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Lance Armstrong : Absturz ins Nichts

  • -Aktualisiert am

Der Kapitän der Landstraße, wann geht er über Bord? Bild: AFP

Lance Armstrong und sein Anwalt werfen im Kampf gegen die Doping-Vorwürfe nur noch Nebelkerzen. Der Tag rückt näher, an dem aus dem größten Radrennfahrer der Sportgeschichte ihr größter Betrüger wird.

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          Vor einem Monat wirkte Lance Armstrong wie ein Mann, der mit sich und der Welt ganz entspannt im Reinen ist. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles hatte ihre Ermittlungen eingestellt und die dicken Akten mit den Ergebnissen einer zweijährigen Recherchearbeit weggeschlossen. Eine offizielle Begründung, weshalb die Strafverfolgungsbehörden den siebenmaligen Gewinner der Tour de France vom Haken ließen, gab es nicht. Aber das genügte dem 40-Jährigen. „In meinem Kopf bin ich durch damit“, sagte er der amerikanischen Zeitschrift „Men’s Journal“. „Der Fall ist erledigt“.

          Der Artikel trug die Überschrift „Lances nächste Herausforderung“ und deutete an, woraus nach Armstrongs Meinung das nächste Kapitel seiner Sportlerkarriere bestehen würde. Aus der Beschäftigung mit einer neuen Sportart - Triathlon. Und aus dem Sieg im bedeutendsten Rennen - dem Ironman auf Hawaii. Einer Tortur von rund acht Stunden, bei der die Teilnehmer 3,8 Kilometer im Pazifik schwimmen, 180 Kilometer auf der Küstenstraße radeln und das Programm mit einem Marathonlauf abrunden.

          Der Mann, der mit seiner Stiftung mehr als 450 Millionen Dollar für die Krebsforschung mobilisiert hat und einst selbst dem Krebstod von der Schippe gesprungen war, wollte seine Extraklasse noch einmal unter Beweis stellen. Mit dem Motto im Gepäck, das auf allen seinen Trainingsklamotten steht: „Live strong“. Abgesehen von gesundheitlichen Problemen oder irgendetwas mit den Kindern, sagte er, werde ihn nichts mehr jemals erschüttern. Es klang cool bis auf die Knochen, aber war nur eine dieser typischen Armstrong-Aussagen. Denn als ihn in dieser Woche bei der Vorbereitung auf den Ironman-Triathlon in Nizza in Frankreich die neuesten Nachrichten erreichten, war die Fassade schnell zerbröckelt. Die Usada, die amerikanische Anti-Doping-Behörde, eröffnete ein Verfahren gegen ihn und seine mutmaßlichen Helfershelfer.

          „Ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnten“

          Hervor kam der alte kämpferische Kapitän der Landstraße. Die verfolgte Unschuld. Ein Meister der Anmaßung, der seine Feindbilder stets nach einem schlichten Schema sortiert. Dass die mit dem Geld von Steuerzahlern finanzierte amerikanische Anti-Doping-Agentur ausgerechnet ihn zur Rechenschaft ziehen wolle - „anstatt die geständigen Doper“, die ihn belasten - sei ein Indiz für die Bösartigkeit der Organisation, beklagte er in einer wortreichen Erklärung. Er machte sich gar nicht erst die Mühe zu erwähnen, dass diese Doper bereits ihre Strafen erhalten und zum Teil verbüßt haben. Im Unterschied zu ihm.

          Den Rest der PR-Arbeit verrichtet dieser Tage sein Anwalt Robert Luskin. Der saß am Freitagmorgen vor der Kamera des Fernsehsenders ABC mit einem von Berufswegen wehleidigen Gesicht und erklärte: „Lance ist noch nie einem Fight ausgewichen. Das einzige, was wir herausfinden wollen, ist, ob es ein fairer Fight ist.“ Wieder so ein Spruch. Denn Luskin, der einst Karl Rove, den Berater von Präsident George W. Bush, aus einem heiklen Fall gepaukt hatte, tut so, als gehe er gar nicht davon aus, dass ein Verfahren gegen den durch mehr als 500 Doping-Tests angeblich als sauber ausgewiesenen Armstrong fair ablaufen könne. Es handele sich um eine Vendetta, um Rache, behauptet er.

          Stark, stärker, Armstrong: Die Legende des Super-Sportlers

          Mit einer Anspielung auf den Mafia-Film „Der Pate“ und eines seiner berühmten Zitate charakterisierte er die Zusammenarbeit von Zeugen aus dem Radsport mit der Anti- Doping-Agentur unverhohlen als Erpressung: „Sie sind wie Don Corleone zu den Fahrern gegangen und haben ihnen ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnten.“ Armstrong hatte die Aussagen seiner Kollegen von einst bereits auf seine Weise desavouiert. Die Zeugen seien „mit Anonymität und Immunität bezahlt“ worden, erklärte er und tat so, als habe er Einblick in das Verfahren.

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