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Lance Armstrong : Novitzky nimmt die Verfolgung auf

  • -Aktualisiert am

Ist Lance Armstrong nur leicht angeschlagen? Bild: dpa

Jeff Novitzky hat einen neuen Job: Der ehemalige Steuerfahnder ermittelt nun gegen Drogenmissbrauch - und gegen Lance Armstrong. Kann der umstrittene Radstar den zähen amerikanischen Ermittler abhängen?

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          Vor zwei Jahren hat Jeff Novitzky eine neue Stelle angenommen. An seinem alten Arbeitsplatz in der Steuerfahndung Kaliforniens hatte er die Machenschaften der Firma Balco aufgedeckt, eines Doping-Labors, das großrahmig den Spitzensport versorgte. Heute arbeitet der 43 Jahre alte Fahnder für die Food and Drug Administration, die staatliche Lebens- und Arzneimittelaufsicht, in einem Vorort von Washington. Seine Mission, den Kampf gegen Doping, nahm er mit. Neulich traf er sich deshalb zum ersten Mal mit Floyd Landis. Der Radrennfahrer, der 2006 bei der Tour de France mit Testosteron erwischt wurde und danach zwei Millionen Dollar für teure Anwälte ausgab, um eine Sperre abzuwenden, hatte beschlossen, endlich „die wahre Geschichte“ zu erzählen. Eine Geschichte, in der Lance Armstrong, der oft verdächtigte, aber nie überführte Texaner, eine wesentliche Rolle spielt.

          Das hat Novitzky, dessen Hartnäckigkeit die vierfache Goldmedaillengewinnerin Marion Jones wegen Meineids ins Gefängnis brachte, neugierig gemacht. Nach Informationen der „New York Daily News“ hat er inzwischen mit mehreren Figuren aus dem Radsport in Kalifornien gesprochen. Die Ermittlungen zielen unter anderem auf Armstrong und seine Rolle als Mitbesitzer von Tailwind Sports ab. Die Firma mit Sitz in San Francisco war der offizielle Betreiber der Rennställe US Postal und Discovery.

          Einem Bericht in der „New York Times“ zufolge geht es diesmal nicht nur um verbotene leistungsfördernde Substanzen, sondern um strafrechtlich relevante Vorwürfe: Betrug und Verschwörung. Die These: Beim organisierten Doping werden nicht nur andere Sportler um den Lohn ihrer Anstrengungen gebracht, sondern Sponsoren belogen und betrogen. So hatte die amerikanische Post jedes Jahr acht Millionen Dollar an Tailwind überwiesen.

          Nur sportlich am Boden? Lance Armstrong nach seinem Sturz in Kalifornien
          Nur sportlich am Boden? Lance Armstrong nach seinem Sturz in Kalifornien : Bild: AP

          Beweislast liegt bei den Ermittlern

          Novitzky hüllt sich in Schweigen. Doch amerikanische Zeitungen berichteten in dieser Woche erstmals unter Hinweis auf anonyme Quellen über die Stoßrichtung seines neuerlichen Einsatzes im Kampf gegen Doping. Es handelt sich offensichtlich nicht um einen Alleingang. Auch die Staatsanwaltschaft in San Francisco ist - wie schon im Balco-Fall - involviert. Welche Aussagen und Beweismittel sie finden werden, um Anklage zu erheben, lässt sich zu einem solch frühen Stadium allerdings nicht abschätzen.

          Im Balco-Fall standen den Strafverfolgern neben zahllosen Dokumenten wie E-Mails, bezahlten Schecks und Kalenderaufzeichnungen vor allem unzählige Aussagen der beteiligten Sportler zur Verfügung. Nur jene Athleten, die wie Marion Jones unter Eid die Doping-Praxis leugneten, kamen später in Schwierigkeiten. Die Beweislast liegt bei den Ermittlern, die dabei nicht immer mit ganz einwandfreien Mitteln vorgehen. So ließ Novitzky im Rahmen seiner Nachforschungen im Verfahren gegen Baseballstar Barry Bonds 2004 im Büro der Spielergewerkschaft Unterlagen über gedopte Baseballprofis beschlagnahmen, obwohl er dafür keine gerichtliche Rückendeckung hatte. Auf diese Weise gerieten rund hundert Spieler in die Akten der Justiz.

          Armstrong für „einwandfreie Untersuchung“

          Lance Armstrong, der vor einer Woche bei der Kalifornien-Rundfahrt die neuerlichen Beschuldigungen mit dem Hinweis auf die fehlende Glaubwürdigkeit von Floyd Landis zurückwies, hatte bislang die meisten Anwürfe mit Zivilklagen gekontert. Eine solche Taktik steht ihm gegen die Ermittlungen der Behörden nicht zur Verfügung. Der 38 Jahre alte Profi, der seit Jahren eloquent jeden Verdacht als von Neid getriebene Revanche brandmarkt, kann allenfalls den Behörden die Mitwirkung bei der Aufklärungsarbeit verweigern.

          Armstrong bereitet sich zur Zeit in Südfrankreich auf die Tour de Luxembourg vor, die in der nächsten Woche stattfinden wird. Sein Saisonziel ist die Tour de France. Sein Team reagierte auf die neueste Entwicklung mit einer schriftlichen Stellungnahme. „Wir verstehen, dass verantwortliche Anti-Doping-Einrichtungen und staatliche Behörden eine Verpflichtung haben, Anschuldigungen zu untersuchen, selbst dann, wenn diese Anschuldigungen grundlos und unglaubwürdig sind und von Leuten mit ungebührlichen Motiven kommen.“ Armstrong habe nichts gegen eine „einwandfreie Untersuchung“. Denn die würde ihn „wieder total von allen Vorwürfen freisprechen“.

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