https://www.faz.net/-gu9-7jp78

Kronzeuge Jaksche : „Promi-Bonus“ bei der Doping-Kontrolle

  • Aktualisiert am

„Es gab einen Promi-Bonus bei der UCI, die bestimmte Leute schützte“: Jörg Jaksche (Foto von 1998) Bild: imago

Jörg Jaksche glaubt Lance Armstrong nach dessen Vorwürfen gegen den früheren UCI-Chef Hein Verbruggen. Der Deutsche spricht von einem „Promi-Bonus“ bei Doping-Kontrollen und „Nicht-Transparenz“ beim Radsport-Weltverband.

          1 Min.

          Jörg Jaksche glaubt Lance Armstrong. Der frühere Radprofi kann die Vorwürfe des einstigen Seriensiegers aus Texas an die Adresse des früheren Weltverbandschefs Hein Verbruggen (72) nachvollziehen. „Ich glaube ihm“, sagte Jaksche, nachdem Armstrong den Niederländer der Komplizenschaft beim Vertuschen von positiven Doping-Proben vor seinem ersten Tour de France-Sieg 1999 beschuldigt hatte.

          „Es gab einen Promi-Bonus bei der UCI, die bestimmte Leute schützte“, erklärte Jaksche, der sich 2007 der Justiz und dem Weltverband UCI als Doping-Kronzeuge zur Verfügung gestellt hatte. Nach seinem Geständnis fand er aber langfristig keinen neuen Arbeitgeber mehr und trat 2008 im Alter von 32 Jahren zurück. Es habe bei der UCI eine Form der „Nicht-Transparenz“ gegeben, „man wusste nicht, für was die stehen“, sagte Jaksche der Nachrichtenagentur dpa.

          Bei seinem Doping-Geständnis am UCI-Sitz in Aigle/Schweiz habe er sich vor sechs Jahren alles andere als willkommen gefühlt. „Die haben so getan, als habe ich ihnen in die Suppe gespuckt.“ Der kritische frühere Profi, der in einem BWL-Studium in Innsbruck auf einen Master-Abschluss zusteuert, berichtete von morgendlichen Blutkontrollen während der Tour de France in den Fahrer-Hotels. Dort seien „bestimmte Fahrer erheblich verspätet“ erschienen. „Das hat keiner moniert“.

          Jaksche sieht den Radsport nach der Abwahl des Verbruggen-Nachfolgers Pat McQuaid an der UCI-Spitze auf dem Weg aus der Krise. „Die Richtung stimmt“, sagte der ehemalige Telekom-Profi, der sich eine Mitarbeit im Dachverband unter dem neuen Präsidenten Brian Cookson aber nicht vorstellen könnte: „Das passt irgendwie als Ex-Doper nicht“.

          „Ich entscheide, wer positiv ist“

          Das ins Kreuzfeuer geratene IOC-Ehrenmitglied Verbruggen war auch von den früheren Profis Edwig van Hooydonck und Peter Stevenhaagen attackiert worden. Sie berichteten in der niederländischen Zeitung AD von Verbruggen-Drohungen. „Ich entscheide, wer positiv ist“, soll der frühere UCI-Präsident erklärt und die Warnung vor einer Epo-Epidemie im Fahrerfeld durch den zweifachen Flandern-Rundfahrt-Sieger van Hooydonck „übertrieben“ genannt haben.

          „Ich kann Fahrer groß werden lassen oder sie zerbrechen“, soll Verbruggen laut Stevenhaagen erklärt haben. Zuvor hatte sich der ehemalige PDM-Profi in den 90er Jahren kritisch über UCI-Funktionäre geäußert.

          Weitere Themen

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Topmeldungen

          Byebye, London? Mitglieder des britischen Oberhauses bei der Eröffnung des Parlament im Westminster Palace (Archivbild)

          Johnson-Plan : Britisches Oberhaus nach York?

          Der Westminster Palace muss dringen renoviert werden. Die britische Regierung prüft, das House of Lords zu verlegen. Der Umzug könnte dauerhaft sein.
          Salvini am Samstag in Maranello, natürlich stilecht mit Ferrari-Mütze

          Matteo Salvini : Ein Mann, ein Prozess

          Vor der Regionalwahl in der Emilia-Romagna ruft Matteo Salvini dazu auf, ihm die Immunität zu nehmen. Der Chef der Lega-Partei will aus dem Ermittlungsverfahren gegen ihn politischen Nutzen ziehen.
          Der amerikanische Präsident Donald Trump spricht Mitte Januar bei einer Wahlkampfkundgebung im Bundesstaat Wisconsin.

          Wahlen in Amerika : Die Opposition muss draußen bleiben

          In der republikanischen Partei gibt es durchaus ein paar Trump-Gegner, sie haben aber meist keine gewählten Ämter. Eine neue Lobbygruppe ruft in ihrer Verzweiflung nun zur Wahl von Demokraten auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.