffen.

          Wenn Dürr eine heuchlerische Haltung beklagt und dass Doping stillschweigend geduldet werde, darf er dies nicht auf den ÖSV beziehen. Dieser hat eine Einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt, die das verbietet.

          Doping im Spitzensport : Mindestens 30 Prozent

          Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall Dürr

          Die Staatsanwaltschaft München hat nach dem Geständnis des österreichischen Langläufers Johannes Dürr über Blutdoping ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Die unbekannten Personen, die am Zeugen Johannes Dürr Dopingmethoden angewandt haben, können sich strafbar gemacht haben“, erklärte Oberstaatsanwältin Anne Leiding am Freitag auf Anfrage. Sie bestätigte auch den Eingang einer Strafanzeige der Nationalen Anti-Doping-Agentur.

          Die Staatsanwaltschaft München I bezeichnet sich als „zuständige Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Doping“. Nach dem ARD-Bericht vom Donnerstag leitete sie das Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt wegen der Anwendung von Dopingmethoden ein. (dpa)

          Weitere Themen

          Razzia beim FC Barcelona

          Chaos in Katalonien : Razzia beim FC Barcelona

          Drei hochrangige Funktionäre des FC Barcelona wurden offenbar festgenommen. Die Durchsuchung von Camp Nou soll mit der „BarcaGate“-Affäre aus dem Vorjahr zusammen hängen.

          Topmeldungen

          Söder und Kretschmer : Mehr impfen, auch im Supermarkt

          Bayern und Sachsen verlangen, dass mehr Impfstoff in die von Corona stark betroffenen Grenzregionen geliefert wird. Vor der nächsten Konferenz mit der Kanzlerin warnen die Ministerpräsidenten vor einem „Öffnungsrausch“.
          Recep Tayyip Erdogan bei der Verkündung des türkischen Raumfahrtprogramms am 9. Februar in Ankara

          Brief aus Istanbul : Erdogans Mondfahrt

          Mit einem „Wahnsinnsprojekt“ und „historischen“ Schritten kämpfte der türkische Präsident um die Wählergunst. Doch selbst seine „frohen Botschaften“ werden zum Fiasko und kosten Menschenleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.